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25. Januar 2026

25. Januar 2026 Unser besonderer Dank gilt der Sparkasse Minden-Lübbecke für ihre großzügige finanzielle Unterstützung der Dauerausstellung „Der nationalsozialistische Völkermord an den Sinti und Roma“ Mit der Förderung leistet die Sparkasse Minden-Lübbecke einen wichtigen Beitrag zur Erinnerungsarbeit, kulturellen Bildung und zur Stärkung des gesellschaftlichen Dialogs.

Vorwort Im Jahr 1407 werden die deutschen Sinti erstmals schriftlich erwähnt. Doch eine erste Erwähnung ist kein Anfang. Sie ist lediglich der Moment, in dem jemand beginnt, aufzuschreiben, was längst da war. Unsere Geschichte beginnt nicht im Jahr 1407, sie beginnt davor.

Wie bei so vielen Menschen, die dieses Land geprägt haben, lebten wir hier, bevor man uns in Urkunden festhielt. Und dennoch stehen wir bis heute an einem Punkt, an dem ausgerechnet wir deutschen Sinti immer wieder als fremd, als exotisch, als nicht zugehörig bezeichnet werden. Das ist ein Widerspruch, der schmerzt – und der erklärt werden muss. Denn wenn man ehrlich fragt, wie weit viele sogenannte „biodeutsche“ Familien ihre eigene Geschichte kennen, endet das Wissen oft beim Urgroßvater. Und nicht selten beginnt die eigene Familiengeschichte in Deutschland erst im 18. oder 19. Jahrhundert. Das ist nichts Ehrenrühriges. Zuwanderung gehört zur Geschichte dieses Landes. Aber sie darf nicht dazu führen, dass ausgerechnet jene, die seit Jahrhunderten hier leben, zu Fremden erklärt werden. Wir deutschen Sinti leben seit über sechshundert Jahren – und sehr wahrscheinlich deutlich länger – in diesem Land. Wir waren hier, als Deutschland noch kein Nationalstaat war. Wir waren hier, als Grenzen sich verschoben, als Namen wechselten, als Systeme kamen und gingen. Und wir sind bis heute hier. Unsere Verbundenheit mit diesem Land war dabei nie schwach. Im Gegenteil: Viele unserer Familien waren tief verwurzelt, oft auf eine stille, unspektakuläre, aber beständige Weise. Wir waren diesem Land gegenüber loyal, oft patriotisch, auch dann, wenn es uns nicht gerecht wurde. Ein Ausdruck dieser Verbundenheit ist, dass wir bis heute alte deutsche Traditionen und Werte achten – Werte, die ihren Ursprung im Mittelalter haben: Respekt gegenüber älteren Menschen, Gastfreundschaft, Zusammenhalt der Familie, die Bedeutung von Wort und Ehre. Nicht als starres Regelwerk, sondern als Haltung. Als etwas, das man lebt. Diese Traditionen haben wir nicht bewahrt, um uns abzugrenzen. Wir haben sie bewahrt, weil sie uns getragen haben – durch Zeiten der Ausgrenzung, der Verfolgung und des Schweigens. Dieser Aufsatz ist kein Angriff. Er ist eine Einladung. Eine Einladung, Geschichte vollständig zu betrachten. Nicht nur aus der Perspektive der Archive, sondern auch aus der Perspektive derer, die sie gelebt haben. Ich spreche als deutscher Sinto. Als jemand, dessen Wissen über die eigene Geschichte über Generationen weitergegeben wurde. Und als jemand, der überzeugt ist, dass Verständigung nur dort möglich ist, wo man bereit ist, einander zuzuhören. Denn eines muss endlich ausgesprochen werden: Wir waren immer hier. Wir gehören zu diesem Land. Und wir waren nie Fremde. Ausgrenzung zu gemeinsamer Geschichte Oswald Marschall Minden, Oktober 2023 ⸻ Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde, liebe Angehörige der Sinti-Gemeinschaft, ich stehe heute hier als Sinto. Was ich Ihnen sagen möchte, ist nicht nur ein Stück Forschung, sondern auch ein Stück Leben, ein Stück unserer gemeinsamen Geschichte. Ich habe in den letzten zehn Jahren intensiv an diesem Thema gearbeitet, und ich bin nicht nur auf schriftliche Quellen angewiesen, sondern auch auf das, was ich von meinem Urgroßvater gelernt habe – und er wiederum von seinem Urgroßvater. Wir Sinti haben unsere Geschichte weitergegeben, als sie uns sonst niemand aufgeschrieben hat. Ich selbst bin damit eine Quelle. Was ich Ihnen heute darlegen möchte, ist eine These, die unsere Geschichte und vielleicht auch unser Selbstverständnis verändern kann: Die frühe und anhaltende Ausgrenzung der Sinti in Deutschland hatte ihren Ursprung nicht in einer mysteriösen „Fremdheit“, sondern in einer sehr deutschen Tradition – der Ächtung sogenannter „ehrloser Berufe“. ⸻ Ausgrenzung durch deutsche Traditionen Seit Jahrhunderten ist bekannt, dass es in Deutschland Berufe gab, die als „unehrlich“ galten: Scharfrichter, Totengräber, Abdecker, wandernde Musiker, Schausteller, Gaukler, Kesselflicker, Heiler, Bader, Hausierer und noch viele andere handwerkliche Berufe. Obwohl diese Tätigkeiten von Nöten waren, sind diese Menschen nicht geachtet worden. Sie durften nicht in die Zünfte, mussten außerhalb der Stadtmauern wohnen. Wenn sie einen Gastraum betreten durften, bekamen sie einen separaten Tisch an der Tür zugewiesen. Ihr Krug war an einer Schnur befestigt. In Kirchen wurden sie an die hintersten Plätze gesetzt und mussten teils sogar auffällige Kleidung tragen, damit man sie erkennen konnte. In manchen Orten mussten sie Glocken tragen, um andere zu warnen, dass man sich nicht berühren sollte. Das war damals keine Ausnahme, sondern Tradition – eine deutsche Tradition. Wir wissen aus den Quellen: 1407 werden Sinti erstmals in Hildesheim urkundlich erwähnt. Seit dem 15. Jahrhundert leben wir in deutschen Territorien. Anders als die Roma auf dem Balkan haben wir uns früh nach Mitteleuropa orientiert. Weil wir keinen Zugang zu Zünften hatten, weil wir mobil waren und weil wir Handwerker, Musiker, Kesselflicker und Schausteller waren, gerieten wir automatisch in die Gruppe derer, die als „unehrlich“ galten. Wir Sinti wurden also nicht ausgegrenzt, weil wir „fremd“ waren, sondern weil wir Berufe ausübten, die damals von der Mehrheitsgesellschaft ausgegrenzt wurden. Diese Ausgrenzung betraf jeden, der einen ehrlosen Beruf ausübte. Wenn Menschen außerhalb der Stadtmauern leben, eigene Wege finden müssen, um zu überleben, dann entstehen automatisch eigene Formen des Zusammenhalts. Das war unsere Antwort auf Ausschluss – keine Abkehr von der Gesellschaft, sondern ein Überlebensweg in ihr. Die Fremdheit, die man uns zuschrieb, war also ein Spiegel der damaligen Gesellschaft. Man erklärte uns zu Fremden, weil man uns durch eigene Gesetze und Traditionen ausgeschlossen hatte. Diese Tradition der Ausgrenzung verfestigte sich über Generationen. Wer einmal außerhalb stand, hatte kaum eine Chance, wieder aufgenommen zu werden. So entstand das Bild des „ewigen Außenseiters“ – ein Bild, das bis heute nachwirkt. ⸻ Deutsche Sinti – seit Jahrhunderten Teil dieses Landes Wir Sinti leben seit über 600 Jahren in Deutschland. Welche Kultur sollten wir haben, wenn nicht eine deutsche? Gerade deshalb ist es falsch, uns als Fremde darzustellen. Unsere Bräuche, unsere Lebensweise und viele unserer Werte sind nichts anderes als Überreste einer alten deutschen Alltagskultur. In unseren Familien wurden sie weitergegeben, während sie bei der Mehrheitsgesellschaft in Vergessenheit gerieten. Wir dürfen uns deshalb nicht dafür rechtfertigen müssen, dass wir noch Traditionen bewahren, die aus dem Mittelalter stammen. Diese Bräuche sind keine Zeichen von Rückständigkeit – sie sind Zeugnisse einer langen gemeinsamen Geschichte. Es wäre fatal, wenn man sie mit den starren oder religiös aufgeladenen Traditionen anderer Gesellschaften vergleicht. Deutsche Sinti hatten und haben seit Menschengedenken einen christlichen Glauben. Unsere Traditionen sind Ausdruck von Anpassung, Erinnerung und kultureller Stärke. Sie verbinden uns mit der Geschichte dieses Landes, nicht mit einer Weltanschauung der Abgrenzung. Oft wird übersehen, dass unsere sogenannten „alten“ Traditionen das sind, was einst allgemein deutsch war. Was wir bewahrt haben, ist ein Stück Vergangenheit, das in der übrigen Gesellschaft verloren ging. Manche mögen das als „anders“ empfinden – doch in Wahrheit sind diese Bräuche nur ein Echo gemeinsamer Wurzeln. Kulturelle Prägung und Unterschiede Oft wird gesagt, Sinti und Roma hätten eine gemeinsame Kultur oder Tradition. Das ist nur bedingt richtig. Wir teilen eine sehr frühe gemeinsame Herkunft, die weit zurück nach Indien reicht, doch unsere Wege haben sich bereits vor Jahrhunderten getrennt. Wir Sinti leben seit über sechshundert Jahren in Deutschland. Dieses Land hat uns kulturell geprägt, in unserer Sprache, unserer Musik, in unseren Werten und unserem Denken. Deutschland ist unsere Heimat, und unsere Kultur ist untrennbar mit ihr verbunden. Sie ist über Jahrhunderte gewachsen, beeinflusst von allem, was dieses Land ausmacht. Als unsere Vorfahren vor rund tausend Jahren Indien verließen, waren sie viele Jahrhunderte unterwegs. Auf dieser langen Wanderung begegneten sie anderen Völkern, Sprachen und Lebensweisen. Sicherlich haben sich damals auch Eindrücke anderer Kulturen in uns niedergeschlagen. Was davon bis heute geblieben ist, lässt sich kaum mit Sicherheit sagen. Doch die über sechshundert Jahre, die wir hier in Deutschland leben, haben uns zweifellos geprägt und geformt – kulturell, sprachlich und gesellschaftlich. Wenn ich ehrlich bin, halte ich der Mehrheitsgesellschaft manchmal einen Spiegel vor. Denn vieles, was heute als typisch Sinti bezeichnet oder gar als fremd empfunden wird, stammt in Wahrheit aus alten deutschen Traditionen. Wir Sinti haben viele dieser Werte, Bräuche und Formen des Zusammenlebens bewahrt – Dinge, die in der Mehrheitsgesellschaft von den meisten längst verloren oder vergessen sind. Respekt vor den Älteren, Zusammenhalt in den Familien, Gastfreundschaft, die Bedeutung von Ehre und Wort – all das sind Werte, die einst das deutsche Leben prägten. Heute gelten sie vielen als altmodisch oder fremd, doch für uns sind sie selbstverständlich geblieben. Und gerade weil wir sie weiterleben, werden wir manchmal als anders wahrgenommen, obwohl wir in Wahrheit nur das bewahren, was dieses Land ausgemacht hat. So werden aus alten deutschen Tugenden plötzlich Klischees über Sinti. Dabei sind es unsere gemeinsamen Wurzeln, Spuren einer Kultur, die uns alle verbindet. Vielleicht ist das der eigentliche Spiegel: dass wir Sinti manches, was Deutschland vergessen hat, noch immer in uns tragen. Wir pflegen die alten deutschen Traditionen aus vollem Herzen. Wenn wir über die sogenannten unehrlichen Berufe sprechen, dann ist es wichtig, etwas klarzustellen: Viele unserer Familien hatten ihre eigenen Formen von Arbeit, Stolz und Ehre, und sie hätten niemals bestimmte Tätigkeiten angenommen, die gegen ihr eigenes Ehrverständnis verstoßen hätten. Doch einige dieser Berufe wie Scherenschleifer, Kesselflicker, wandernde Musiker, Schausteller, Handelstreibende und noch andere handwerkliche Berufe waren für viele unserer Vorfahren schlicht überlebenswichtig. Einige Bräuche haben wir überdacht und angepasst, doch Respekt, Gastfreundschaft, Familienzusammenhalt und das Bewahren unserer Werte sind für uns selbstverständlich geblieben. Aber das Entscheidende ist ein anderes: Aus den Lebensbedingungen dieser Zeit entstanden Traditionen, die nichts mit den Berufen zu tun hatten, sondern mit Werten, die wir bis heute hochhalten. Werte, die nicht „sintisch“ im Sinne einer fremden Kultur sind, sondern alte deutsche Tugenden, die unsere Vorfahren weitertrugen, als sie im Übrigen in unserem Land schon fast verschwunden waren. Wir haben also nicht die „unehrlichen Berufe“ bewahrt. Wir haben die Traditionen der Menschen, die in dieser Zeit lebten, bewahrt. Und genau daran liegt ein Missverständnis unserer Zeit. Man sagt oft, Sinti seien „anders“. „exotisch“ oder „fremd“ Die Wahrheit ist: Wir leben bis heute Werte, die einst ganz gewöhnliche deutsche Werte waren. Wir bewahren etwas, was beide Seiten einmal geteilt haben. Und dass diese Traditionen bei einigen von uns noch fortbestehen, ist kein Grund für Ausgrenzung – sondern ein Grund zur Anerkennung. Über die Roma in anderen europäischen Ländern kann und will ich nicht im Einzelnen sprechen. Ich kann nur vermuten, dass auch sie von den Ländern, in denen sie seit Jahrhunderten leben, beeinflusst worden sind – so wie wir von unserem. Aber das liegt in ihrer eigenen Verantwortung, das zu beschreiben. Wenn sie es denn wollen. Wichtig ist mir eines: Wir Sinti sind keine Fremden in diesem Land. Wir sind Teil seiner Geschichte, seiner Kultur und seines gesellschaftlichen Lebens. Die Unterschiede zwischen uns und anderen Gruppen zu benennen, bedeutet keine Ausgrenzung – es ist ein Akt der Aufklärung und der Wahrhaftigkeit. ⸻ Erneuerung und Wandel Die Berufe unserer Vorfahren galten im Mittelalter als ehrlos und führten dazu, dass Sinti ausgegrenzt wurden. Doch aus diesen Tätigkeiten wuchsen Regeln und Traditionen, die unsere Gemeinschaft stärkten: Werte wie Ehre, Respekt, Gastfreundschaft und Zusammenhalt. Diese Traditionen tragen wir bis heute in uns, als lebendige Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Nicht alle Sinti richten sich heute noch nach den alten Traditionen. Über viele Jahrhunderte hielten wir daran fest – oft, weil wir abgesondert lebten und nicht bemerkten, dass sich die Gesellschaft veränderte. Doch in den letzten Jahrzehnten hat sich das gewandelt. Immer mehr Sinti haben erkannt, dass vieles, was sie für ihre eigene, abgeschlossene Tradition hielten, in Wahrheit Teil einer gemeinsamen deutschen Kultur war. So haben sich viele – so schwer es auch gefallen ist – entschlossen, manche dieser überkommenen, zum Teil unlogisch gewordenen Traditionen abzulegen. Das war kein Bruch mit der eigenen Identität, sondern eine Rückkehr in die gemeinsame kulturelle Wirklichkeit dieses Landes. Wir sind keine Rückständigen, sondern Bewahrer einer Vergangenheit, die wir jetzt mit neuem Bewusstsein leben. Es ist wichtig, dass niemand unsere Geschichte missbraucht, um uns in eine Ecke der „Anderen“ zu drängen. Wie gesagt, wir sind weder exotisch noch abgeschottet – wir sind ein deutscher Teil mit einer langen, unverwechselbaren Geschichte. ⸻ Sprache, Musik, Kultur – gemeinsame Schöpfung Unsere Kultur ist durch den Minderheitenschutz geschützt – und dazu gehört auch unsere Sprache, das Romnes, die bis heute lebendig ist. Sie ist Trägerin von Identität, Erinnerung und gemeinsamer Erfahrung. Ebenso haben wir zur deutschen und europäischen Kultur vieles beigetragen: Wir haben den Sinti-Jazz entscheidend mitgeprägt, indem wir musikalische Kompetenzen, Ausdrucksformen und Improvisationskulturen eingebracht haben. Man denke an Schnucke – Nack – Reinhardt – Quintett oder den berühmten Jazz-Gitarristen Django Reinhardt. Wir haben auch den Flamenco mitgestaltet – nicht als Alleinerfinder, sondern als Mitwirkende, die ihren Teil beigetragen haben. Komponisten wie Johannes Brahms, Franz Liszt und Joseph Haydn haben in ihren eigenen Aufzeichnungen festgehalten, dass sie von der Musik der Sinti und Roma inspiriert wurden. Die Musik der Sinti und Roma hat Spuren in der europäischen Klassik hinterlassen. Brahms, Haydn, Liszt und andere haben nicht nur zugehört, sie haben sich berühren lassen – und unsere musikalischen Ausdrucksformen in ihre Kompositionen aufgenommen und weitergetragen. Wir haben also nicht „genommen“, sondern mitentwickelt. Wir stehen nicht im Gegensatz zur deutschen Kultur – sie ist Teil von ihr. Wenn man genau hinhört, findet man in unserer Musik, in unserer Sprache und in unserer Lebensweise Spuren, die auch die deutsche Geschichte erzählen. ⸻ Ein Appell an beide Seiten An die Mehrheitsgesellschaft: Sehen Sie uns als Teil unseres Landes. Wenn Sie unsere Lieder hören, unsere Sprache, unsere Verhaltensweisen, dann erkennen Sie darin alte Verwandtschaften. Anerkennung beginnt mit Wissen. Lehren Sie unsere Geschichte in Schulen, integrieren Sie unsere Stimmen in Museen und Gedenkorte, hören Sie auf, uns permanent als „anders“ zu inszenieren. An unsere Gemeinschaft: Bewahrung und Anpassung sind kein Widerspruch. Unsere Sprache, unsere Musik, unsere mündlichen Überlieferungen sind wertvoll. Gleichzeitig dürfen wir nicht an Praktiken festhalten, die uns heute schaden oder uns von der Teilhabe abhalten. Der Weg ist nicht Aufgabe, sondern bewusste Auswahl: Was schützt unsere Identität und stärkt unsere Kinder? Was hält uns zurück? Diese Fragen müssen wir ehrlich beantworten — miteinander, nicht gegeneinander. ⸻ Ich weiß zu hundert Prozent, dass es so war. Ich habe es erlebt und von meinen Vorfahren gehört. Diese mündliche Überlieferung ist eine Quelle, die in der historischen Forschung viel zu wenig beachtet wird. Historiker meinen oft, mehr über uns zu wissen als wir selbst. Aber wir Sinti haben unsere Geschichte in unseren Familien bewahrt. Und ich stehe heute hier, um diese Geschichte zu teilen – für die Mehrheitsgesellschaft und für unsere eigene Gemeinschaft. Vielleicht können wir so beginnen, die Wogen zu glätten. Vielleicht können wir Sinti und Nicht-Sinti wieder zusammenführen, indem wir zeigen, dass wir eine gemeinsame Geschichte haben, eine gemeinsame Tradition, eine gemeinsame Kultur. Es ist Zeit, dass wir diese Geschichte erzählen – offen, belegt und in gegenseitigem Respekt. Schlusswort Ich habe diesen Aufsatz nicht geschrieben, um zu klagen. Und nicht, um anzuklagen. Ich habe ihn geschrieben, um etwas festzuhalten, das zu lange verdrängt wurde. Die Geschichte der deutschen Sinti ist keine Randgeschichte. Sie ist Teil der deutschen Geschichte selbst. Und sie beginnt nicht mit Verfolgung – sondern mit Zugehörigkeit, mit Arbeit, mit Kultur, mit Alltag. Was über Jahrhunderte geschehen ist, war keine Folge von Anderssein, sondern die Folge von Ausgrenzung. Keine freiwillige Absonderung, sondern ein Prozess, der Menschen an den Rand gedrängt hat – und ihnen später genau diesen Rand als Vorwurf gemacht hat. Wir deutschen Sinti haben gelernt, zu überleben, ohne bitter zu werden. Wir haben gelernt, zu bewahren, ohne uns zu verschließen. Und wir haben gelernt, mit diesem Land verbunden zu bleiben, auch dort, wo es uns verletzt hat. Ich habe diesen Text geschrieben, weil ich überzeugt bin: Versöhnung beginnt nicht mit Schuldzuweisungen, sondern mit Wahrheit. Und Wahrheit beginnt dort, wo man bereit ist, zuzuhören. Dieser Aufsatz ist mein Schritt auf die Mehrheitsgesellschaft zu. Ein offenes Wort. Ein ausgestreckter Arm. Ich erwarte keinen Applaus. Ich erwarte keinen Konsens. Ich erwarte nur eines: dass man uns endlich nicht mehr als Fremde betrachtet, sondern als das, was wir immer waren: Ein Teil dieses Landes. Ein Teil seiner Geschichte. Ein Teil seiner Gegenwart. Und ein Teil seiner Zukunft. Was aus diesen Worten folgt, liegt nun nicht mehr in meiner Hand. Oswald Marschall 17.2.2022

Über Sinti wird viel behauptet – selten wird zugehört. Die hier veröffentlichten Aufsätze machen sichtbar, was oft übergangen wird: unsere über 600-jährige Geschichte in Deutschland, unsere Verwurzelung und die Gründe, warum falsche Gleichsetzungen bis heute Schaden anrichten. Diese Texte sind ein Beitrag zur Aufklärung – aus eigener Erfahrung, aus eigener Geschichte.

Vorwort Seit vielen Jahren lese ich Texte, höre Vorträge und sehe Dokumentationen über „Sinti und Roma“, die fast ausschließlich von Menschen stammen, die nicht zu unserer Minderheit gehören. Oft habe ich dabei das Gefühl, dass sie glauben, mehr über uns zu wissen als wir selbst. Sie erklären unsere Geschichte, unsere Herkunft, unsere Kultur – und tun das mit einer Selbstsicherheit, die mich immer wieder erstaunt und auch verletzt. Viele dieser sogenannten Fachleute kommen zu uns in die Büros, in unsere Vereine oder sogar an unsere Küchentische. Sie stellen Fragen, hören zu, schreiben mit – und am Ende verwenden sie unser Wissen für ihre eigenen Arbeiten, ohne wirklich zu verstehen, was wir ihnen anvertrauen. Das, was sie nicht wissen oder nicht verstehen, füllen sie mit eigenen Vermutungen. Dann heißt es in ihren Texten: „Wir gehen davon aus, dass…“ – und genau so entstehen jene klischeehaften Bilder, die seit Generationen über uns weitergetragen werden. Ich habe beschlossen, das nicht länger hinzunehmen. Mein Name ist Oswald Marschall, ich bin 71 Jahre alt und weiß genau, woher mein Wissen stammt: Von meinem Urgroßvater, der es wiederum von seinem Urgroßvater überliefert bekam. Dieses Wissen wurde über Generationen weitergegeben – von Familie zu Familie, von Mund zu Ohr, von Herz zu Herz. Das ist unsere wahre Quelle, und ich glaube mit Überzeugung sagen zu dürfen: Es gibt keine authentischere Form der Überlieferung als diese. In den vergangenen Jahren habe ich deshalb selbst geforscht und verglichen was mir meine Vorfahren erzählt und aufgeschrieben haben, dadurch konnte ich vieles richtigstellen, was über uns verzerrt oder falsch dargestellt wurde. In mehr als dreißig Aufsätzen habe ich die Geschichte, die Kultur und die Lebenswirklichkeit der Sinti – und zum Teil auch der Roma – aus unserer eigenen Sicht beschrieben. Diese Texte sind nicht gegen jemanden gerichtet, sondern für Aufklärung, für Wahrheit und für Würde. Denn noch immer wissen viele Menschen aus der Mehrheitsgesellschaft nur sehr wenig über uns. Aber auch innerhalb unserer eigenen Reihen gibt es Wissenslücken über unsere Wurzeln, unsere Geschichte und die Unterschiede zwischen Sinti und Roma. Ich wünsche mir, dass diese Aufsätze dazu beitragen, das zu ändern. Ich schreibe nicht als Wissenschaftler, sondern als Zeitzeuge – als jemand, der unsere Geschichte lebt, nicht nur studiert. Ich bin Teil dessen, worüber ich berichte. Darum sind diese Texte keine theoretischen Abhandlungen, sondern Erinnerungen, Erfahrungen und Aufrufe zugleich. Ich habe über unsere Kultur und Traditionen geforscht, über unsere Sprache, über das, was uns verbindet – und auch über das, was uns unterscheidet. Dabei war mir besonders wichtig klarzustellen: Wir Sinti auch die alt eingesessenen Roma können nicht für das verantwortlich gemacht werden, was einige neuzugewanderte Roma in Deutschland tun, oder was ihnen zur Last gelegt wird. Immer wieder heißt es in den Medien „Sinti und Roma aus Südosteuropa“ – obwohl es dort keine Sinti gibt. Wir Sinti und auch die deutschen Roma, die seit vielen Generationen in diesem Land leben, wollen nicht mit einigen Roma gleichgestellt werden, die erst vor kurzer Zeit nach Deutschland kamen und hier durch Fehlverhalten auffallen. Diese und viele andere Missverständnisse will ich mit meinen Aufsätzen aufklären. Wir Sinti und auch die in Deutschland lebenden Roma dürfen nicht länger für das Verhalten Einzelner verurteilt werden. Jeder Mensch trägt seine eigene Verantwortung-und Straftaten oder Fehlverhalten sind immer persönliche Entscheidungen, keine Merkmale einer Kultur. Wenn Medien und Politik dennoch ganze Gruppen dafür verantwortlich machen, schüren sie bewusst Vorurteile und halten alte Feindbilder am Leben. Wer dennoch alle Sinti und Roma unter Generalverdacht stellt, macht sich der selben Denkweise schuldig, die schon einmal in unserem Land unsägliches Leid verursacht hat. Ich möchte, dass die Menschen verstehen, wer wir wirklich sind, woher wir kommen und warum wir – trotz allem, was uns im Laufe der Geschichte widerfahren ist – ein fester und unverzichtbarer Teil dieses Landes sind. Sinti und Roma in Deutschland: Sichtbarkeit, Geschichte und Verantwortung: Historische Hinweise auf die Aufspaltung: Es ist wichtig, eine Sache ruhig und sachlich zu benennen, weil sie bis heute oft missverstanden wird, oder Missverstanden werden will: Wenn wir Unterschiede zwischen Sinti und Roma erklären, geht es nicht um Abwertung, nicht um Distanzierung und nicht um gegenseitige Diskriminierung. Es geht einzig um historische Präzision. Die Quellenlage ist eindeutig: Schon vor mindestens 600 -700 Jahren haben sich die wanderden Gruppen aufgespalten und sind in völlig unterschiedlichen Regionen Europas gezogen. Aus dieser frühen Trennung sind Unvermeidlich verschiedene Sprachen, Lebensweisen und kulturelle Entwicklungen entstanden. Es wäre historisch schlicht falsch, daraus heute eine homogene Gesamtgruppe zu machen – diese Einheit existiert seit Jahrhunderten nicht mehr. Trotzdem werden Sinti und Roma in Politik, Medien und öffentlicher Debatte oft unter einem gemeinsamen Oberbegriff zusammengefasst. Und jedes Mal, wenn wir diese Tatsachen korrigieren, wird uns unterstellt, wir würden spalten oder gegeneinander sprechen. Doch das Gegenteil ist richtig: Die klare Benennung unterschiedliche Identitäten ist kein Ausdruck von Feindseligkeit – sie ist ein Schutz vor Feindseligkeit aus der Mehrheitsgesellschaft. Denn Pauschalisierungen entstehen immer dann, wenn man Unterschiede verschweigt. Aufklärung ist das Gegenteil von Diskriminierung. Ich spreche heute als deutscher Sinto. Als jemand, dessen Familie seit über 600 Jahren in diesem Land lebt. Als jemand, dessen Sprache, Kultur und Heimat Deutschland ist. Ich spreche heute in Verantwortung für viele Sinti in Deutschland, die diese Erfahrungen teilen – für Menschen, die seit Jahrhunderten Teil dieses Landes sind, oft ohne dass dies anerkannt wird. Auch habe ich mit Deutschen Roma über das Thema was ich heute deutlich machen will, gesprochen, wir waren uns einheitlich einig das es in der heutigen Zeit unausweichlich ist die Unterschiede zwischen Sinti und zugewanderten Roma in aller Deutlichkeit darzulegen. Es geht mir nicht darum, andere abzuwerten. Es geht darum, die Wirklichkeit sichtbar zu machen, damit wir nicht länger für Dinge verantwortlich gemacht werden, die nicht zu uns gehören. Unsere gemeinsame Wurzel – unser gemeinsames Schicksal Sinti und Roma stammen aus einer gemeinsamen Herkunft in Indien. Und im Nationalsozialismus haben beide Gruppen das gleiche Verbrechen erlebt: Entmenschlichung, Verfolgung, Deportation, Ermordung. Aber ein zentraler Unterschied prägt unser Verhältnis zu diesem Land bis heute: Wir Sinti wurden von unseren eigenen Landsleuten, verraten, schlussendlich ermordet. Von Nachbarn, Freunden, Vereins-Kameraden, Polizisten, Beamten – von Menschen, die wussten, wer wir waren. Das hat sich tief in unser kollektives Gedächtnis eingeschrieben und verpflichtet Deutschland uns gegenüber zu Schutz und Verantwortung. ——— Eins müssen wir uns bewusstmachen: „Zigeuner“ hat es als Eigenbezeichnung nie gegeben. Kein Mensch wird als Zigeuner geboren. Dieser Begriff ist ein reines Konstrukt der Mehrheitsgesellschaft, geschaffen, um sehr unterschiedliche Gruppen in ein einziges abwertendes Bild zu pressen. Unter dieser Fremdbezeichnung wurden nicht nur Sinti und Roma zusammengefasst, sondern auch Jenische, Schausteller, Hausierer und andere Menschen, die schlicht nicht in das Gesellschaftliche Schema passten. Dieses Konstrukt diente dazu, Minderheiten gleichzumachen, zu entmenschlichen und letztlich zu verfolgen. Und genau deshalb müssen wir Wachsam sein, wenn eine neue Sammelbezeichnung wie „Sinti und Roma“ heute in Negativen Kontexten benutzt wird. Auch diese Doppelbezeichnung ist keine gewachsene Eigenbezeichnung, sondern eine Politische Formel, die alt zu oft dazu führt, das völlig verschiedene Lebensrealitäten in einen Topf geworfen werden. Wer „Sinti und Roma“ nutzt, um Kriminalität, Armut oder Probleme pauschal zu adressieren, wiederholt im Kern dieselbe Logik, die schon hinter den Wort Zigeuner stand: Viele zu einer Masse zu machen, damit sich Verantwortung leichter zuschreiben lässt. ———– Wir sind Teil der deutschen Geschichte. Wir Sinti leben seit dem 15. Jahrhundert in Deutschland. Wir haben hier gearbeitet, Kinder großgezogen, Dinge geschaffen und gestaltet. Wir haben unsere Sprache bewahrt, unsere Erzähltraditionen, unsere Musik. Wir gehören zu dieser Gesellschaft – nicht seit gestern, sondern seit Jahrhunderten. Rechtliche Stellung und Zugehörigkeit Wir Sinti und die alt eingesessenen Roma sind als nationale Minderheit anerkannt – so wie die Sorben, Dänen und Friesen. Wir sind deutsche Staatsbürger. Wir benötigen keine Aufenthaltsgenehmigung und keinen Sonderstatus. Wir gehören zu diesem Land – in Geschichte, Recht und Kultur. Denn auch die alt eingesessenen Roma, die zwischen 1890 und 1910 nach Deutschland kamen, gehören seit Generationen zu diesem Land. Sie haben ihre eigene Geschichte, ihre eigene Würde, ihre eigene Identität. Sinti in Südosteuropa – Klarstellung Und es ist wichtig, eine Sache klarzustellen: Nach meinem Wissen gibt es keine Sinti in Südosteuropa. Wenn heute in Berichterstattungen über vermeintliche Probleme oder Fehlverhalten von Menschen aus dem Balkan oder aus Südosteuropa gesprochen wird, dann heißt es oft leichtfertig „Sinti und Roma aus Südosteuropa“. Das ist sachlich falsch und führt zu gefährlichen Missverständnissen. Allenfalls könnte es sein, dass in der langen Geschichte kleine Sinti-Familien oder Gruppen vereinzelt in einigen südosteuropäischen Ländern siedelten, möglicherweise Nachfahren jener, die während des Krieges dorthin geflüchtet sind und später nicht mehr zurückkehrten. Doch dies betrifft nur wenn, sehr wenige und ändert nichts daran, dass die große Mehrheit der Sinti seit Jahrhunderten in Deutschland lebt und Teil dieses Landes ist. Kriminalität oder Fehlverhalten Einzelner darf niemals einer gesamten Volksgruppe zugeschrieben werden. Jeder Mensch ist für sein eigenes Handeln verantwortlich. Wenn Einzelne Fehler machen oder gegen Gesetze verstoßen, darf das niemals auf eine ganze gruppe übertragen werden. Wir Sinti und auch die in Deutschland lebende Roma die seit weit mehr als hundert Jahren in Deutschland beheimatet sind, dürfen nicht länger für das Verhalten Einzelner verurteilt werden. Straftaten oder Fehlverhalten sind immer Persönliche Entscheidungen, keine Merkmale einer Kultur. Doch manchmal habe ich das Gefühl, das diese Gleichsetzung sogar gewollt ist. Es wirkt, als wolle man die deutschen Sinti bewusst mit einbeziehen, um uns –trotz unserer über sechshundertjährigen Geschichte in diesem Land-weiterhin als Fremde erscheinen zu lassen. Auf dieser Weise bleibt das alte Bild bestehen, wir seien „die Anderen“ und genau darin liegt die eigentliche Ungerechtigkeit. Nach allem, was unsere Minderheit in der Geschichte erlitten hat, sollte es selbstverständlich sein, dass niemand kollektiv für das Verhalten anderer haftet. Verantwortung ist immer individuell – niemals Kollektiv. Kein Volk, keine Minderheit und keine Gemeinschaft darf für die Fehler Einzelner verurteilt werden. Wer das dennoch tut, hält Vorurteile am Leben und macht sich derselben Denkweise schuldig, die schon einmal in unserem Land unsägliches Leid verursacht hat. Identität ist würdevoll und klar. Und deshalb ist es wichtig zu betonen: Sinti nennen sich nicht Roma, und Roma nennen sich nicht Sinti. Nicht aus Ablehnung – sondern aus Stolz und Wahrheit. Unsere Vorfahren sind als Sinti gestorben. Die Vorfahren der Roma sind als Roma gestorben. Identität ist kein wechselbares Etikett. Sie ist Erinnerung, Geschichte, Verantwortung, Würde. Verantwortung füreinander Gerade weil wir Sinti und alt eingesessene Roma wissen, wie schwer es ist, in diesem Land Anerkennung und Vertrauen zu gewinnen, tragen wir auch Verantwortung füreinander. Alt eingesessene, integrierte Roma sollten dazu beitragen, neu zugewanderten Roma aus Südosteuropa und vom Balkan Orientierung und Unterstützung zu geben – nicht aus Überlegenheit, sondern aus gegenseitiger Solidarität. Alt eingesessene und integrierte Roma, die seit Generationen hier leben, teilen viele Herausforderungen mit uns Sinti. Wenn Roma-Organisationen in Deutschland ihre neu zugewanderten Familien unterstützen, können sie bei Bedarf auf die Erfahrung und Beratung von Sinti-Organisationen zurückgreifen. Dabei handelt es sich um ein freiwilliges Angebot zur Zusammenarbeit, das die Eigenständigkeit der jeweiligen Organisationen wahrt und gleichzeitig sicherstellt, dass Unterstützung kompetent und effizient erfolgt. Diese Hilfe ist wichtig – bei der Wohnungssuche, im Kontakt mit Behörden, in Schulen und Kindergärten, bei all den alltäglichen Hürden. Denn wer sich schneller zurechtfindet, wer Unterstützung bekommt, kann sich auch schneller entfalten. Wenn wir uns gegenseitig stärken, nehmen wir Populisten und Hetzern den Boden unter den Füßen. Denn dann kann niemand mehr behaupten, die gesamte Minderheit würde ein einziges Problem darstellen. Die Fehler und Vergehen Einzelner dürfen niemals einer ganzen Minderheit zugeschrieben werden. Das ist keine Spaltung, das ist Selbstverantwortung, Zusammenhalt und Reife – ein Zeichen von Stärke, nicht von Distanz. Verantwortung des Staates Doch diese gegenseitige Unterstützung darf niemals die Verantwortung von Politik und Gesellschaft ersetzen. Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma hat in den letzten Jahrzehnten bewiesen, dass er nicht nur die Interessen der deutschen Sinti und der alt eingesessenen Roma verlässlich vertritt, sondern auch eine unverzichtbare Brückenfunktion zwischen Deutschland und den Südosteuropäischen Herkunftsgesellschaften neu Zugewanderten Roma einnimmt. Jahr für Jahr sucht die Leitung des Zentralrats den Direkten Dialog mit Regierungen in Südosteuropa, um menschenwürdige Lebensbedingungen vor Ort einzufordern, Fluchtursachen zu verringern und Perspektiven zu stärken-ein Einsatz, der Maßgeblich im deutschen Interesse liegt. Denn wer den Menschen hilft, ihre Heimat nicht verlassen zu müssen, leiste auch einen Konkreten Beitrag zur Stabilität hier im Land. Gleichzeitig hat der Zentralrat in Deutschland selbst über Jahrzehnte entscheidende Fortschritte für Minderheitenschutz und Gleichbehandlung erreicht: Unter anderen: Das Abkommen mit dem Bundeskriminalamt. Das BKA erkennt die besondere Geschichte der Sinti und Roma an, einschließlich der Verfolgung durch staatliche Stellen. Das BKA und Zentralrat verpflichten sich, gemeinsam gegen Diskriminierung und Antiziganismus vorzugehen. Die wegweisenden Vereinbarungen mit der Kirche; Aufarbeitung der NS Vergangenheit der Kirche die durch das Engagement des Zentralrats vorangetrieben wurde, die Erfolgreiche melde und Informationsstelle gegen Antiziganismus MIA, hat der Zentralrat gefordert und durchgesetzt. Auch hat der Zentralrat die Unterstützung bei der Einrichtung der GFA an der Universität Heidelberg veranlasst, die heute zentrale wissenschaftliche Arbeit gegen Antiziganismus leistet und viele weitere Initiativen, der Staat und Gesellschaft in die Lage versetzen, Diskriminierung zu erkennen, abzubauen und zu verhindern. Ein Staatsvertrag ist daher nicht nur eine Frage der Anerkennung. Er ist eine Notwendigkeit für den Staat selbst. Gerade weil der Zentralrat seine Arbeit seit Jahrzehnten verlässlich leistet- und weil er sowohl die Bedürfnisse der Deutschen Minderheit als auch die realen sozialen Notlagen neu zugewanderter Roma kennt- ist ein Staatsvertrag kein Privileg, sondern Notwendigkeit. Er schafft Planungssicherheit, verlässliche Strukturen und die Möglichkeit, Staatliche Verantwortung gemeinsam professionell wahrzunehmen. Es war kein Zufall, das Bundeskanzlerin Merkel und Bundesinnenminister Seehofer, die Dringlichkeit eines Staatsvertrags bereits gesehen haben. Dass sie ihre Ämter in der entscheidenden Phase Niederlegten, darf nicht dazu führen, dass eine längst überfällige Entscheidung weiter aufgeschoben wird. Der Staat selbst profitiert davon, wenn er eine Institution stärkt, die seit Jahrzehnten zuverlässig, glaubwürdig und mit internationaler Wirkung für Recht, Aufklärung und Stabilität sorgt. Es ist Aufgabe des Staates, sowohl die Sinti als auch die alt eingesessenen Roma durch den garantierten Minderheitenschutz zu schützen, gleiche Rechte zu sichern und für gerechte Chancen zu sorgen. Wir übernehmen Verantwortung, ja – aber wir entbinden niemanden von seiner Pflicht. Unsere Solidarität darf nicht dazu führen, dass sich Politik und Behörden aus der Verantwortung stehlen. Im Gegenteil: Wenn wir uns engagieren, dann um zu zeigen, dass wir Partner auf Augenhöhe sind –nicht um uns selbst zu isolieren, sondern um mitzugestalten und einzufordern, was uns rechtlich zusteht. Wenn Bürgerinnen und Bürger aus Bulgarien und Rumänien oder anderen Südosteuropäischen EU-Staaten nach Deutschland kommen, trägt der Staat selbst die Verantwortung für die Regelung, Begleitung und Kontrolle dieser Migration. Es ist Aufgabe der staatlichen stellen, zwischen ordnungsmäßiger Freizügigkeit, sozialer Integration und möglichen Fehlverhalten klar zu unterscheiden. Diese Verantwortung kann nicht auf die Nationale Minderheit wie die Deutschen Sinti – ebenso wenig auf hier verwurzelte Roma –Gemeinschaften-übertragen werden. Wer nach Deutschland einreisen darf, unter welchen Voraussetzungen und mit welchen Folgen, ist eine Staatliche Entscheidung. Deshalb dürfen Deutsche Sinti und alteingesessene Roma nicht für Herausforderungen verantwortlich gemacht werden, die aus staatlich geregelter Migration entstehen. Minderheiten tragen keine Mitverantwortung für staatliche Migrationspolitik – sie haben lediglich das Recht, das ihr eigener Minderheitenschutz respektiert und nicht durch pauschale Zuschreibungen unterlaufen wird. Eines will ich unmissverständlich sagen-nicht nur als Sprecher, sondern als Mensch, der Teil dieser Geschichte ist: Wir Sinti-ebenso wie die alt eingesessene Roma –lassen uns nicht länger in Begriffe pressen, die andere über uns gestülpt haben. Wir sind keine Fremden. Wir Sinti sind seit über 600 Jahren Teil dieses Landes. Wir haben Traditionen bewahrt, die aus diesem Land stammen, Werte verteidigt, die andere längst abgelegt haben, und wir haben dafür einen hohen Preis gezahlt – nicht durch eigenes Verschulden, sondern durch Traditionen, Vorstellungen und Zuschreibungen, die uns von außen auferlegt wurden. Darum sage ich es klar und ohne Umwege: Es ist höchste Zeit, dass Politik, Medien und Gesellschaft aufhören, uns in pauschale Kategorien zu schieben-als wäre „Sinti und Roma“ ein Sammelbegriff für jedes gesellschaftliche Problem, das irgendwo entsteht, unabhängig davon, wer überhaupt beteiligt ist. Diese Gleichsetzung ignoriert die Realität, aber sie trifft uns. Und gerade deshalb müssen wir sie benennen. Wir Sinti – und ebenso die alt eingesessenen Roma – stehen zu unserer Verantwortung, zu unserer Geschichte. Aber wir werden nicht zulassen, dass man uns unsere Identität nimmt, indem man uns verwischt. Wir sind zwei Gruppen, zwei Identitäten – und beide verdienen Respekt. Wer uns verstehen will, muss endlich beginnen zu unterscheiden. Wer Verantwortung trägt, muss beginnen zu schützen. Und wer Respekt fordert, muss ihn selbst gewähren. Denn wir sind hier. Wir gehören hierher. Und unsere Geschichte verdient es, endlich die Wahrheit erzählt zu werden- nicht in Zuschreibungen anderer, sondern in unserer eigenen Stimme. Warum ich heute so klar spreche Heute erleben wir, dass Medien, Politik und Teile der Gesellschaft, Sinti, alt eingesessene Roma, integrierte Familien und neu zugewanderte Gruppen in einem Atemzug nennen, sobald Probleme diskutiert werden. Wenn ich von unterschiedlichen Gruppen spreche, geht es mir nicht um Abgrenzung, sondern um Klarheit. Es gibt Menschen, die aus Wirtschaftlicher Not oder ohne Perspektive nach Deutschland kommen-manche geraten dabei leider auch in Situationen, die mit Gesetzen in Konflikt stehen. Doch das Verhalten Einzelner darf niemals auf alle Roma oder gar auf uns Sinti übertragen werden. Es geht nicht darum, jemanden zu verurteilen, sondern darum, das die Gesellschaft aufhört, alles in einem Topf zu werfen. Es ist kein Zufall, dass Medien bei Gewalttaten, Bettelaktionen oder Konflikten im öffentlichen Raum immer wieder von „Sinti und Roma“ sprechen-obwohl sie ganz genau wissen, dass es sich um zwei verschiedene Gruppen handelt. Diese Gleichsetzung ist kein Irrtum, sie ist Strategie. Sie sorgt dafür, dass die Mehrheitsgesellschaft uns Deutschen Sinti automatisch als Teil des Problems wahrnimmt. So wird unterschwellig vermittelt, das auch wir potenzielle Täter oder Störenfriede seien-und genau das ist der Kern Moderner Hetze: Die bewusste Auflösung von Unterschieden, um alte Vorurteile neu zu beleben. Sobald in den Nachrichten von Problemen die Rede ist, greift man wie selbstverständlich zum Wort Roma. Dabei kennt niemand ihre Identität man weiß nur, dass sie aus Bulgarien, Rumänien oder Ungarn stammen. Doch statt sie als Bürger ihrer Länder zu benennen, etikettiert man sie pauschal, diese Zuschreibung ist nicht Information, sie ist ein Werkzeug, um Schuld zu verteilen und Vorurteile zu schüren.“ Es ist kein Zufall, dass Fehlverhalten einzelner Roma, die nicht aus Deutschland stammen, oft pauschal der gesamten Minderheit zugeschrieben wird – inklusive uns deutschen Sinti. Deutsche Medien und Teile der Politik nutzen dieses Vorgehen bewusst: Sie wollen uns Sinti in denselben Topf wie die neu zugewanderten Roma werfen, um uns als Fremde oder sogar als potenziell kriminell darzustellen. Dadurch wird es für uns deutsche Sinti besonders schwer, die Mitte der Gesellschaft zu erreichen. Wir werden gewissermaßen gezielt marginalisiert, indem unsere jahrhundertealte Zugehörigkeit und unser Beitrag zum Land unsichtbar gemacht werden. Dieses bewusste Zusammenwerfen in einen einzigen „Sack“ ist Teil einer Strategie, die Sinti als „die Anderen“ erscheinen lässt – obwohl wir seit Jahrhunderten hier zu Hause sind. Mein Wunsch ist nicht, Gräben zu vertiefen, sondern Brücken zu bauen-auf einem Fundament aus Wahrheit. Nur wenn Unterschiede benannt werden dürfen, können wir uns auch wirklich begegnen –mit Respekt, ohne falsche Zuschreibungen und ohne Angst, wer wir sind. Ich spreche heute nicht nur als Vertreter unserer Minderheit, sondern als Nachfahre von Menschen, die trotz allem, was ihnen im Nationalsozialismus angetan wurde, dieses Land nie verlassen haben. Sie blieben, weil sie eine tiefe Bindung zur ihrer Heimat hatten. Diese Tiefe Bindung zu unserer Heimat ist auch meine, und gerade deshalb spreche ich heute so klar: Weil ich will, dass Wahrheit und Gerechtigkeit auch für uns gelten. Ich spreche heute, damit unsere Geschichte nicht verwischt. Damit unsere Identität nicht verdünnt wird. Damit unsere Zugehörigkeit nicht geleugnet wird. Am Ende möchte ich etwas betonnen, das oft überhört wird: Wir Sinti wie auch die Alt eingesessenen Roma kennen unsere eigene Geschichte, unsere Wurzeln und unsere Identität besser als jeder Außenstehender. Viele sprechen über uns, wenige sprechen mit uns. Und allzu oft entstehen daraus Bilder, Zuschreibungen und sogenannte „Wahrheiten“, die nie aus unserer eigenen Stimmen stammen. Darum ist mir diese Klarstellung so wichtig: Sinti und Roma ist kein einziges Wort und keine Homogene Gruppe. Wir sind zwei Historisch gewachsene Gemeinschaften mit eigenen Traditionen, eigenen Erfahrungen und es ist Zeit, dass das endlich Respektiert und verstanden wird. Mein Ziel ist nicht Mauern zu bauen, sondern falsche Bilder abzubauen. Nicht zu trennen, sondern zu schützen, uns alle, die im diesem Land leben und immer wieder pauschal in einen Topf geworfen werden. Wer Minderheiten stärken will, muss sie erstmal korrekt benennen. Wer Respekt fordert, muss Vielfalt aushalten. Und wer über Sinti und über Roma spricht, soll wissen: Wir haben vieles gemeinsam an Schicksal aber nicht dieselbe Geschichte, nicht dieselben Wege und nicht dieselben Herausforderungen. Am Ende geht es um etwas ganz Einfaches: Verantwortung gehört dorthin, wo sie hingehört-zu denen, die entscheiden, nicht zu denen, die seit Jahrhunderten hier Leben. Unsere Geschichte, unsere Kultur und unsere Identität sind kein Politisches Spielfeld. Wir Sinti und alt eingesessene Roma stehen zu unserer Heimat deutschland-und wir erwarten, dass dieses Land ebenso zu uns steht. Schlusswort: Der Staatsvertrag – Verantwortung, die nicht länger aufgeschoben werden darf Ich habe diesen Aufsatz geschrieben, um Klarheit zu schaffen. Doch Klarheit ohne Politische Konsequenten schützt niemanden. Deshalb möchte ich zum Schluss über den Staatsvertrag sprechen – nicht nur im Interesse der Sinti und Roma, sondern im Interesse des Staates selbst. Den längst überfälligen Staatsvertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Zentralrat Deutscher Sinti und Roma. Dieser Staatsvertrag ist nicht nur in Interesse unserer Minderheit – er liegt ebenso im grundlegenden Interesse des Deutschen Staates selbst. Der Zentralrat hat in den Vergangenen Jahrzehnten unter der Leitung von Romani Rose, der seit rund 50 Jahre an seiner Spitze steht, bewiesen, dass er Verantwortung trägt-national wie international. Unter seiner Leitung wurden Brücken gebaut: zwischen Minderheit und Mehrheitsgesellschaft, zwischen Deutschland und Südosteuropäischen Staaten, zwischen Erinnerung und Gegenwart. Jahr für Jahr reist der Vorsitzende des Zentralrats in Länder Südosteuropas, führt Gespräche mit Regierungen, mahnt menschenwürdige Lebensbedingungen für Roma an, damit Flucht und Migration nicht die einzige Perspektive bleiben. Diese Arbeit entlastet nicht nur Deutschland sie Stabilisiert Europa. Auch im Inland hat der Zentralrat mit seinen Landesverbänden Maßstäbe gesetzt. Der Zentralrat hat Vereinbarungen mit dem Bundeskriminalamt auf dem Weg gebracht, um Antiziganismus in Staatlichen Strukturen zu bekämpfen. Er hat Dialoge mit den Kirchen initiiert, Erinnerung aufgearbeitet, Verantwortung eingefordert. Mit der Melde und Informationsstelle Antiziganismus (MIA) wurde ein Instrument geschaffen, das Diskriminierung sichtbar macht, wo sie zuvor verdrängt wurde. Wissenschaftliche Initiativen wie die GFA an der Universität Heidelberg wurden unterstützt, Bildungs-und Dokumentationsarbeit nachhaltig verankert. Das ist alles keine Symbolpolitik – das ist konkrete staatstragende Arbeit. Und dennoch wird dem Zentralrat seit 2018 ein Staatsvertrag verweigert. Dabei wurde die Dringlichkeit längst erkannt. Sowohl Bundeskanzlerin Angela Merkel als auch Bundesinnenminister Horst Seehofer hatten die Notwendigkeit eines Staatsvertrags gesehen und anerkannt. Kurz vor ihrem Ausscheiden aus den Ämtern lag diese Einsicht auf dem Tisch. Danach aber wurde das Thema vertagt –nicht gelöst. Verantwortung wurde weitergereicht, statt übernommen. Ein Staatsvertrag wäre kein Privileg. Es wäre die logische Konsequenz aus Jahrzehnter langer Arbeit, aus historischer Verantwortung und aus Politischer Vernunft. Es würde dem Zentralrat die institutionelle Sicherheit geben, die nötig ist, um langfristig zu planen, international zu handeln und im Innern Wirksam zu bleiben. Gleichzeitig würde er den Staat Verlässlichkeit geben: klare Zuständigkeiten, stabile Strukturen, echte Partnerschaft statt bloßer Projektförderung. Gerade in einer Zeit, in der gesellschaftliche Spannungen zunehmen, Populismus wächst und Minderheiten erneut unter Generalverdacht geraten, braucht es starke, legimitierte Institutionen. Der Zentralrat ist eine solche Institution. Ihn nicht dauerhaft abzusichern, schwächt nicht nur Sinti und Roma –es schwächt den demokratischen Rechtsstaat selbst. Dieser Staatsvertrag ist deshalb nicht nur gerecht. Er ist Notwendig. Er ist überfällig. Und er ist Prüfstein dafür, wie ernst es Deutschland mit Verantwortung, Erinnerung und Zukunft meint. Nach allem, was Sinti, Roma und andere Opfergruppen im Nationalsozialismus erlitten haben-und nach allem, was ihnen auch nach 1945 verwehrt blieb- ist ein Staatsvertrag kein Akt des Wohlwollens, sondern ein Akt der historischen Konsequenz. Ein Staat, der Minderheiten schützt, schützt letztlich sich selbst. Ich danke ihnen, dass sie zugehört haben und dass sie bereit sind, zwischen Klischee und Wirklichkeit zu unterscheiden. Oswald Marschall 01.5 2026

19. Dezember 2025 Gedenkstunde im Bundesrat

12. Dezember 2025 „Selbstverständlich Demokratie?”

2. Dezember 2025

Workshop mit Schülerinnen und Schüler der Kurt-Tucholsky-Gesamtschule Minden Projekt: Gemeinsam gegen Antiziganismus. Gefördert von der Bundeszentrale für politische Bildung

5. Oktober 2025 im Rahmen der Interkulturellen Wochen Sinti-Jazz-Musikveranstaltung

9. November 2025 Im Rahmen der Verleihung des Elisabeth-Weinberg-Preises 2024

Verabschiedung und Ehrung des ehemaligen langjährigen Vorsitzenden Thomas Gatter, der 40 Jahre lang die Geschichte des Arbeitskreises Gedenken der Stadt Nienburg/Weser geleitet hat und auf den viele Initiativen in der Erinnerungsarbeit zurückgehen.

9. November 2025 Gedenken an den 9. November 1938 – Mahnung für die Gegenwart in Nienburg/Weser

Presse-Mitteilung Arbeitskreis Gedenken der Stadt Nienburg/Weser. Als am 9. November 1938 die Nienburger Synagoge am Schloßplatz zerstört wurde, konnte sich noch kaum jemand vorstellen, dass nur ein paar Jahre später das Leben von sechs Millionen Jüdinnen und Juden ausgelöscht und damit die jüdische Kultur in ganz Europa nahezu ausgerottet sein würde. Viele Bürgerinnen und Bürger der Stadt haben das Novemberpogrom sicherlich ungeheuerlich gefunden, viele haben es aber ausdrücklich begrüßt – und den allermeisten wird es schlichtweg gleichgültig gewesen sein. Das Gedenken wird in diesem Jahr beherrscht werden durch Vergleiche der Gewalteskalation in den 30er Jahren seit der Machtergreifung der Nationalsozialisten und der zunehmenden Entwicklung von Hass und Gewaltandrohungen gegen Minderheiten und Andersdenkende heute, vor allem durch rechte Gruppierungen und Influencer in den Sozialen Netzwerken. Andacht durch Pfarrer Andreas Körner der katholischen Gemeinde.

28. August 2025 Besuch Kommunalarchiv Stadt Minden

Jugendliche besuchen das Kommunalarchiv der Stadt Minden. Projekt: Gemeinsam gegen Antiziganismus. Gefördert von der Bundeszentrale für politische Bildung.

24. Juni 2025 Stadtrundgang

Jugendliche auf Spurensuche an historischen Punkten der Stadt Minden aus der NS-Zeit. Projekt: Gemeinsam gegen Antiziganismus. Gefördert von der Bundeszentrale für politische Bildung.

28. August 2025 Sportausstellung Weserstadion Bremen

7. Mai 2025 Sportausstelllung in Hannover

30. April 2025 Sportausstellung in Bielefeld

14. Dezember 2024 – Abschlussveranstaltung ”Mer Ketne- Wir zusammen!”

Liebe Gäste, liebe Freunde! Heute stehen wir an einem Punkt: Wir blicken zurück auf eine intensive, lehrreiche und erfolgreiche Zeit- Zeit unseres Projekts, das wir nun gemeinsam abschließen. Was vor 2021 als Idee, als Konzept auf dem Papier begann, hat sich durch das Engagement, die Kreativität und den Einsatz vieler Beteiligter zu einem greifbaren Ergebnis entwickelt. Wir möchten uns an dieser Stelle bei allen bedanken, die diesen Weg möglich gemacht haben: bei den Projektpartnern, den Förderern, den beteiligten Organisationen und natürlich bei allen, die direkt am Projekt gearbeitet haben insbesondere bei unseren Sinti und Roma jugendlichen. Ein Projekt ist immer mehr als die Summe seiner Aufgaben. Es lebt von Menschen, die es tragen- von ihrer Motivation, ihren Ideen, ihren Mut, auch einmal neue Wege zugehen. Genau das haben wir erlebt: Zusammenarbeit auf Augenhöhe, gegenseitige Unterstützung und den Willen, gemeinsam etwas zu bewegen. Wir wünschen uns allen, dass wir diesen Geist der Zusammenarbeit, des Lernens und der Innovation mitnehmen in zukünftige Projekte und Aufgaben. Möge dieser Abschluss gleichzeitig ein Auftakt sein- für Neues, für Weiterentwicklung, für nachhaltigen Erfolg. Wir danken Ihnen allen von Herzen für Ihre Beiträge, Ihr Vertrauen und Ihre Begeisterung. Lassen Sie uns heute feiern, auf das Erreichte anstoßen- und gespannt bleiben auf das, was vor uns liegt. Vielen Dank! Oswald Marschall & Team Mer Ketne- Wir zusammen!
7. Dezember 2024

7. Dezember 2024 18 Uhr Selma Merbaum ”Ich habe keine Zeit gehabt zuende zu Schreiben” Vortrag und Lesung mit Marion Tauschwitz

Die junge jüdische Lyrikerin Selma Merbaum starb 1942 mit 18 Jahren in dem deutschen Zwangsarbeitslager Michailowka in der heutigen Ukraine. Nur 57 handschriftlich niedergeschriebene Gedichte umfasst ihr schmales Werk »Blütenlese«, das auf abenteuerliche Weise überlebt hat und auf der letzten Seite mit dem Satz abschließt: »Ich habe keine Zeit gehabt zuende zu schreiben …« In jahrelanger Forschung hat Marion Tauschwitz Daten, Ereignisse und Fakten zum Leben der jungen Künstlerin zusammengetragen, Archivmaterial aus der Ukraine, aus England, den USA und Deutschland ausgewertet, Dokumente geborgen, Zeitzeugen ausfindig gemacht und die faszinierende, gleichermaßen einfühlsame wie wissenschaftlich fundierte Biografie verfasst. Der zweite Teil des Buches umfasst sämtliche Gedichte der jüdischen Lyrikerin, die Marion Tauschwitz nach den Originalhandschriften neu übertragen hat. Gleich nach seinem Erscheinen machte das Werk Furore und entfaltete ungeahnte Wirkung: Zeitzeugen aus aller Welt lieferten ergänzende Erinnerungen an Selma Merbaum. Mit neuen Dokumenten, einer neuen Einleitung sowie drei bisher unbekannten Fotos und einer Zeittafel erweitert Tauschwitz in dieser Neuausgabe ihrer Biografie das bisherige Bild der großen Lyrikerin. Marion Tauschwitz lebt und arbeitet in Heidelberg, wo sie ihr Germanistik- und Anglistikstudium an der Ruprecht-Karls-Universität abschloss. Vor ihrer Schriftsteller-Tätigkeit arbeitete sie als Gymnasiallehrerin und Dozentin. Sie war engste Vertraute und Mitarbeiterin der Lyrikerin Hilde Domin, deren viel beachtete Biografie »Hilde Domin. Dass ich sein kann, wie ich bin« sie zu deren einhundertstem Geburtstag vorlegte. Weitere Biografien, Essays, ein Roman, eine Novelle, Beiträge in Anthologien und Lexika, Gedichte folgten. 2015 wurde sie als »Autorin des Jahres« ausgezeichnet, 2018 in das PEN-Zentrum Deutschland gewählt.

12.Oktober 2024 Austausch mit Romnja – Selbstorganisation Sawre Romnjenca

Es war ein schöner – und informativer Ausstauch. Danke liebe Sara Spring, Aktion Sühnezeichen Friedensdienste e.V. Berlin für die Organisation. Danke liebe Serbez Heindorf, Vorsitzende Sawre Romnjenca – Gemeinsam mit Roma-Frauen e.V.

11.Oktober 2024 Treffen mit Schüler und Schülerinnen des Freiherr-von Stein-Berufskolleg Minden

Aufklärung zum Thema Antiziganismus und Diskriminierungen gegenüber Sinti und Roma. Dank an Marcel Komusin, Koordinierung- und Fachstelle Demokratie Leben! Minden

4. Oktober 2024 Vortrag und Podiumsdiskussion: Auschwitz- Der Mensch zwischen Gut und Böse „Wir haben keinen Frieden hier. Aber den zukünftigen suchen wir.” (Maria Krebiehl Darmstädter)

Hiermit laden wir Sie herzlich zu unserer Veranstaltung am 4.Oktober 2024 um18 Uhr ein. Marcus Bohnen, Pfarrer der Christengemeinschaft Bielefeld, wird einen Impulsvortrag über seine Erlebnisse und persönlichen Eindrücke von der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau halten. Im Anschluss wird eine Podiumsdiskussion stattfinden. Veranstaltungsort: Verein Deutscher Sinti e.V. Minden, Königstr.3, 32423 Minden, Eintritt frei Danke lieber Marcus!

29. September 2024 im Rahmen der Interkulturellen Woche präsentieren wir den Jazz-u. Weltmusikkünstler Tcha Limberger Trio

Wir freuen uns, den Jazz-und Weltmusikkünstler Tcha Limberger begrüßen zu dürfen. Tcha Limberger entstammt einer renommierten belgischen Familie von Manouche-Musikern und wuchs in einer vom Stil Django Reinhardts geprägten Welt auf. Neben eigenen Gruppen gehörte Limberger zum Waso Quartett, in dem er zeitweise die Position seines Vaters als Gitarrist einnahm. Mit dem Budapest Gypsy Orchestra konzentrierte er sich auf den Magyar nóta, mit dem Kalotaszeg Trio spielte er transsylvanische Volksmusik und mit Les Violons de Bruxelles nähert er sich der Musik von Django Reinhardt auf neue Weise. 29. September 2024 um 15 Uhr Hansehaus Minden, Papenmarkt 2, 32423 Minden Eintritt frei

22. September 2024 im Rahmen der Interkulturellen Woche 24 Internationales Sport – und Kulturfest in Minden

Im Rahmen der Interkulturellen Woche, Internationales Sport- und Kulturfest in Minden. Bürgermeister Michael Jäcke und Oswald Marschall

18. September 2024 Workshop mit Schülerinnen und Lehrkräfte

Workshop mit Schülerinnen und Lehrkräfte Danke Susanna Bormann Regionalkoordination Schule ohne Rassismus-Schule mit Courage Kreis Minden-Lübbecke

12.Juli 2024 stellvertretende Ministerpräsidentin des Landes Nordrhein-Westfalen, Mona Neubaur, besucht im Rahmen einer Sommerreise den Kreis Minden-Lübbecke und die Stadt Porta Westfalica.

28. Juni 2024 Jubiläums-Shabbat-Dinner anlässlich des 10. jährigen bestehens der Werteinitiative in Berlin

Jahrestreffen der dänischen Minderheit am 9. Juni 2024 in Flensburg

Oswald Marschall, vertritt den Zentralrat Deutscher Sinti und Roma Heidelberg, bei dem Jahrestreffen der dänischen Minderheit am 9. Juni 2024 in Südschleswig. Trotz des Regens war es ein großartiges Fest! Vielen Dank! Herr Christiansen für die herzliche Begrüßung
5. Mai 2024

Gedenkveranstaltung am Sonntag, 5. Mai 2024

In Vertretung des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma Heidelberg, nahm Oswald Marschall an der Gedenkveranstaltung „79. Jahrestag der Befreiung es ehemaligen KZ Bergen-Belsen” teil.
15.März 2024

Herzlichen Dank an unseren Gästen, Freunde und Bekannten, zur Präsentation unserer 1. Handreichung ”Antiziganismus in ländlichen Gegenden gestern und heute!

Sehr geehrte Gäste, Freunde und Bekannten, wir möchten uns herzlich bei Ihnen für Ihre Teilnahme an unserer heutigen Präsentation ”Antiziganismus in ländlichen Gegenden gestern und heute” bedanken. Ihr Interesse und Ihre Anwesenheit haben maßgeblich zum Erfolg dieser Veranstaltung beigetragen. Herzlichen Dank für Ihre Teilnahme an unseren Landesverband Deutscher Sinti und Roma NRW, Herrn Roman Franz, Bremer Sinti-Verein, Herrn Ernst, Vertreter des 1. Sinti- Vereins Ostfriesland, und dem Roma Integrationszentrum Oberhausen, Herrn Enoh Ibishi. Ein besonderer Dank für Ihre eindrucksvollen Reden gegen Antiziganismus an Dr. Mehmet Daimagüler, Beauftragter der Bundesregierung gegen Antiziganismus und das Leben der Sinti und Roma in Deutschland, unserem Landrat Herrn Ali Dogan, per Videobotschaft Herrn Romani Rose, Zentralrat Deutscher Sinti und Roma Heidelberg, und Herrn Helge Lind, MdB. Nochmals vielen Dank für Ihr Kommen und Ihre aktive Teilnahme. Oswald Marschall und Team Mer Ketne- Wir zusammen!

24. Februar 2024 Lesung mit Iris Lemanczyk Brennnessel Haut

Brennnesseln Haut Kajetan und Heiner sind unzertrennliche Freunde. Als die Nazis an die Macht kommen wird Kajetan als „dreckiger Zigeuner“ beschimpft. In der Schule darf er nicht mehr neben Heiner sitzen. Dann zieht sein einziger Freund auch noch weg. Und Kajetans Familie landet in einem bewachten Lager. Stück für Stück wird Kajetan und seiner Familie das bisherige Leben genommen – und die Freiheit. Das Buch beleuchtet die Diskriminierung von Sinti und Roma im Dritten Reich und beruht auf wahren Begebenheiten und den Berichten von Zeitzeugen. Bei Heiner handelt es sich um den verstorbenen Politiker Heiner Geißler. Iris Lemanczyk lebt in Stuttgart. Sie schreibt Bücher, die meistens auf intensiver Recherche beruhen. Dafür reist sie in alle möglichen Ecken der Welt – manchmal liegt sie aber auch entspannt in der Hängematte auf ihrer Wiese. Oder sie erntet dort Mirabellen, Kirschen und Äpfel. Für „Brennnessel Haut“ reiste sie auf den Spuren von Kajetan, vor allem in Ravensburg und Umgebung. www.IrisLemanczyk.de DATUM: 24. Februar 2024 16 Uhr ORT: Verein Deutscher Sinti e.V. Minden, Königstr.3, 32423 Minden Eintritt frei LIEBE FRAU LEMANCZYK, VIELEN LIEBEN DANK, FÜR IHRE BEEINDRUCKENDE LESUNG!
30.01.2024

30.Januar 2024 Aufklärung über Traditionen der Deutschen Sinti

Aufklärung über Traditionen der Deutschen Sinti: Wer kann über deutsche Sinti aufklären, wenn nicht Sinti selbst. Menschen aus der Mehrheitsgesellschaft meinen über Sinti mehr zu wissen wie wir selbst, deshalb werde ich einige Sachen richtigstellen, die seit sehr langer Zeit von der Mehrheit wegen Unwissenheit falsch dargestellt wird. Im Laufe meiner Bürgerrechtsarbeit, habe ich festgestellt das man Vorurteile gegenüber unserer Minderheit, nur durch offene Gespräche mit Deutschen Sinti, abbauen kann. Ich werde einige Texte, die ich in den letzten Jahren verfasst habe, nach und nach veröffentlichen, damit die Mehrheitsgesellschaft erkennt das wir deutschen Sinti nach einer über sechshundertjährigen deutschen Geschichte in erster Linie Deutsche sind und es nicht mehr ertragen können, immer wieder dargestellt zu werden, als Fremde im eigenen Land. Menschen die mit mir Persönlich in Kontakt treten möchten, können sich gern bei mir melden. Oswald Marschall 30.12.2023
29. Januar 2024

29. Januar 2024 Kultur und Traditionen der Deutschen Sinti

Kultur und Traditionen der Deutschen Sinti: Was für Traditionen können Menschen haben, wenn sie seit über 600 hundert Jahren in einem Land Leben! Ich recherchiere seit nunmehr fünf Jahre und habe nichts anderes in Erfahrung bringen können, als dass wir Deutschen Sinti eine deutsche Kultur besitzen. 1407 sind Sinti das erste Mal in Deutschland (Hildesheim) erwähnt, 5 weitere Familien 1417 in Frankfurt am Main. Man geht davon aus, das die Wanderung aus Indien 800-1000 nach Christi begonnen hat. Man kann nicht mit Bestimmtheit sagen in was für Kontinente (Länder) sich Sinti, nachdem sie Indien verlassen, haben Jahrhunderte aufgehalten haben, mit Bestimmtheit weiß man, dass Sinti über 600 Hundert Jahre in Deutschland beheimatet sind. Zu hundert Prozent ist die Kultur Deutscher Sinti geprägt von ihrem Land, Deutschland. Wie soll es denn auch anders nach einer Sechshundert Jährigen deutschen Geschichte sein. In Deutschland gab es im Mittelalter Berufe die als ehrlos galten, einige dieser Berufe gibt es heute nicht mehr, auch was man im Mittelalter als würdelos ansah, sieht man heute nicht mehr so. Ein Teil Deutscher Sinti halten sich bis zum heutigen Tag an diesen zum Teil Vergessenen gemeinsamen deutschen Traditionen. Deutsche Sinti sehen diese zum Teil heute unlogischen deutschen Traditionen als ihre eigene Kultur an. Die wenigsten Menschen der Mehrheitsgesellschaft wissen etwas mit diesen Traditionen anzufangen und meinen, dass das eine Klischee behaftete Kultur der Sinti wäre. Im Laufe der Jahrhunderte ist es in Vergesslichkeit geraten das Sinti seit den späten Mittelalter in Deutschland leben, und sich schon immer nach den Mittelalterlichen deutschen Gesetzen und Traditionen richteten. Von Regionen zu Regionen wurde Würde (Ehrlose Berufe) anders Bewertet, auch sind im Laufe der Jahrhunderte einige Berufe weggefallen, warum einige deutsche Sinti diese alten Deutschen Traditionen nie abgelegt haben, kann man nur erahnen, meine Persönliche Meinung dazu, einige Großfamilien der Sinti die in verschiedenen Regionen in Deutschland leben, haben die Traditionen an ihren nachfolgenden Generationen weitergegeben, sie wollen diese Deutsche Tradition die sie bis zum heutigen Tag Pflegen nicht aufgeben. Diese Mittelalterliche Traditionen haben sich im Laufe der Zeit so sehr in ihren Köpfen verankert, dass sie in einigen Regionen noch heute von Sinti aufrechterhalten werden. Diese deutsche Tradition prägt das Bild der Deutschen Sinti, dadurch werden Sinti von der Mehrheitsgesellschaft heute als Fremde im eigenem Land angesehen. Dabei sind es unsere gemeinsamen deutschen Traditionen, die einige Deutsche Sinti noch aus den Mittelalter aufrechterhalten. Warum Sinti diese Tradition bis zum 21 Jahrhundert noch befolgten, konnte ich nirgend wo nachlesen. Man weiß das Sinti schon im späten Mittelalter ausgegrenzt wurden. Warum sie im Mittelalter schon ausgegrenzt wurden, liegt auf die Hand, mit Sicherheit haben auch sie einige Berufe ausgeübt, die in der damaligen Zeit nicht sehr angesehen waren. Heute noch üben einige deutsche Sinti mit großen Handwerklichen Geschick, Berufe aus, die zu gerne von der Gesellschaft in Anspruch genommen wird. Beispiel: Musiker, Schausteller oder Schneider, um nur einige aufzuzählen, auch diese Berufe galten im späten Mittelalter laut Quellen Berichten als ehrlos. Inhalt • Grundlagen Berufe im Mittelalter • Ehrlose Berufe o Besonders verachtete Berufe o Weitere verachtete Berufe • Verbreitete Berufe des Mittelalters • Besonders verachtete Berufe: Auch unehrliche (ohne Ehre) Berufe genannt. Im Mittelalter gab es eine Reihe von Berufen, die von der Gesellschaft verachtet wurden. Als Paradebeispiel gilt hier der Scharfrichter (Henker, Schinder, Züchtiger). Man sah diesen Beruf als unangenehm und unmoralisch an. Der Ruf des Henkers färbte auch auf seine Familie ab. In der städtischen Gesellschaft des Mittelalters waren sowohl er, seine Frau als auch seine Kinder wegen seinem Beruf verachtet. Meistens lebte der Henker wegen seiner Ächtung außerhalb der Stadtmauern in einer schlechten Wohngegend. Bild 206: Der Henker sitzt wegen seines ehrlosen Berufes abseits in einer mittelalterlichen Trinkstube. Zu ihm gesellt sich keiner freiwillig. Zur zusätzlichen Erniedrigung sind die Trinkgefäße an Ketten festgebunden. Der Maler verstärkt hier das trostlose Bild des Henkers, indem sogar die Katze ihn anfaucht. Nach einer Originalzeichnung von M. Wiegand. Weitere unehrliche Berufe waren, wegen des unangenehmen Berufsbildes, der Abdecker (auch: Schinder) und der Totengräber. Die Menschen nahmen diese ehrlosen Berufe aus reiner Geldnot an und nicht etwa, weil sie merkwürdige Vorlieben hatten. Der Abdecker hatte zur Aufgabe Teile der toten Körper von verendeten Tieren wiederzuverwerten. Der Ausdruck „abdecken“ ist ein anderes Wort für „enthäuten der Tierkadaver“. Er hatte also viel Kontakt mit toten Tieren und hatte deshalb auch ein erhöhtes Risiko an gefährlichen Krankheiten, wie z. B. dem Milzbrand zu erkranken. Wegen des ungeheuren Gestanks der Leichenteile von Tieren musste der Abdecker außerhalb von Dörfern wohnen. Auf diesen Geländen besteht noch heute Gefahr, an Milzbrand zu erkranken, dass der Milzbranderreger über Jahrhunderte überleben kann. Die Knochen der auseinandergenommenen Tiere gab der Abdecker den Seifensiedereien. Die Häute gingen an die Gerbereien und das verfaulte Fleisch an Salpetersiedereien. Der Abdecker einer Stadt war in einigen Fällen auch gleichzeitig der Henker der Stadt, da er von einem Beruf allein nicht leben konnte. Beide Berufsgruppen waren jedenfalls so sehr geächtet, dass sie keinen gesellschaftlichen Kontakt hatten, in der Gaststätte mussten sie z. B. an einem abgesonderten Tisch sitzen und ihre Trinkgläser waren an eine Schnur angebunden damit kein ehrlicher eine Möglichkeit hatte aus diesem Glas zu Trinken. Der Totengräber musste die Gräber für die Toten ausheben und wieder zuschaufeln, nachdem die Toten hineingelegt wurden. Außerdem musste er sich um die Leiche bis zum Begräbnis kümmern. Sie waschen, herrichten und richtig in das Grab legen. Das Paradebeispiel für einen Beruf, der als unmoralisch angesehen wurde, war Hure oder Prostituierte. Ihre Aufgabe war es, Männer gegen Bezahlung zu befriedigen. Ob auch Frauen zu Prostituierten gingen, darüber haben wir nichts gefunden. Die Kirche hatten großen Anteil daran, diesen Berufsstand schlecht darzustellen, verboten wurde er jedoch nicht, da man sich in der mittelalterlichen Gesellschaft dachte, „lieber lassen die Männer ihren Druck bei den Prostituierten ab und verschonen dafür ehrbare Frauen“. Man kann daraus wohl schließen, dass es für eine Frau allein in der mittelalterlichen Stadt gefährlich war, Vergewaltigungen wohl sehr häufig vorkamen. Weitere verachtete Berufe Das Bild von unehrlichen Berufen wandelte sich mit der Zeit. Mal waren mehr, mal weniger Berufe verachtet. Unterschiedlich nach Zeit und Ort und somit der lokalen Kultur. Zeitweise galten alle Berufe, in denen man mit Kranken, Verurteilten, Verletzen oder Toten in Berührung kam, als unehrlich. Das ging dann vom Gefängniswärter bis zum Arzt. Mitte des 16. Jahrhundert konnte der erste Mediziner Studieren, nach seinem Studium konnte er sich dann Offiziell Arzt nennen. Oft wurden auch einfach Geschichten erfunden, um einen Berufsstand in schlechtes Licht zu rücken. Was die Hintergründe für solche Geschichten waren, weiß man nicht, ob es ein Streit war, Neid oder eine berechtigte Vermutung. Müllern warf man z. B. vor, sie betreiben in ihrer Mühle ein Bordell oder klauten den Bauern heimlich das Getreide, während es gemahlen wurde. Den Schneidern warf man vor, sie klauten etwas von dem Stoff, der ihnen zum Schneidern von Kleidern hinterlassen wurde. Dem Schäferwurde nachgesagt, er treibe Sodomie, wenn er einsam mit den Schafen auf der Weide war. Der Bader hatte mit Kranken Menschen zu tun und wenn er ein Badehaus hatte, war die Wahrscheinlichkeit groß, dass er auch Prostituierte beschäftigte. Die Schausteller, wie z. B. Taschenspieler hatten den Ruf, die Menschen zu bestehlen oder ihnen durch unlautere Mittel, das Geld aus der Tasche zu ziehen. Der Nachtwächter schlich in der, im Mittelalter viel dunkleren, Nacht durch die Gassen, was ihn von vornherein suspekt machte. Der Türmer (Turmhüter), dessen Aufgabe darin bestand, auf den höchsten Gebäuden der Stadt nach Gefahren Ausschau zu halten, war wohl eher wegen seiner Einsamkeit verstoßen. Denn seine eigentliche Aufgabe, die Menschen der Stadt bei Gefahr zu warnen, sollte ja eigentlich als ehrhaft gelten. Aber oft wohnte der Türmer auch in dem gleichen Turm, von dem aus er Wache hielt und hatte so kaum Kontakt zu anderen Berufstätigen. Heiler, Baader, übten im frühen Mittelalter den Beruf als Mediziner aus, auch hatte ein Friseur (Barbier) Kesselflicker eine Berechtigung Menschen nach ihrem ableben zu Zensieren und ihre Organe zu entnehmen, all diese Berufsgruppen waren ehrlose Berufe und wurden von der Mehrheit verachtet und ausgegrenzt. Weitere unehrliche Berufe waren „Leineweber, Töpfer, Wundarzt, Weber, Tänzer, Schauspieler, Possenreißer und Musikanten“ (aus: Wikipedia) https://www.nzz.ch/deutschland
28. Januar 2024

28. Januar 2024 Mein Name ist Oswald Marschall

Mein Name ist Oswald Marschall, geboren bin ich 1954 in Minden Westfalen. Ich möchte durch diesen Aufsatz Menschen aus der Mehrheitsgesellschaft aufklären. Bitte seien Sie nicht überrascht. Ich spreche nicht Sie direkt an, wenn ich explizit oder implizit Vorwürfe erhebe. Sie sind nicht die ersten Ansprechpartner für die Kritik, die ich ihnen vortragen möchte. Und dennoch: Sie müssen wissen, was es bedeutet, immer den gleichen Vorurteilen zu begegnen und nicht ganz sicher zu wissen, ob alle, die gerade zuhören, überhaupt wissen, was es bedeutet, in einer Gruppe zu leben, die Ausgrenzung, Diskriminierung und Missachtung kennt. Uns hat man alles genommen, und damit meine ich vor allem die Möglichkeiten, in dieser Gesellschaft voll anerkannt zu sein. Einige Menschen aus der Mehrheitsgesellschaft maßen sich an, über uns uralte Klischees zu verbreiten, obwohl sie doch so wenig über uns wissen. Menschen, die nicht zu unserer Minderheit gehören meinen es auf der anderen Seite mit Sicherheit gut, wenn Sie Rassismus gegenüber unserer Minderheit und Antiziganismus erklären. Man kann Rassismus unserer Minderheit gegenüber aber nur zum Teil wissenschaftlich erklären, ihn erlebt zu haben, macht einen zum Experten. Ich habe mit Politikern und Wissenschaftlern in den letzten Jahren sehr viele Gespräche geführt. In jedem Gespräch, das länger als 10 Minuten dauerte, haben meine Gesprächspartner die Worte „ihr“ und „euch“ mir gegenüber benutzt, obwohl wir darüber gesprochen haben, wie wir gemeinsam dem Rassismus gegenüber Sinti und Roma gegenübertreten wollen. Wie ich mich bei diesen ausgrenzenden Worten gefühlt habe, habe ich mir nicht anmerken lassen. Man könnte jetzt sagen, ich hätte meine Gesprächspartner darauf aufmerksam machen müssen, dass ich ein ganz mieses Gefühl hatte, weil ich in meinem Land, wo wir Deutsche Sinti seit 600 Jahren und ein Teil der heutigen in Deutschland lebenden Roma seit 200 Jahren beheimatet sind, immer noch von unseren Mitbürgern, als „ihr“ und „euch“ bezeichnet werden. Ich habe darauf verzichtet, denn ganz gleich ob in der Wissenschaft, Politik oder die Mitte der Gesellschaft, man weiß einfach zu wenig über die Minderheit der Sinti und Roma. Aufklärung geht aber nur mit uns. Menschen, die uns beurteilen, sollten mit kompetenten Sinti und Roma über das Thema sprechen und nicht mit Sinti und Roma, die kaum der Sinti oder Roma Sprache mächtig sind und keinen Bezug zu Sinti und Roma haben, sich aber als Sinti und Roma Experten ausgeben. BILDUNGSFERN? Wir sind nicht Bildungsfern – man hatte uns Bildungsfern gemacht, man hat darauf geachtet, dass wir von Bildung ferngehalten werden, man hatte uns die Zugänge abgeschnitten. Ich möchte das hier einmal in drei kleinen Schritten für Sie auseinandersetzen: Zum ersten, der Begriff selbst: „bildungsfern“. Er soll beschreiben, wer mehr und wer weniger Bildungschancen zur Verfügung stehen, hat. Für die öffentliche Mehrheit ist „bildungsfern“ keine Kritik an der Gesellschaft „Bildungsferne“ ist zu einem Stigma geworden und gerade wir als deutsche Sinti und Roma sind davon betroffen. Man setzt uns einen Stempel auf und so kommt zu fortdauernder Diskriminierung und Benachteiligung auch noch die Abwertung „bildungsfern“ hinzu. Heute noch achtet man darauf, dass zugewanderte Kinder aus Südosteuropa die der Minderheit angehören, schnell auf die schlechteren Schulformen abgeschoben werden. Unsere Minderheit wird von der Mehrheit dargestellt als „nicht an Bildung interessierten“ Menschen. Zweitens, und das hängt mit meinem ersten Punkt unmittelbar zusammen: Es gibt unter den vielen in Deutschland lebenden Sinti genauso wie unter den Roma (und auch denen, die noch eine Zuwanderungsgeschichte im Gepäck haben) sehr erfolgreiche und „bildungsnahe“ Menschen. Wir sind eine diverse Gruppe, wie die gesamte Gesellschaft. Unter uns gibt es Leuchttürme und Eliten, wobei es selbstverständlich ist, dass wir ökonomisch und in Bildungsfragen erfolgreich sind. Und nun frage ich: Warum wissen das eigentlich so wenige in der Mehrheitsgesellschaft? Die Antwort ist einfach: Weil viele von uns sich zu ihrer Gruppe nicht bekennen können. Viele Aufsteiger, „bildungsnahe“ und erfolgreiche Sinti und Roma scheuen davor zurück, sich zu erkennen zu geben. Gerade dort, wo die höheren Etagen der Gesellschaft beginnen, verbirgt man seine wirkliche Identität. Warum das so viele tun, liegt auf der Hand. Sie wissen um die Gefahr der Ausgrenzung und der Abtwertung. Was meinen Sie, wie gut ein Bildungstitel sein muss und wie viel Erfolg man haben muss, um frei und selbstbewusst als Minderheitenangehöriger aufzutreten? Ich darf Ihnen sagen, es kostet eine Menge – zu viel für die meisten von uns. Das führt dann auch zu dem dritten und letzten Punkt, den ich nennen möchte, es ist vielleicht der wichtigste, nämlich: Wer von „bildungsfern“ sprechen möchte, der muss auch Ross und Reiter nennen. Im Falle der deutschen Sinti und vieler Angehöriger der Roma ist das einfach: Wir sind nicht „bildungsfern“, sondern sind „von Bildung ferngehalten“ worden. Wir machen uns nicht selbst „bildungsfern“, sondern wurden chancenlos gemacht. Ich darf Sie daran erinnern, wie viel wir inzwischen darüber wissen, wie das Schulwesen ohne die Berücksichtigung unserer Minderheit aufgebaut wurde. Bis in die heutige Zeit hinein existieren Vorurteile gegenüber unserer Minderheit, und zwar vor allem in Bildungsfragen. Weil man uns wahrscheinlich „von Natur aus“ für weniger begabt hält, landen überproportional viele jungen Menschen in den Sackgassen des Bildungssystems. Man hat uns unzählige Hindernisse in den Weg gelegt. Kaum jemand weiß, welche Geschichte gerade die deutschen Sinti mit der Schule verbindet. ROSS und REITER: EINE KLEINE EPISODE AUS DIESER GESCHICHTE Wissen Sie, von wo aus die nationalsozialistischen Rassenhygieniker so viele junge Sinti abgeholt haben, um sie zu deportieren, zu foltern und zu töten? Aus der Schule. Über die sehr detaillierten Listen der Behörden war das Netz der Verfolgung so eng gewebt, dass es ein Einfaches war, kleine Kinder wehrlos der Obhut ihrer Eltern zu entreißen. Dieses Schicksal ist unser Schicksal! Viele Sinti und Roma Kinder, die noch die Schule besuchen durften, sind Anfang der 1940 Jahre aus den Klassenzimmern von der Gestapo abgeholt- und wurden in Viehwaggons nach AUSCHWITZ deportiert. Nur wenige von ihnen haben das Martyrium überlebt. Schulbehörden machten die Nazis aufmerksam, wer Sinti und Roma sind, die Klassenlehrer übergaben dann die Kinder an die Nazis. Diese Lehrer wussten genau wo man jüdische, Sinti und Roma Kinder hinbrachte Wir haben Generationen von Eltern nach dem zweiten Weltkrieg, die die Angst vor der Öffentlichkeit und auch vor den öffentlichen Schulen nie ablegen konnten. Niemand, der nicht zu unserer Minderheit gehört, weiß, welche Überwindung es noch vor wenigen Jahren junge Eltern gekostet hat, ihre Kinder in die Obhut der Schule zu geben. Und genau das ist mein Punkt: Wenn Sie diese schwierige Beziehung als „bildungsfern“ bezeichnen wollen, dann sind wir sehr weit voneinander entfernt und müssen noch viel Aufklärungsarbeit über die wahren Gründe dieser Bildungsbenachteiligung unserer Minderheit leisten. Eltern deren Kinder die Schule besuchten, waren nach dem Nationalsozialismus traumatisiert, ohne dass sie es wussten. Viele Eltern brachten ihre Kinder mit dem Auto zur Schule und holten sie auch wieder ab, einige Eltern fuhren in den großen Pausen zur Schule und beobachteten ihre Kinder, bis sie wieder in den Klassenräumen waren. Auch ließen einige Eltern ihre Kinder nicht auf Klassenausflügen mitfahren, sie hatten eine innere Unruhe, wenn sich ihre Kinder nicht unter ihrer Obhut befanden, sie bekamen einfach das Trauma des Nationalsozialismus nicht aus dem Kopf. Ehemalige Nazis oder KZ-Aufseher, die ihrer gerechten Strafe entkommen sind, deutsche Soldaten, die aus der Kriegsgefangenschaft kamen, all diesen Menschen hat der deutsche Staat vor einer Traumatisierung bewahrt, man hat ihnen frühzeitig einen Psychologen (Seelsorger) zur Seite gestellt, damit sie wieder ein normales Leben nach dem Nationalsozialismus führen konnten. Sinti und Roma, die alles verloren hatten, hat man bis zum heutigen Tag allein mit ihrem Trauma gelassen, sie mussten sich selbst helfen, die meisten von ihnen sind dieses Trauma bis zu ihren Tod nicht losgeworden und haben es an ihren Nachkommen weitergegeben. All das findet heute keine Beachtung.   DAS LEBEN NACH 1945 Die wenigen Überlebenden haben in ihrer alten Heimat wieder Familien gegründet und versucht, unter den schwierigsten Voraussetzungen ein normales Leben zu führen. Dies fiel ihnen unglaublich schwer, über die Hälfte von ihnen waren Analphabeten, denn neunzig Prozent der Dreitausend Überlebenden deutschen Sinti und Roma waren junge Leute, sie hatten zum großen Teil vor 1939 Schulverbot. Nach 1945 mussten sie den Kampf aufnehmen, sich etwas Neues aufzubauen, was nur den Wenigsten gelang. Sinti und Roma waren vor 1933 zum großen Teil erwerbstätig oder selbstständig. All das war nach 1945 vorbei, alles, was sie hatten, hat man ihnen genommen. Sie hatten keine Chance ihre Eigentümer wieder zu erlangen, denn die meisten Schreibtischtäter konnten nach dem Nationalsozialismus wieder unbehelligt ihren Beruf ausüben. Sie entschieden dann, wem eine Wiedergutmachung zustand und wem nicht, natürlich konnten sie Sinti und Roma keine Wiedergutmachung gewähren, denn damit hätten sie sich selbst schuldig gesprochen. Diese Menschen konnten nach dem Krieg zu einem normalen Leben übergehen, sie konnten ihre Kinder in allen Beziehungen unterstützen. All das konnten Sinti und Roma nach dem Krieg nicht. WOHNSITUATION: Sinti und Roma haben vor 1933 ein normales Leben in ihrer Deutschen Heimat geführt, einige von ihnen wohnten zur Miete oder hatten Eigenheime, sie waren Angestellte, im Schaustellergewerbe tätig, Berufsmusiker, Pferdehändler oder handelten mit Musikinstrumenten, auch waren sie als Schauspieler mit einer Wanderbühne Unterwegs. Deutschland war seit über 600 Jahren ihre Heimat. Sie konnten ihre Berufe nach dem Krieg nicht mehr ausführen, sie hatten kein Startkapital und waren oft mittellos. Viele Sinti und Roma Familien hat man nach 1945 auf sogenannte Zigeunerplätze angesiedelt. Diese Plätze befanden sich meistens am Randgebiet einer Stadt. Ich kann mich noch sehr genau daran erinnern, wie ich als Kind mit meinem Vater in den frühen 1960 Jahren seine Freunde auf diesen Plätzen besuchte. Auf jeden Platz waren ca. 80 Familien angesiedelt. Für alle Familien stand nur eine Wasserleitung zur Verfügung. Diese Wasserleitung befand sich in der Mitte des Platzes, ich kann mich deshalb daran erinnern, weil wir uns als Kinder im Sommer unter dem Wasserstrahl abkühlten. Großfamilien mussten in Baracken wohnen ohne fließendes Wasser, auf ca. 30-40 qm hausten sie zum Teil mit 6 Personen. Heute ist es unvorstellbar, unter welchen unmenschlichen Bedingungen unsere Menschen in den Nachkriegsjahren in ihrer Heimat Deutschland leben mussten. MEDIALE AUSGRENZUNG: Ende der 1960 Jahre kamen des Öfteren Fernsehteams zu diesen Plätzen, um Reportagen über den sogenannten „Zigeuner“ zu drehen. Man interviewte die naheliegenden Nachbarn und fragte, wie das Zusammenleben mit Sinti und Roma denn so ablaufe. Ihre Antworten wurden an die Mehrheitsgesellschaft vermittelt, die, die klischeehafte Bilder über Sinti und Roma bis zum heutigen Tag noch prägen und reproduzieren. Auch Sinti und Roma Interviewte man, einige Sinti und Roma konnten sich nicht gut artikulieren, wie gesagt ein Teil von ihnen hatte nie eine Schule besucht, alle waren traumatisiert. Dies nutzten die Berichterstatter, um Sinti und Roma bloßzustellen! Die Interviews, die gut waren, wurden nicht ausgestrahlt, denn Sinti und Roma sollten nach einer 600-Jährigen deutschen Geschichte immer noch als fremd im eigenen Land gelten. BILDUNGSERFAHRUNG: Ich selbst bin 1961 eingeschult worden, das erste Halbjahr, wie ich mich erinnern kann, bin ich gerne zur Schule gegangen, auch hatte ich keine Lernprobleme, im zweiten Halbjahr fingen die ersten Probleme an, wenn Kinder im Schulunterricht unangenehm auffielen, mussten sie meistens für fünf Minuten den Klassenraum verlassen, danach konnten sie wieder an der Unterrichtsstunde teilnehmen. Bei mir war es anders: Wenn ich den Unterricht störte, musste ich mich mit dem Gesicht zur Wand stellen, die ganze Unterrichtstunde musste ich unbeweglich stehen bleiben, dadurch bekam ich von dieser Unterrichtsstunde nichts mit. Dieter oder Fritzchen wurden an den Ohren gezogen, wenn sie die Unterrichtsstunde störten, wenn ich den Unterricht störte, bekam ich mit dem Rohrstock einen heftigen Schlag auf die offene Handfläche, einmal schlug der Lehrer so fest zu, dass mir die Handfläche aufplatzte, noch heute kann ich mich an den brutalen Schmerz erinnern! Ich kann nicht mehr sagen, was ich als Kind dachte, warum ich anders bestraft wurde, für mich war, dass alles normal, so sind wir Sinti und Roma Kinder eben in den 1950 1960, 70, 80 Jahren aufgewachsen. Von meinen Eltern konnte ich im Bereich Schulbildung keine Hilfe erwarten, sie lernten die ersten Schuljahre zusammen mit uns Kinder das Lesen und Schreiben, sie hatten im Nationalsozialismus Schulverbot, deshalb ist Schulbildung an ihnen vorübergegangen, für Hausaufgabenhilfe hat das Einkommen meines Vaters nicht ausgereicht, in keiner Hinsicht hatten wir Kinder im Bildungsbereich Unterstützung! Damals habe ich nicht darüber nachgedacht, warum ich nicht gern zur Schule gegangen bin. Heute weiß ich es. Mit 9 Jahren fing ich an zu boxen und wurde nach einigen Jahren Nationalstaffelboxer, ich nahm 1974 für mein Land an den Europameisterschaften in Kiew teil, war Fahnenträger und belegte den fünften Platz. 1971 boxte ich das erste Mal im Nationaldress für mein Land 50 Jahre später muss ich noch von Integration sprechen und Aufklärungsgespräche führen, wie kann man das erklären. BILDUNGSCHANCEN ALS EIN ERGEBNIS DER BÜRGERRECHTSARBEIT: Seit einigen Jahrzehnten haben sich die Bildungschancen für Sinti und Roma verbessert, der Zentralrat unter Leitung von Romani Rose hat in dieser Hinsicht den Weg geebnet, dass die Bildungschancen für Sinti und Roma ab den Neunzigerjahren um ein vieles besser geworden sind. Ein Beispiel möchte ich anführen: Gianni Jovanovic, lebt seit Ende der 1970 Jahre in Deutschland, als Gianni vier Jahre alt war ist das Haus von der Familie Jovanovic 1979 von Nazis, Niedergebrannt worden. Die Familie stand von diesem Zeitpunkt mittellos da, deutsche Behörden wollten die Familie wieder nach Jugoslawien abschieben. Romani Rose hat Wochen lang für die Rechte der Familie Jovanovic mit der Stadt Darmstadt verhandelt, bis die Familie schlussendlich ihr Recht bekam und in Deutschland ihr Leben weiter gestalten konnten. Gianni hat Jahrzehnte später sein Bachelor gemacht, von Beruf ist er heute Dentalhygieniker und erfolgreicher Unternehmer. Als ich damals dieses Drama wahrgenommen habe, ist mir die Wichtigkeit des Zentralrats Bewusst geworden: Ein Mann wie Gianni mit solch ein Potenzial würde heute wieder in Südosteuropa leben müssen, wenn der Zentralrat unter der Leitung von Romani Rose nicht ein geschritten wäre. Gott sei es gedankt, alle Mühe hat sich gelohnt und Gianni Jovanovic kann dank des Zentralrates heute als erfolgreicher anerkannter Bürger, sein Leben im unserem Land genießen. AKTUELLE SITUATION: Heute bin ich auf jeden unserer Jugendlichen stolz der einen guten Schulabschluss geschafft hat, auch haben wir heute Abiturienten und Studierende, einige junge Sinti und Roma sind seit Jahren an Schulen Pädagogen, auch haben wir an Universitäten Professoren. Wenn man weiß, unter welchen Bedingungen und mit welcher Vorgeschichte diese jungen Menschen ihren Weg gegangen sind, kann man dann noch von Bildungsferne sprechen?! NEUE STANDARDS: Angehörige der Minderheit, ihre Selbstorganisationen und Netzwerke sind sowohl für Schülerinnen und Schüler als auch für ihre Lehrkräfte und Pädagogen kompetente Partner bei der Behandlung des Themas im Unterricht. Dies ist möglich, indem Sinti und Roma als Expertinnen und Experten in die Schulen oder zu Fortbildungen eingeladen und in deren Konzeptionen maßgeblich eingebunden werden. BEST PRACTICE AM BEISPIEL DES PROJEKTES „BILDUNGSBOTSCHAFTER GEGEN ANTIZIGANISMUS“ Im Programm „Bildungsbotschafter gegen Antiziganismus“ werden junge Studierende aus der Minderheit dazu befähigt, in kirchlichen und nicht kirchlichen Bildungseinrichtungen Bildungs-Veranstaltungen durchzuführen, die mit der Vielgestaltigkeit von Sinti und Roma Kultur, ihrer Geschichte und ihrer Gegenwart, Verfolgung und Widerstand wie gegenwärtigen Antiziganismus bekannt machen sollen. Empowerment von Sinti und Roma im Wissenschaftlichen Bereich für Fortbildung in Einführungen zur Geschichte und Gegenwart der Minderheit in Kontexten der Jugendarbeit und an Schulen kann so stattfinden. Auch der neu gegründete Studierende Verband der Sinti und Roma in Deutschland, der 2020 von Dotschy Reinhardt und Francesco Amann ins Leben gerufen wurde und sich dem Zentralrat angeschlossen hat, trägt aktiv dazu bei, neue Narrative sichtbar zu machen. Der Verband bietet ein Netzwerk für Studierende Sinti und Roma, macht Bildungserfolge sichtbar und vermittelt neue Wissensdiskurse über das Thema Antiziganismus mit einer gelebten Authentizität der Angehörigen der Minderheit mit ein.
26. Januar 2024

26. Januar 2024 Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, Gedenkstunde des Landtags und der Landesregierung Nordrhein – Westfalen

26.01.2024

26.01.2024 Holocaust – Gedenktag

Mit unserem Kooperationspartner der Kurt – Tucholsky – Gesamtschule Minden haben Schülerinnen und Schüler die Rassebiologischen Einzelschicksale von Sinti und Roma in Workshops des Vereins Deutscher Sinti e.V. Minden aufgearbeitet, und diese am 26.01. 2024 zum Holocaust Gedenktag in der Petrikirche Minden in einer feierlichen Stunde vorgestellt. Mindener Schülerinnen und Schüler gedenken den Opfern des Holocaust – und erinnern an Schicksale von Sinti und Roma, Juden und Jüdinnen, die im Nationalsozialismus aus Minden nach Auschwitz deportiert und ermordet wurden.
2. Januar 2024

Zentralrat Deutscher Sinti und Roma trauert um Wolfgang Schäuble

Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma, sein Vorstand und seine Mitgliedsverbände trauern um den ehemaligen Bundestagspräsidenten Dr. Wolfgang Schäuble. Der Vorsitzende des Zentralrats, Romani Rose, würdigte ihn mit den Worten: „Mit Dr. Wolfgang Schäuble verliert unser Land einen engagierten Kämpfer für eine wehrhafte Demokratie und einen beeindruckenden Menschen. In seiner jahrzehntelangen Tätigkeit im Bundestag hat er mit seinem Auftreten und seiner Handlungsweise immer sicherstellen wollen, dass unsere Demokratie und unser Rechtsstaat verteidigt werden. Für den Zentralrat war Herr Dr. Schäuble zu unterschiedlichen Themen in seinen verschiedenen Funktionen ein wichtiger Gesprächspartner, der den Anliegen unserer Minderheit offen gegenüberstand. Sein Besuch im Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg im Jahr 2009 war für unsere Einrichtung eine große Ehre.“ Besonders als Bundestagspräsident hat sich Wolfgang Schäuble um die Erinnerung an den Holocaust an 500.000 Sinti und Roma im NS-besetzten Europa verdient gemacht. Anlässlich des Europäischen Holocaust-Gedenktags für Sinti und Roma am 2. August 2020 unterstrich der damalige Bundestagspräsident: „Zeitzeugen werden bald nicht mehr unter uns sein, weder Opfer noch Täter. Die Wahrheit bleibt – und sie bleibt eine Zumutung. Jede Generation hat sich ihr aufs Neue zu stellen. Aus der Erfahrung des Holocaust leitet sich die Selbstverpflichtung unseres Staates ab, die Würde jedes Menschen zu wahren und zu schützen. Auf diesem Fundament fußen unsere freiheitliche Rechtsordnung und ihre Werte. Das ist der Grundkonsens unserer Gesellschaft, der immer wieder verteidigt werden muss. Wir neigen dazu, die demokratische Ordnung für selbstverständlich zu halten. Das ist sie nicht – wie der Alltag und extremistische Tendenzen zeigen.“ Deutschland habe einen beeindruckenden Politiker und Menschen verloren, der tiefe Spuren in der Geschichte unseres Landes hinterlassen habe, so Rose. Der Vorsitzende des Zentralrats fügt hinzu: „Wolfgang Schäubles politisches Leben beinhaltete viele Erfolge und er hat sich besonders um unser Land und unsere Demokratie verdient gemacht. Unsere Gedanken sind bei seiner Familie in dieser für sie schweren Zeit.“
16. Dezember 2023

16. Dezember 2023 Gedenktag für alle Opfer des Nationalsozialismus

Vielen Dank an unsere Gäste und Freunde! Für die Teilnahme zum Gedenktag am 16. Dezember 2023 Besonders möchten wir uns bedanken für das Mitwirken von Jule, Sahra und Renèe die an das Einzelschicksal von Rudolf Diesenberg erinnert und vorgetragen haben, sowie an Schulleiterin Katharina Langner und Cherin Torhouni die dieses ermöglicht haben.
14. Dezember 2023

14. Dezember 2023 Bundestagsdebatte Bericht der Unabhängigen Kommission Antiziganismus

Pressemitteilung Zentralrat Deutscher Sinti und Roma Entschließungsantrag von den demokratischen Kräften fraktionsübergreifend verabschiedet Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma dankt allen im Bundestag vertretenen demokratischen Parteien dafür, der Bitte des Zentralrats zu entsprechen, einen gemeinsamen Entschließungsantrag über den Bericht der Unabhängigen Kommission Antiziganismus in den Deutschen Bundestag einzubringen und zu verabschieden. Damit drücken die Parteien ihre Anerkennung der historischen Verantwortung für die sechshundertjährige deutsche Geschichte der Minderheit und den Holocaust aus, die auch in den Reden deutlich wurde. „Wir sehen in dieser Debatte die Chance für den demokratischen Rechtsstaat, die Versäumnisse der historischen Aufarbeitung und Bewusstseinsbildung nach 1945 politisch anzuerkennen und den Willen auszudrücken, dem tiefsitzenden Antiziganismus durch Aufklärung entgegenzuwirken,“ so der Vorsitzende des Zentralrats, Romani Rose. Durch den umfangreichen, 800-seitigen Bericht der Unabhängigen Kommission wurden erstmals die Ursachen für den auch nach 1945 fortwährenden Antiziganismus in Politik, Gesellschaft und staatlichen Institutionen anerkannt und verurteilt. Dieser weiter tradierte Antiziganismus wurde als „zweite Verfolgung“ auch von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit folgenden Worten ausgedrückt: „Behörden, Polizei und Justiz diskriminierten, stigmatisierten oder kriminalisierten Angehörige der Minderheit; in Wissenschaft, Politik und Öffentlichkeit wurde der Völkermord an den Sinti und Roma verschwiegen, verleugnet oder verdrängt; Ansprüche auf Entschädigung wurden lange, viel zu lange nicht anerkannt.“ Der Zentralrat würdigt, dass das Bundeskriminalamt sich dieser Kritik stellte und am 27. Januar 2023 die Arbeitsdefinition Antiziganismus der International Holocaust Rememberance Alliance (IHRA) unterzeichnet hat und dadurch auch das Vertrauen der Minderheit in unseren Rechtsstaat weiter stärkt. Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma erwartet, dass der Deutsche Bundestag mit dem Entschließungsantrag wegweisende Handlungsempfehlungen ausspricht und Maßnahmen ergreift, damit die zentralen Empfehlungen der Unabhängigen Kommission Antiziganismus umgesetzt werden. Rose fordert: „Bundestag und Bundesregierung müssen hier die Voraussetzungen schaffen für die gleichberechtige Teilhabe unserer Minderheit in allen Bereichen der Gesellschaft und dafür Sorge tragen, dass auch der Antiziganismus, der die Grundlage für den Holocaust an den 500.000 Sinti und Roma im NS-besetzten Europa war, genauso geächtet wird wie der Antisemitismus.“
30.11.2023

30.11.2023 ”Angriff auf die Demokratie”

”Angriff auf die Demokratie” – Wie können wir sie erkennen – Wie können wir dem entgegenwirken Spielen Fake News auch eine Rolle beim Antiziganismus? Vielen Dank Andre Wolf für den hoch interessanten Vortrag!
30. November 2023

Veranstaltungshinweis 30. November 2023 Vortrag von Andre Wolf ”Angriff auf die Demokratie”

Andre Wolf referiert über die Rolle der sozialen Medien. Interessante Einblicke in die demokratiegefährdende Rolle von Fake News. – Wie können wir sie erkennen? – Wie können wir dem entgegenwirken? Spielen Fake News auch eine Rolle beim Antiziganismus? am 30.11.2023 um 18:00 Uhr Veranstaltungsort: Königstr.3, 32423 Minden Eintritt frei

25.11.2023 Herzlichen Dank lieber Heinrich von der Haar, für Ihre Lesung aus ”Mein Himmel brennt”

22.November 2023

22.November 2023 Workshop

Workshop und Filmvorführung ”die Mulfinger-Sinti- Kinder” mit Schüler und Schülerinnen der Kurt-Tucholsky-Gesamt Schule Minden. (Die Sinti-Kinder von Mulfingen waren Kinder aus Sinti-Familien, die bis 1944 im katholischen Kinderheim St. Josefspflege in Mulfingen lebten und dann fast alle nach Auschwitz deportiert wurden.)
15. November 2023

15. November 2023 Workshop Geschichte Zeigen – Wir Erkunden Die Ausstellung

Workshop mit Schüler und Schülerinnen der Kurt-Tucholsky-Gesamt Schule Minden
23.11.2023

Veranstaltungshinweis 23. November 2023 – 17:00 Uhr Kreissitzungsaal Minden Ausstellung „Gegenwärtig”

Am Donnerstag, den 23. November 2023 – 17:00 Uhr Kreissitzungsaal Minden Ausstellung „Gegenwärtig 267 Opfer rechter Gewalt seit 1990“ Vortrag Referent Thomas Billstein „Kein Vergessen“ Thema: Opfer rechter Gewaltideologie nach 1945
30.09.2023

30.September 2023 Interkulturelle Wochen unter dem Motto ”Neue Räume”

Das Sinti-Trio aus Bremerhaven Gimanto, Lamar und Andere werden Sie mit toller Live-Musik begeistern! Alle sind willkommen! Ort: Verein Deutscher Sinti e.V. Minden Königstr.3, 32423 Minden Uhrzeit: 15:00 Uhr Eintritt frei
12. September 2023

12 .September 2023 Führung durch die Ausstellung ”Der nationalsozialistischer Völkermord an den Sinti und Roma Europas”

Weiterbildung mit Lehrkräfte und pädagogisches Fachpersonal vom Kommunales Integrationszentrum Bielefeld.
12. September 2023

12. September 2023 ”Podiumsdiskussion zu Gewalt im Fußball”

Auf Einladung von meinen Freund Dr. Henry Wahlig, gestern im Deutschen Fußball Museum Dortmund ”Podiumsdiskussion zu Gewalt im Fußball” v.l.Manuel Neukirchner, Direktor des Deutschen Fußball Museum Eugen Gehlenborg ehemaliger DFB-Vizepräsident der DFB- Stiftung
30.08.2023

30. August 2023 Netzwerktreffen

2. August 2023

2. August 2023 ”Europäischer Holocaust-Gedenktag”

Vielen Dank an Prof. Wolfhard Winkelmüller für seine Lesung aus seinem Buch „Tränen, die nicht trocknen”
2. August 2023

2.August 2023 Lesung Prof.Dr. Wolfhard Winkelmüller aus seinem Buch: „Tränen,die nicht trocknen”

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde! Am 2. August gedenken wir der letzten 4.300 Sinti und Roma des Deutschen NS-Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau, die in dieser Nacht des Jahres 1944 von der SS ermordet wurden. In Erinnerung an die insgesamt 500.000 Sinti und Roma, die im nationalsozialistisch besetzten Europa ermordet wurden. Datum: 2. August 2023 Veranstaltungsort: Königstr.3, 32423 Minden Beginn: 18 Uhr Eintritt frei

10. Juni 2023 Mal-Workshop mit der Künstlerin Giesela Wäschle aus Bielefeld

3. Juni 2023 Alodia, du bist jetzt Alice! Lesung von Reiner Engelmann

Kinderraub und Zwangsadoption im Nationalsozialismus Reiner Engelmann: Alodia, du bist jetzt Alice! Alodia Witaszek ist fünf Jahre alt, als der nationalsozialistische Terror sie jäh aus ihrem vertrauten Leben reißt. Als Widerstandkämpfer gegen die deutsche Besatzung in Polen wird ihr Vater hingerichtet, während man ihre Mutter nach Auschwitz deportiert. Die blonde und blauäugige Alodia jedoch wird als »rassenützlich« befunden und als »Geschenk des Führers« einer deutschen Familie zur Adoption übergeben. Nach Kriegsende sucht Alodias leibliche Mutter zwei Jahre lang nach ihrem verschleppten Kind. Mit Erfolg: Alodia kehrt in ihre fast vergessene Familie zurück und muss ihre Muttersprache neu lernen.
9. Mai 2023

9. Mai 2023 „Gegen das Vergessen! – 75 Jahre Menschenrechte

Wir begrüßen herzlich Georg Murra-Regner, Vorsitzender der Synagoge Dornum und Reiner Liebau zu einem Vortrag: „Gegen das Vergessen! – 75 Jahre Menschenrechte“ Ort: Verein Deutscher Sinti e.V. Königstr.3, 32423 Minden Datum: 9.05.2023 19:30 Uhr Eintritt frei

28. April 2023 Die Erben der Arisierung

28. März 2023 Workshop Spurensuche

Sinti und Roma Jugendliche im Kommunalarchiv Minden
24.01.2023

24. Januar 2023 !Nie Wieder-Auftaktveranstaltung auf dem DFB-Campus

18.11.2022

18.November 2022 Musikabend im Bunker

23. September 2022

2022 Audiopreis der Landesanstalt für Medien NRW

02.08.2022

2. August 2022 Europäischen Holocaust-Gedenktag für Sinti und Roma

Anlässlich des Europäischen Holocaust- Gedenktages für Sinti und Roma am 2. August 2022 gedenken wir mit eindrucksvollen und bewegenden Ansprachen von dem Holocaust-Überlebenden Dieter Flack, aus Ingolstadt, von dem Mindener Bürgermeister Michael Jäcke, von Markus Priesterath, BMI sowie der Bundestagsabgeordneten Schahina Gambir, der letzten 4.300 Sinti und Roma des Deutschen NS-Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau, die in dieser Nacht des Jahres 1944 von der SS ermordet wurden.
9. April 2022

9. April 2022 Eröffnung Sportausstellung ”Sinti und Roma Sportler”

15.10.2021

15.Oktober 2021Eröffnung des Projektes ”Mer Ketne-Wir zusammen!”

2020 Mainzer Erinnerungswochen

Veranstaltungen unter dem Motto: GEMEINSAM FÜR ERINNERUNG UND VIELFALT rings um den „Erinnerungstag im deutschen Fußball“. … 19. bis 29. Januar Ausstellung (Eröffnung am 19.1. um 18 Uhr) „Abseits im eigenen Land – SinU und Roma Sportler“ Fanhaus Mainz, Weisenauer Str. 15, Mainz 24. Januar – 19.05 Uhr Filmvorführung und Diskussion „Die SUlle schreit“ Haus am Dom, Liebfrauenplatz 8, Mainz 26. Januar – 11 Uhr Fußballturnier „Gemeinsam für Erinnerung und Vielfalt“ Enten-Arena, Ulrichstraße 38, MZ-Bretzenheim 27. Januar – 20 Uhr Musikalisch-szenische Lesung des GOJ-T-A-TR „Ich möchte den Himmel mit Händen fassen“ Mainzer Kammerspiele, Malakoff Passage, Mainz 28. und 31. Januar jeweils 11 und 19 Uhr Stadeührungen durch das jüdische Mainz 29. Januar – 19.05 Uhr Offenes Podiumsgespräch mit Oswald Marschall „Was ich schon immer mal über SinU und Roma wissen wollte“ Haus des Erinnerns, Flachsmarktstraße 36, Mainz 1. Februar – 15.30 Uhr StadionakUon beim Spiel Mainz 05 vs. Bayern München OPEL ARENA, Eugen-Salomon-Straße 1, Mainz 11. Februar – 19.05 Uhr Zeitzeugenvortrag Esther Bejarano mit Hip-Hop-Konzert KUZ, Dagobertstraße 20b, Mainz. Veranstaltet von FC Ente Bagdad in Zusammenarbeit mit dem 1. FSV Mainz 05, dem Fanprojekt Mainz, den Supporters Mainz und dem Q-Block.
14.September 2019

14.September 2019 Lesung ”Hotel Dellbrück” Autor Michael Göring

Dezember 1938: Sigmund, 15 Jahre alt, sitzt im Zug nach England. Sigmund ist Jude, Waisenkind, aufgewachsen im Hotel Dellbrück, dem Bahnhofshotel einer westfälischen Kleinstadt. Mit dem Kindertransport kommt er nach Cornwall, wo er von einem methodistischen Ehepaar aufgenommen wird. Hier überlebt er den Krieg und den Holocaust, studiert und wird Lehrer. 1949 entscheidet sich Sigmund für die Rückkehr nach Deutschland. Er unterrichtet an derselben Schule, an der er 12 Jahre zuvor als „Judenlümmel“ schikaniert wurde. Sigmund heiratet Maria, die Tochter des Hoteliers Tono Dellbrück, mit der er vor seiner Flucht nach England aufgewachsen ist. Doch Sigmund fällt es schwer, im Nachkriegsdeutschland heimisch zu werden. Auch sein Sohn Friedemann, der 1955 auf die Welt kommt, ist lange auf der Suche nach Heimat und Bindung. Nach dem Abitur fährt er 1975 mit dem Magic Bus das erste Mal nach Indien, später lebt er eine Zeit in Poona und zieht Anfang der 1990er Jahre mit seiner Freundin Cleo nach Australien. Der Ankerpunkt in Deutschland bleibt das alte Hotel Dellbrück. Als Frido 2018 auf Besuch in Deutschland vor dem Hotel steht, ist es ein Flüchtlingswohnheim. Unerwartet stark empfindet der jetzt 63-jährige die Kräfte des Ortes, der ihn und seinen Vater einst so sehr geprägt hat. Der Gang durch das ehemalige Hotel verändert Fridos Leben. Göring greift in diesem Roman erneut zu großen Themen und erzählt sie spannend, einfühlsam und mit leichter Hand: Wie sehr prägt das Schicksal des jüdischen Vaters, der zwischen Schuld- und Hassgefühlen nicht zur Ruhe kommt, den Sohn Frido? Wo findet man Heimat? Wie meistert der Einzelne die Sehnsucht nach Spiritualität und Bindung? Frido stellt die Frage radikal: Wann macht das Leben Sinn? Und wie zuvor Sigmund erlebt auch Frido, wie wichtig es ist, den rechten Moment nicht zu verpassen, wenn man mutig springen und sich Unbekanntem öffnen muss.
7. September 2019

7. September 2019 Lesung und Vortrag des Autors Prof. Dr. Friedrich-Wilhelm von Hase „Hitlers Rache”

Hitlers Rache: Das Stauffenberg-Attentat und seine Folgen für die Familien der Verschwörer 20. Juli 1944. Stauffenberg zündet eine Bombe, um Hitler zu töten. In Berlin läuft der Putsch Walküre an. Wehrmachtkommandant Paul von Hase soll das Regierungsviertel abriegeln. Erstmals veröffentlicht nun sein Sohn, Friederich-Wilhelm von Hase ein Cousin Dietrich Bonhoeffers, Berichte aus dem Familienarchiv. Zusammen mit berührenden Schilderungen der Angehörigen des Grafen Stauffenberg und weiterer Widerständler wird die bisher wenig bekannte menschliche Dimension des Attentats für die Familien deutlich. Ergänzend erläutern Experten geschichtliche Hintergründe, darunter die wenig bekannte christliche Motivation der Verschwörer.
19.Mai 2019

19. Mai 2019 Holocaust-Überlebende Erna de Vries ”Ich wollte noch einmal die Sonne sehen”

Herzlichen Dank, an Erna de Vries für ihre bewegenden Worte „Ich wollte noch einmal die Sonne sehen” über ihr schweres Schicksal in Auschwitz-Birkenau. Die letzten Worte ihrer geliebten Mutter „Du wirst überleben und erzählen was man mit uns gemacht hat” Vielen herzlichen Dank an Prof. Wolfgang Hempel der diese wichtige Veranstaltung möglich gemacht hat. Vielen Dank an Jens Vogel für seine Hilfsbereitschaft! 19. Mai 2019 im Verein Deutscher Sinti e.V. Minden Vielen Dank! an unsere Gäste und Freunde! Lieber Romani, ich will Dir gegenüber meinen aufrichtigen Dank aussprechen das Du am Sonntag an unsere Veranstaltung in Minden teilgenommen hast. Ich weiß, dass Du die ganze Woche unterwegs gewesen bist, das Du dann am Samstag von Heidelberg nach Minden kommst um an unsere Veranstaltung mit einer der letzten Zeitzeuginnen der Holocaust-Überlebenden Erna de Vries teilnimmst, das ist bemerkenswert und keine Selbstverständlichkeit. Da ich dein Arbeitspensum seit Jahren kenne und Du jeden Tag unsere Arbeit gegen all nur erdenklichen Widerständen voran bringst kann ich sagen das Du noch das gleiche Feuer verspürst wie in jungen Jahren, deshalb freue ich mich auf die nächsten Jahre unserer Zusammenarbeit! Ich bin Stolz sagen zu dürfen, das wir beide Freunde sind!
2. April 2019

2. April 2019 Veranstaltung im Rahmen der Frühjahrstagung Child Survivors Überlebende Kinder der Shoah

29. März 2019

29. März 2019 Ehrung Dr. Laudris Hölscher

Sinti und Roma ehren langjährigen deutschen Generalkonsul in Krakau, Dr. Laurids Hölscher und seine Ehefrau Lee Elisabeth Hölscher-Langner für ihr herausragendes persönliches Engagement für Überlebende des Holocaust Das Ehepaar Hölscher engagiert sich seit seiner Ankunft in Polen im Jahr 1991, als Dr. Laurids Hölscher Generalkonsul der BRD in Krakau wurde, für die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft, darunter auch viele Holocaustüberlebende der Sinti und Roma. Als Organisatorin eines Freiwilligendienstes in Krakau und Umgebung hat Frau Hölscher-Langner es sich zur Aufgabe gemacht, den oft in Isolation und Armut lebenden ehemaligen Häftlingen der Konzentrations- und Vernichtungslager bei der Bewältigung ihres Alltags zu helfen und ihnen in ihren letzten Lebensjahren oder Monaten beizustehen. Dabei wird sie von Jugendlichen aus ganz Europa unterstützt, die ihr vor allem die Dresdner „Initiative Christen für Europa“ (ICE) vermittelt. Am 6. Oktober 2008 zeichnete der Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland Frau Hölscher-Langner in Anerkennung ihrer Verdienste insbesondere für die polnischen Überlebenden des Holocaust mit dem Verdienstkreuz 1. Klasse aus. In Polen wird das ehrenamtliche Engagement des Ehepaares Hölscher schon seit Jahren sehr positiv zu Kenntnis genommen. Beide sind seit 2016 „Ehrenbürger von Proszowice“ und wurden 2018 mit der Verdienstmedaille „Polonia Minor“ ausgezeichnet. Seit vielen Jahren lädt das Ehepaar Hölscher überdies anlässlich des Internationalen Roma Gedenktages am 2. August Überlebende der Sinti und Roma aus Deutschland in ihr Haus in Krakau ein und ermöglicht dort eine Begegnung mit jungen Menschen aus aller Welt. Für die Überlebenden ist diese Einladung ein wichtiges Zeichen der Wertschätzung. Die Familie von Dr. Laurids Hölscher ist der Stadt Heidelberg seit vielen Generationen eng verbunden.
27.März 2019

27. März 2019 Rom Archive

Die Projektinitiatorinnen Franziska Sauerbrey und Isabel Raabe, die Kulturstiftung des Bundes, die Bundeszentrale für politische Bildung und das Dokumentations-und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma haben sich darauf verständigt, dass das Heidelberger Zentrum das RomArchive übernehmen wird, nachdem ursprünglich das in Berlin ansässige Europäische Roma-Institut für Kunst und Kultur (ERIAC) als zukünftige Trägerinstitution vorgesehen war. Als wissenschaftliche Facheinrichtung des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma verfügt das bereits in den 1990er Jahren gegründete Dokumentationszentrum über jahrelange Forschungserfahrung, ein europaweites Netzwerk und die nötige politische Reputation, um das umfangreiche RomArchive künftig erfolgreich führen zu können. Sowohl das Dokumentationszentrum als auch das ERIAC betonen ihr Interesse an einer engen Zusammenarbeit bei der Weiterentwicklung des RomArchive. Der Übernahmevertrag wurde am 27. März 2019 von Romani Rose für das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma unterzeichnet. „Mit der Übernahme der Trägerschaft des Projekts RomArchive unterstreicht das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma, wie wichtig es ist, die vielfältigen kulturellen Beiträge, die Angehörige unserer Minderheit in ganz Europa geleistet haben und immer noch leisten, sichtbar zu machen“, betont Romani Rose. „Denn nur durch die Dokumentation des kulturellen Erbes von Sinti und Roma und der Verdeutlichung des hohen Werts dieser lange ausgegrenzten Kultur kann der Antiziganismus bekämpft und wirkungsvoll zurückgedrängt werden.“ Die Projektinitiatorinnen Isabel Raabe und Franziska Sauerbrey freuen sich „mit dem Dokumentationszentrum Deutscher Sinti und Roma eine Institution gefunden zu haben, die den Anforderungen der Anschlussförderung entspricht, und insbesondere, dass das Dokumentationszentrum das Archiv ausbauen und weiterwachsen lassen möchte. Wir sind sehr gespannt auf die weitere Entwicklung von RomArchive.“ RomArchive, das digitale Archiv der Sinti und Roma ist online unter www.romarchive.eu zugänglich. Ausführliche Bildbeschreibung: Foto von der Vertragsunterzeichnung am 27. März 2019 (c) Nihad Nino Pušija, v.l.n.r., vorne: Isabel Raabe (RomArchive – Digitales Archiv der Sinti und Roma), Romani Rose (Zentralrat Deutscher Sinti und Roma), Franziska Sauerbrey (RomArchive – Digitales Archiv der Sinti und Roma); hinten: Emran Elmazi (Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma), Oswald Marschall (Zentralrat Deutscher Sinti und Roma), Hortensia Völckers (Kulturstiftung des Bundes), Kirsten Haß (Kulturstiftung des Bundes), Herbert Heuß (Zentralrat Deutscher Sinti und Roma
11. Januar 2019

11. Januar 2019 Sinti – Roma – Sport – Ausstellung im Rahmen der Veranstaltung Nie wieder des diesjährigen Mottos ”Erinnern reicht nicht” in Frankfurt

14. Dezember 2018

14. Dezember 2018 Pressemitteilung Erhalt der Gräber

Pressemitteilung Zentralrat Deutscher Sinti und Roma 14.12.2018 Romani Rose: Ein historischer Tag für die Minderheit Heute wurde im Rahmen eines feierlichen Staatsaktes im Bundesrat anlässlich des jährlichen Gedenkens an den NS-Völkermord an den Sinti und Roma die „Bund-Länder-Vereinbarung betreffend den Erhalt der Gräber der unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft verfolgten Sinti und Roma“ durch Bundesministerin Dr. Giffey für die Bundesregierung unterzeichnet. Zuvor hatten am 5. Dezember 2018 die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten der Länder während der Ministerpräsidentenkonferenz in Berlin die Vereinbarung gezeichnet. Mit dieser Vereinbarung wurde der am 8. Dezember 2016 durch die Bundeskanzlerin und die Regierungschefinnen und –chefs der Länder verabschiedete Beschluss zum dauerhaften Erhalt der Grabstätten jetzt in eine bundeseinheitliche Regelung umgesetzt, die mit der heutigen Unterzeichnung in Kraft tritt. An der feierlichen Unterzeichnung der Bund-Länder-Vereinbarung nahmen neben Bundesratspräsident Daniel Günther, Bundesministerin Dr. Giffey und dem Vorsitzenden des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten der Länder, Vertreter der beiden großen Kirchen und des Städtetags, die Vorstände des Zentralrats und seiner Landesverbände sowie Überlebende des Holocaust teil. „Nach den langen Verhandlungen des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma mit Bund, Ländern und Kommunen ist der heutige Tag für den Zentralrat und für die gesamte Minderheit ein historisches Datum. Mit dieser Vereinbarung werden die Grabstätten von Überlebenden des NS-Völkermords in den Kommunen und in den Städten als Familiengedächtnisstätten und als öffentliche Lernorte für die nachkommenden Generationen dauerhaft erhalten. Mit dem Erhalt der Grabstätten wird das ehrende Gedenken an unsere Menschen, die im Nationalsozialismus verfolgt und ermordet worden sind, gewahrt und an das schlimme Schicksal unserer Minderheit im Holocaust erinnert“, so der Vorsitzende des Zentralrats, Romani Rose, heute im Bundesrat. „Mein Dank gilt der Bundeskanzlerin und allen Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten der Länder und insbesondere dem Deutschen Städtetag sowie den beiden großen Kirchen, die uns bei diesem wichtigen Anliegen geschlossen unterstützt haben. Besonderer Dank gilt Bundesministerin Giffey und den Mitarbeitern ihres Hauses, die die komplexen Verhandlungen zu diesem guten Ergebnis geführt haben“, so Rose weiter. Für die Familien der Sinti und Roma ist der dauerhafte Erhalt der Grabstätten als Familiengedächtnisstätten und als geschützte Gedenkorte von großer Bedeutung, auch weil es für die meisten ihrer im Nationalsozialismus ermordeten Angehörigen nirgendwo eine Grabstelle gibt. Gleichzeitig sind diese Grabstätten Plätze von historischer Bedeutung und, aufgrund ihrer besonderen Geschichte, öffentliche Lernorte vor allem dort, wo mit besonderen Grabinschriften und -tafeln auf das Schicksal der Bestatteten hingewiesen wird. Ihr Erhalt liegt insofern nicht nur im Interesse der betroffenen Familien, sondern ist ein grundlegender Beitrag für die politische Bildungsarbeit und die deutsche Erinnerungskultur. „Unsere Gräber sind die letzten Spuren derer,die die Schrecken des Holocaust überlebt haben. Sie sind die Zeugen des Völkermords an den Sinti und Roma und als solche ein Vermächtnis für unsere Demokratie und unseren Rechtsstaat“, so der Zentralratsvorsitzende.
22. November 2018

22. November 2018 Ehrung für Prof. Wolfgang Hempel durch Dr.h.c. Hinrich Enderlein anlässlich des 50-jährigen Jubiläums in der FDP Gaggenau

29. Juni 2018

29. Juni 2018 Kontinuierlicher Dialog: Gespräch des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma mit dem ZDF über rassistische Diskurse in der deutschen Öffentlichkeit

Kontinuierlicher Dialog: Gespräch des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma mit dem ZDF über rassistische Diskurse in der deutschen Öffentlichkeit. Der Stv. Chefredakteur des ZDF, Elmar Theveßen, und der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, blicken mit großer Sorge auf den zunehmenden Rassismus und Rechtspopulismus im medialen Diskurs in Deutschland. Die Medien haben eine große Verantwortung für den Schutz der demokratischen Gesellschaft und insbesondere für den Schutz vor Diskriminierung von Minderheiten in der medialen Repräsentation. Dies wurde deutlich im Gespräch der ZDF-Leitung mit einer 30-köpfigen Delegation des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma und dessen Landesverbände am 29. Juni 2018 im ZDF-Hauptsitz in Mainz. Das ZDF führt seit Jahren den Dialog mit dem Zentralrat in Form von Redaktionsgesprächen. Die Sendung „Drehscheibe“ brachte als erste in ihrer Reihe „Drehscheibe“ eine Serie von Portraits mit deutschen Sinti oder Roma, u.a. mit dem Dirigenten der Roma-Philharmoniker, Riccardo M Sahiti. Der stellvertretende Vorsitzende des Dokumentationszentrums, Oswald Marschall, unterstrich die Bedeutung der medialen Darstellung, durch die das Bild der Mehrheitsgesellschaft von der Minderheit immens beeinflusst wird und die – wie das Beispiel des antiziganistischen Films „Nellys Abenteuer“ (ARD) zeigte, oftmals von stigmatisierenden Klischees geprägt ist. „Umso wichtiger sei der Anspruch des ZDF, Sinti und Roma in Deutschland als selbstverständlichen Teil der Bevölkerung zu zeigen und dies in allen Fernsehformaten des ZDF“, so Marschall. Der Zentralrat sieht sich nach wie vor mit schwierigen Auseinandersetzungen und fehlendem Bewusstsein für Antiziganismus in zahlreichen öffentlich-rechtlichen wie auch privaten Sendern konfrontiert. Kritisch betrachtet wurden von Sender und Zentralrat die Änderungen des Pressekodexes durch den Deutschen Presserat, welche die eindeutigen Richtlinien für Journalisten aufweichen. Deutlich wurde bei diesem Gespräch jedoch, dass Medien ihre vielfältigen Formate und Möglichkeiten nutzen können, um eine ausgewogene, vorurteilsfreie und positive Berichterstattung über Minderheiten und Diversität in der Gesellschaft zu gewährleisten. Nach Ansicht des Zentralrats sollten insbesondere die 600-jährige Geschichte der Sinti und Roma in Deutschland, wie auch Antiziganismus in den Medien als fester Bestandteil in der Aus- und Weiterbildung für Journalisten bei der ARD/ZDF-Medienakademie aufgenommen werden.
1. Juni 2018

1. Juni 2018 Schauspieler Ulrich von Dobschütz und Prof. Wolfgang Hempel

13.April 2028

13. April 2018 Lesung ”VERFEMT – VERFOLGT – VERRATEN” Abriss meines Lebens Horst Selbiger

Dies ist die unglaubliche, wahre Lebensgeschichte des jüdischen Mitbürgers Horst Selbiger, der in drei Regimen gegen Widerstände um sein Leben und seine Existenz kämpfte. In keiner Gesellschafts- und Herrschaftsform wurde ihm Gerechtigkeit zuteil! Und so wurde er selbst zum Gerechten, der heute unaufgeregt und neutral die unglaubliche Lebensgeschichte unseres jüdischen Mitbürgers erzählt- damit Gerechtigkeit Gerechtigkeit bleiben kann und dies keiner Generation mehr widerfahren kann. Die junge Generation hört ihm aufmerksam und mit großem Staunen zu. Text aus seinem neu erschienenen Buch.
14. November 2017

14. November 2017 Zeitzeugengespräch Auschwitz-Überlebender Natan Grossmann

Zeitzeugengespräch Auschwitz-Überlebender Natan Grossmann geb.1927 in Zgierz bei Lódz mit Schülerinnen und Schüler aus Weißrussland am 14.11.2017 im Verein Deutscher Sinti e.V. Minden
11.11.2017

11.11.2017 „…überhaupt fehlst Du mir sehr.„ Der Briefwechsel von Manuel Goldschmidt und Claus Victor Bock (1945-1951)

Herzlichen Dank an Prof.e.h. Wolfgang Hempel, Wilhelm-Fraenger-Gesellschaft Potsdam für die Organisation der Vorstellungsreise in Minden,Petershagen,Hamburg,Berlin,Weimar,Halberstadt und Heidelberg, um uns einen faszinierenden Einblick in die geschlossene Welt des Frommel-Kreises zu geben.
2. November 2017

2. November 2017 ”Selbstverständnis Minderheiten”

Vortrag von Herrn BA Koschyk ‚Selbstverständnis Minderheiten. Was versteht man unter einer autochthonen, nationalen Minderheit/Volksgruppe‘ am 2. November 2017 in Minden Für die heutige Einladung zu Ihrer Veranstaltung danke ich sehr herzlich. Ich freue mich, Ihnen die Grüße der Bundesregierung und hier insbesondere meines Interims-Nachfolgers im Amt des Beauftragten für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Herrn Parlamentarischen Staatssekretärs Dr. Günter Krings MdB, zu übermitteln, der nach meinem Ausscheiden bis zur Berufung einer Nachfolgerin oder eines Nachfolgers durch die künftige Bundesregierung die Amtsgeschäfte führt. Dem Wunsch heute zum Thema „Selbstverständnis Minderheiten. Was versteht man unter einer autochthonen, nationalen Minderheit/Volksgruppe“ vorzutragen komme ich gern nach, denn in meiner Zeit als Beauftragter ist mir klar geworden, dass nicht nur die Mehrheitsbevölkerung unter einem Informationsdefizit hinsichtlich der nationalen Minderheiten in Deutschland leidet. Auch bei den Angehörigen dieser Minderheiten und Sprachgruppen herrscht gelegentlich kein klares Bild über ihren Status, ihre gesellschaftliche Einbindung und ihre Möglichkeiten der Teilhabe. Die Angehörigen der nationalen Minderheiten in Deutschland sind ein wichtiger Teil der deutschen Gesellschaft. Sie bewahren jahrhundertealte Sitten und Gebräuche sowie ihre eigenen Sprachen, die ihre kulturelle Identität ausmachen. Sie benötigen nicht nur die Unterstützung der Mehrheitskultur in Deutschland, sondern auch politische Unterstützung für die Umsetzung ihrer Anliegen. In Deutschland leben vier anerkannte nationale Minderheiten: die dänische Minderheit im Norden Schleswig-Holsteins, die friesische Volksgruppe im Nordwesten Schleswig-Holsteins und im nordwestlichen Niedersachsen, das sorbische Volk im Südosten Brandenburgs und im östlichen Sachsen sowie die deutschen Sinti und Roma, die traditionell – meist in kleinerer Zahl – nahezu in ganz Deutschland leben. Als nationale Minderheiten hat die Bundesrepublik Deutschland jene Bevölkerungsgruppen anerkannt, die folgende Kriterien erfüllen: • ihre Angehörigen sind deutsche Staatsangehörige, • sie unterscheiden sich vom Mehrheitsvolk durch eine eigene Sprache, Kultur und Geschichte, also durch eine eigene Identität, • sie wollen diese Identität bewahren, • sie sind traditionell – also in der Regel seit Jahrhunderten – in Deutschland heimisch und • sie leben innerhalb Deutschlands in angestammten Siedlungsgebieten. Das Merkmal der traditionellen Ansiedlung auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland unterscheidet die nationalen Minderheiten von Zuwanderergruppen, die nicht traditionell in Deutschland heimisch sind. Ethnische Gruppen von Migranten und deren Nachfahren haben daher in Deutschland nicht den Status einer nationalen Minderheit. Die Angehörigen der nationalen Minderheiten sind deutsche Staatsangehörige. Sie genießen alle Rechte und Freiheiten des Grundgesetzes ohne Beschränkung. Das Bekenntnis zu einer der nationalen Minderheiten ist frei. Die Zugehörigkeit zu einer Minderheit ist die persönliche Entscheidung eines jeden Einzelnen, die von Staats wegen nicht registriert, überprüft oder bestritten wird. Jede der vier nationalen Minderheiten definiert sich vor allem über ihre eigene Sprache. Sie ist identitätsstiftend und daher von besonderer Bedeutung für die Minderheiten. Deshalb genießen die sechs Minderheitensprachen in Deutschland – Dänisch, Nordfriesisch, Saterfriesisch, Romanes, Niedersorbisch und Obersorbisch einen besonderen Schutz. Als eigenständige Sprache ebenfalls geschützt wird die Regionalsprache Niederdeutsch, die in acht der sechzehn Bundesländer gesprochen wird. Der besondere rechtliche Status der nationalen Minderheiten und ihrer Sprachen sowie der Regionalsprache Niederdeutsch beruht im Wesentlichen auf dem Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte der Vereinten Nationen sowie auf zwei Abkommen des Europarates, die in Deutschland Verbindlichkeit genießen: dem Rahmenübereinkommen zum Schutz nationaler Minderheiten und der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen. Ein Meilenstein zur verbindlichen Festschreibung von Minderheitenrechten war der Internationale Pakt über bürgerliche und politische Rechte der Vereinten Nationen von 1966, in dessen Artikeln 26 und 27 – also unmittelbar aufeinanderfolgend – geregelt ist: Art. 26: „Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich und haben ohne Diskriminierung Anspruch auf gleichen Schutz durch das Gesetz. In dieser Hinsicht hat das Gesetz jede Diskriminierung zu verbieten und allen Menschen gegen jede Diskriminierung, wie insbesondere wegen der Rasse, der Hautfarbe, des Geschlechts, der Sprache, der Religion, der politischen oder sonstigen Anschauung, der nationalen oder sozialen Herkunft, des Vermögens, der Geburt oder des sonstigen Status, gleichen und wirksamen Schutz zu gewährleisten.“ Art. 27: „In Staaten mit ethnischen, religiösen oder sprachlichen Minderheiten darf Angehörigen solcher Minderheiten nicht das Recht vorenthalten werden, gemeinsam mit anderen Angehörigen ihrer Gruppe ihr eigenes kulturelles Leben zu pflegen, ihre eigene Religion zu bekennen und auszuüben oder sich ihrer eigenen Sprache zu bedienen.“ Das Rahmenübereinkommen zum Schutz nationaler Minderheiten verbietet jede Diskriminierung einer Person wegen ihrer Zugehörigkeit zu einer nationalen Minderheit sowie eine Assimilierung gegen ihren Willen. Aus der Zugehörigkeit zu einer nationalen Minderheit dürfen einer Person keine Nachteile erwachsen. Das Rahmenübereinkommen verpflichtet die Vertragsstaaten insbesondere zum Schutz derjenigen Freiheitsrechte, die für die Angehörigen nationaler Minderheiten von besonderer Bedeutung sind: Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit, Meinungsfreiheit sowie Gewissens- und Religionsfreiheit. Darüber hinaus verpflichtet das Abkommen zu umfangreichen Fördermaßnahmen im Bereich der Bildung, der Kultur, des Schulwesens und des gesellschaftlichen Lebens. Die Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen des Europarats knüpft an das unveräußerliche Recht der Menschen an, sich im privaten und öffentlichen Leben ihrer eigenen Regional- und Minderheitensprachen zu bedienen. Die Sprachencharta sieht Schutz- und Fördermaßnahmen zugunsten dieser Sprachen vor. Sie beziehen sich etwa auf das Bildungswesen, auf die Verwendung der Sprachen in Gerichtsverfahren, vor Verwaltungsbehörden, in Rundfunk und Presse, bei kulturellen Tätigkeiten und Einrichtungen sowie im wirtschaftlichen und sozialen Leben. Der in beiden Abkommen festgeschriebene Schutz wird durch Gesetze und Verwaltungshandeln auf Bundes- und auf Landesebene konkretisiert und umgesetzt. Eine besondere Bedeutung hat in diesem Zusammenhang die finanzielle Förderung der nationalen Minderheiten durch den Bund und die Länder. Alle vier nationalen Minderheiten in Deutschland erhalten von der Bundesregierung finanzielle Mittel zur Pflege ihrer Sprache und Kultur. Auch die Bundesländer, in denen die Minderheiten traditionell heimisch sind, tragen mit eigenen Finanzmitteln zur Förderung der nationalen Minderheiten bei. Die Regionalsprache Niederdeutsch wird ebenfalls vom Bund und den Ländern finanziell gefördert. Die Umsetzung des Rahmenübereinkommens und der Sprachencharta werden durch jährliche Implementierungskonferenzen begleitet, die im Bundesministerium des Innern stattfinden. Teilnehmer sind die mit dem Minderheitenschutz und den Minderheiten- und Regionalsprachen befassten Bundesministerien, die bei den Ländern federführend zuständigen Landesbehörden, Vertreter der Dachverbände der durch die beiden Abkommen geschützten Minderheiten bzw. Sprechergruppen und deren wissenschaftliche Institutionen sowie Vertreter des Europarates. Neben der finanziellen Förderung und weiteren Fördermaßnahmen nichtfinanzieller Art sind für die nationalen Minderheiten aber auch regelmäßige Kontakte zu Regierung und Parlament von großer Bedeutung. Eine besondere Rolle kommt hierbei dem Beauftragten der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten zu. Das Amt des Beauftragten der Bundesregierung für Aussiedlerfragen wurde 1988 eingerichtet und am Bundesministerium des Innern angesiedelt. 2002 wurde das Amt durch die Beauftragung für die nationalen Minderheiten ergänzt und die Titulatur entsprechend erweitert. Mit dem Beauftragten gibt es einen Ansprechpartner, der die Bundesregierung gegenüber den nationalen Minderheiten vertritt. Er vertritt aber auch die Interessen und Belange der nationalen Minderheiten und der niederdeutschen Sprachgruppe auf bundespolitischer Ebene und wirbt in der Öffentlichkeit für ihre Akzeptanz und Anerkennung, ist also Schaltstelle zwischen Bundesregierung, Parlament und Minderheitenverbänden. Der regelmäßige Austausch der nationalen Minderheiten mit Politik und Verwaltung ist, durch die beim Bundesministerium des Innern angesiedelten sogenannten Beratenden Ausschüsse institutionalisiert worden. Sie kommen in der Regel einmal jährlich zusammen. Ein solcher Beratender Ausschuss ist für jede der vier nationalen Minderheiten sowie für die niederdeutsche Sprachgruppe eingerichtet worden. In den Beratenden Ausschüssen sitzen jeweils Vertreter der Minderheitenverbände, der Bundesregierung und derjenigen Bundesländer, in denen die jeweilige Bevölkerungsgruppe traditionell heimisch ist. Außerdem nehmen regelmäßig Bundestagsabgeordnete aller Fraktionen an den Sitzungen teil. Die nationalen Minderheiten in Deutschland haben damit jeweils ein eigenes Forum, in dem sie ihre Belange gegenüber Vertretern von Regierung und Parlament vorbringen können und in dem gemeinsam Lösungen für ihre Anliegen erörtert und initiiert werden können. Im März 2015 konnten wir nach langen Beratungen endlich beim Bundesministerium des Innern den Beratenden Ausschuss für die deutschen Sinti und Roma einrichten. Dieses Gremium bietet die Gelegenheit zum unmittelbaren Austausch zwischen Vertretern der Sinti und Roma, Mitgliedern des Deutschen Bundestages sowie Vertretern der deutschen Bundesländer. Ich bin dem Bundesminister des Innern, Herrn Dr. Thomas de Maizière, sehr dankbar dafür, dass er die Konstituierung dieses Beratenden Ausschusses selbst vorgenommen und die erste Sitzung eingangs selbst geleitet hat. Mit dem Beratenden Ausschuss war auch ein Gremium geschaffen worden, durch das die Forderung nach der Einrichtung einer Expertenkommission für Antiziganismus durch den Deutschen Bundestag verstärkt in die öffentliche Debatte getragen werden konnte. Ich habe seit Beginn meiner Amtszeit als Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten im Januar 2014 stark für dieses berechtigte Anliegen geworben. Nach einem Fachgespräch der Koalitionsfraktionen im Februar 2017, einer diesbezüglichen Diskussion im Gesprächskreis Minderheiten des Innenausschusses des Deutschen Bundestages am 31. Mai 2017 sowie einem Berichterstatter Gespräch im Innenausschuss am 19. Juni 2017 fasste dessen Vorsitzender, Ansgar Heveling MdB, in einem Brief an den Vorsitzenden des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Herrn Romani Rose, das Ergebnis der Beratungen zusammen, wonach eine positive Beschlussfassung des Bundestages gleich zu Beginn der jetzt begonnenen Wahlperiode erfolgen soll. Dieses gilt es in der neuen Wahlperiode auch einzulösen! Die Verbesserung der rechtlichen Rahmenbedingung auf Bundesebene reicht aber nicht aus. Auf allen politischen Ebenen müssen noch große Anstrengungen unternommen werden, um verfestigte Vorurteile vollständig abzubauen und noch bestehende Diskriminierungen zu beseitigen. Ich begrüße es daher sehr, dass die Landesverfassung von Schleswig-Holstein unter seinen zu schützenden nationalen Minderheiten ausdrücklich auch die deutschen Sinti und Roma aufführt. Ebenso wichtig ist, dass die Landesregierungen von Rheinland-Pfalz, Bayern, Bremen, Baden-Württemberg und Hessen mit dem Zentralrat deutscher Sinti und Roma Staatsverträge abgeschlossen haben bzw. abschließen werden, ich würde mich sehr freuen, wenn dieses auch mit den übrigen Bundesländern gelänge. Die Dachverbände der vier nationalen Minderheiten in Deutschland haben sich darüber hinaus zusammen im Minderheitenrat organisiert. Der Minderheitenrat vertritt die gemeinsamen Interessen der vier nationalen Minderheiten in grundsätzlichen Angelegenheiten gegenüber der Bundesregierung und dem Deutschen Bundestag. Der Minderheitenrat wird bei seinen Aufgaben unterstützt durch ein Minderheitensekretariat mit Sitz in Berlin, das auch eine umfassende Öffentlichkeitsarbeit für die vier nationalen Minderheiten in Deutschland betreibt. Die nationalen Minderheiten in Deutschland haben sich auf diese Weise zu starken Selbstorganisationen entwickelt, die auch auf der politischen Ebene zu wichtigen Akteuren geworden sind. Sie genießen in Deutschland ein vergleichsweise hohes Ansehen und sind als Partner der politisch Verantwortlichen unverzichtbar. Die Achtung und die Förderung der nationalen Minderheiten in Deutschland sind sowohl für den Bund als auch für die Länder eine wichtige Aufgabe. Der Schutz der in Deutschland lebenden nationalen Minderheiten durch Förderung ihrer kulturellen und sprachlichen Identität trägt zur kulturellen Vielfalt Deutschlands bei. Kulturelle Vielfalt wiederum fördert Toleranz, welche unabdingbar für eine gelebte pluralistische Demokratie ist. Nicht nur für den innerstaatlichen Frieden, auch für die friedlichen Beziehungen zu anderen Staaten kann eine gute Minderheitenpolitik von erheblicher Bedeutung sein. Ein Blick in die Geschichtsbücher zeigt, dass unzählige Konflikte, Krisen und Kriege in Unterdrückung und Verfolgung von Minderheiten wurzeln. Viele nationale Minderheiten in Europa siedeln diesseits und jenseits von Staatsgrenzen. Die Unterdrückung einer Minderheit diesseits der Grenze führt häufig zu Irritationen im Nachbarstaat mit der Folge, dass die dort lebende Minderheit ebenfalls beeinträchtigt wird. Ein gutes Beispiel für eine gelungene grenzüberschreitende Friedenspolitik ist das Miteinander und die gelungene Integration der deutschen Minderheit im dänischen Nordschleswig und der dänischen Minderheit im deutschen Südschleswig. Es ist deshalb fast vergessen, dass die sogenannte „Schleswig-Holstein-Frage“ zwischen Deutschland und Dänemark noch im 19. Jahrhundert zu den schwierigsten Problemen der europäischen Politik gehörte. Eine erfolgreiche Minderheitenpolitik trägt dazu bei, dass nationale Minderheiten sich selbst als gleichberechtigten Teil der Gesellschaft sehen und von der Mehrheitsbevölkerung als selbstverständlicher Teil des Staatsvolkes wahrgenommen werden. Sie ist daher ein wichtiges Instrument, um den Zusammenhalt unserer Gesellschaft sicherzustellen. Eine solche Wahrnehmung der nationalen Minderheiten durch die Mehrheitsbevölkerung kann auch beispielgebend sein für die Akzeptanz der in jüngster Zeit nach Deutschland gekommenen schutzbedürftigen Flüchtlinge zusammengefasst bedeutet dies: gut integrierte Minderheiten bereichern das kulturelle und gesellschaftliche Leben, garantieren den demokratischen Frieden innerhalb des Landes und fördern die friedlichen Beziehungen zu den Nachbarstaaten. Dass das so bleibt und sich mit der geschilderten staatlichen Unterstützung positiv weiter entwickeln wird, setzt starke Selbstorganisationen bei den Minderheiten voraus, die diesen Weg gemeinschaftlich mitgehen wollen. Wenn wir zu Recht immer wieder betonen, dass Minderheitenschutz immer auch präventive Friedenspolitik ist, so verwundert es doch sehr, dass ausgerechnet im Gemeinschaftsrecht der Europäischen Union, dieses historisch einzigartigen Friedensprojekts, der Minderheitenschutz nur eine sehr geringe Rolle spielt. Um dem abzuhelfen, hat die Föderalistische Union Europäischer Nationalitäten (FUEN) gemeinsam mit der Demokratischen Allianz der Ungarn in Rumänien, der Südtiroler Volkspartei und der Jugend Europäischer Volksgruppen die Europäische Bürgerinitiative „Minority SafePack“ auf den Weg gebracht und gegen den Widerstand der früheren EUKommission auch durchgesetzt. Nun gilt es, die notwendige Million von Unterschriften zu sammeln. Ich möchte an Sie alle den Appell der Unterstützung dieser großartigen Initiative richten. Der Schutz und die Förderung der nationalen Minderheiten ist daher in Deutschland eine wichtige politische und gesellschaftliche Aufgabe, die auch in Zukunft nichts von ihrer Bedeutung verlieren darf. Es ist mir wirklich ein großes Anliegen, zum Abschluss dem Verein Deutscher Sinti Minden e.V. für die Einladung zu dieser Veranstaltung sowie für die Möglichkeit, zu Ihnen zu sprechen, ganz herzlich zu danken, stellvertretend für alle Mitstreiterinnen und Mitstreitern dem Vereinsvorsitzenden Herrn Oswald Marschall sowie den beiden stellvertretenden Vereinsvorsitzenden Frau Carmen Marschall-Strauss und Herrn Dr. Silvio Peritore. Ich nutze auch gerne die Anwesenheit des Vorsitzenden des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Herrn Romani Rose, mich bei ihm für die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit, die mich mit ihm und dem ganzen Zentralrat in den letzten vier Jahren verband, zu bedanken.
5.Oktober 2017

5. Oktober 2017 Workshop Förderschule Minden

5.Oktober 2017

5. Oktober 2017 Besuch von Prof. Guy Stern und Prof.Wolfgang Hempel im Verein Deutscher Sinti e.V. Minden

22. April 2017 Lesung Jacqueline Roussety ”Wenn das der Führer Sähe”

23. März 2017

23. März 2017 Kooperationsvereinbarung mit der Kurt-Tucholsky-Gesamtschule Minden und dem Verein Deutscher Sinti e.V. Minden unterzeichnet.

Verfasst von Dieter Stuke. Kooperationsvereinbarung zwischen der KTG und dem Bildungszentrum „Mer Ketne“ unterzeichnet Endlich ist es so weit. Nach fast einem Jahr erfolgreicher, inoffizieller Zusammenarbeit, unter anderem bei der Vorbereitung des Holocaust Gedenktages, haben wir mit Unterstützung durch die Bildungspartner NRW am 23.03.2017 eine Kooperation mit dem Bildungszentrum „Mer Ketne“ und dem Dokumentationszentrum Sinti und Roma in Heidelberg geschlossen. Ziel der Vereinbarung ist es, auch zukünftig mit Schülerinnen und Schülern in den Themenbereichen Verfolgung, Ausgrenzung, Integration, Menschen- und Bürgerrechte intensiv und exemplarisch die Geschichte der Sinti und Roma in Deutschland aufzuarbeiten. Die lokale Initiative von Oswald und Carmen Marschall, unterstützt durch den Vorsitzenden des Zentralrats der Sinti und Roma, Romani Rose, bereichert die Schule mit Informationen, lebhaften Diskussionen und historischen Material. Wir freuen uns über die zukünftige Zusammenarbeit, besonders im Interesse der Schülerinnen und Schüler.
5.März 2017

5.März 2017 Besuch von Prof. Dr. Julius Schoeps Moses-Mendelssohn-Zentrum Potsdam

v.l. Tanja Cummings Filmemacherin LINIE 41 Berlin, Nina Pape GCJZ Minden, Pfarrer Andreas Brügmann St.Simeonis Minden, Prof. Dr. Julius Schoeps Moses-Mendelssohn-Zentrum Potsdam, Wolfgang Battermann Alte Synagoge Petershagen, Oswald Marschall, Pfarrer Bernhard Speller u. Susanne Speller Minden, Prof. e.h. Wolfgang Hempel Fraenger Gesellschaft Potsdam.
29.10.2016

29.Oktober 2016 Eröffnung Bildungszentrum

Am Samstag, den 29. Oktober 2016 eröffnete das neue Bildungszentrum in Minden, ein Begegnungsort von Sinti und Roma sowie anderen interessierten Mindener/-innen. Oswald Marschall, Vorsitzender des Sinti Vereins Minden e.V., setzt sich seit vielen Jahren für die Anliegen von Sinti und Roma in Deutschland ein. Mit dem neuen Bildungszentrum unter seiner Leitung sollen Sinti und Roma vor Ort angesprochen, ihr Selbstbewusstsein gestärkt und die Mehrheitsgesellschaft, Politik und Behörden, für die Anliegen und Wünsche der deutschen Sinti und Roma sensibilisiert werden. Neben viel Prominenz wie Vize-Ministerpräsidentin des Landes Nordrhein-Westfalen, Sylvia Löhrmann und dem Vizepräsidenten der Evangelischen Kirche von Westfalen, Albert Henz, trafen sich rund 70 Gäste aus Politik, Verbänden, Stiftungen sowie Vertreter/-innen der Kirche, der jüdischen Gemeinde, Interessenvertreter/-innen deutscher Sinti und Roma und interessierte Mindener Bürger/-innen zur Auftaktveranstaltung des Bildungszentrums, um sich darüber auszutauschen, wie die Teilhabe von Sinti und Roma am gesellschaftlichen Leben gewährleistet werden kann. Mit welchen Herausforderungen im täglichen Leben sehen sich Sinti und Roma konfrontiert? Wie kann ein öffentlicher Dialog innerhalb einer Kommune aussehen und wie kann das Engagement von Sinti und Roma unterstützt werden?
25. Januar 2026

25. Januar 2026 Unser besonderer Dank gilt der Sparkasse Minden-Lübbecke für ihre großzügige finanzielle Unterstützung der Dauerausstellung „Der nationalsozialistische Völkermord an den Sinti und Roma“ Mit der Förderung leistet die Sparkasse Minden-Lübbecke einen wichtigen Beitrag zur Erinnerungsarbeit, kulturellen Bildung und zur Stärkung des gesellschaftlichen Dialogs.

Vorwort Im Jahr 1407 werden die deutschen Sinti erstmals schriftlich erwähnt. Doch eine erste Erwähnung ist kein Anfang. Sie ist lediglich der Moment, in dem jemand beginnt, aufzuschreiben, was längst da war. Unsere Geschichte beginnt nicht im Jahr 1407, sie beginnt davor.

Wie bei so vielen Menschen, die dieses Land geprägt haben, lebten wir hier, bevor man uns in Urkunden festhielt. Und dennoch stehen wir bis heute an einem Punkt, an dem ausgerechnet wir deutschen Sinti immer wieder als fremd, als exotisch, als nicht zugehörig bezeichnet werden. Das ist ein Widerspruch, der schmerzt – und der erklärt werden muss. Denn wenn man ehrlich fragt, wie weit viele sogenannte „biodeutsche“ Familien ihre eigene Geschichte kennen, endet das Wissen oft beim Urgroßvater. Und nicht selten beginnt die eigene Familiengeschichte in Deutschland erst im 18. oder 19. Jahrhundert. Das ist nichts Ehrenrühriges. Zuwanderung gehört zur Geschichte dieses Landes. Aber sie darf nicht dazu führen, dass ausgerechnet jene, die seit Jahrhunderten hier leben, zu Fremden erklärt werden. Wir deutschen Sinti leben seit über sechshundert Jahren – und sehr wahrscheinlich deutlich länger – in diesem Land. Wir waren hier, als Deutschland noch kein Nationalstaat war. Wir waren hier, als Grenzen sich verschoben, als Namen wechselten, als Systeme kamen und gingen. Und wir sind bis heute hier. Unsere Verbundenheit mit diesem Land war dabei nie schwach. Im Gegenteil: Viele unserer Familien waren tief verwurzelt, oft auf eine stille, unspektakuläre, aber beständige Weise. Wir waren diesem Land gegenüber loyal, oft patriotisch, auch dann, wenn es uns nicht gerecht wurde. Ein Ausdruck dieser Verbundenheit ist, dass wir bis heute alte deutsche Traditionen und Werte achten – Werte, die ihren Ursprung im Mittelalter haben: Respekt gegenüber älteren Menschen, Gastfreundschaft, Zusammenhalt der Familie, die Bedeutung von Wort und Ehre. Nicht als starres Regelwerk, sondern als Haltung. Als etwas, das man lebt. Diese Traditionen haben wir nicht bewahrt, um uns abzugrenzen. Wir haben sie bewahrt, weil sie uns getragen haben – durch Zeiten der Ausgrenzung, der Verfolgung und des Schweigens. Dieser Aufsatz ist kein Angriff. Er ist eine Einladung. Eine Einladung, Geschichte vollständig zu betrachten. Nicht nur aus der Perspektive der Archive, sondern auch aus der Perspektive derer, die sie gelebt haben. Ich spreche als deutscher Sinto. Als jemand, dessen Wissen über die eigene Geschichte über Generationen weitergegeben wurde. Und als jemand, der überzeugt ist, dass Verständigung nur dort möglich ist, wo man bereit ist, einander zuzuhören. Denn eines muss endlich ausgesprochen werden: Wir waren immer hier. Wir gehören zu diesem Land. Und wir waren nie Fremde. Ausgrenzung zu gemeinsamer Geschichte Oswald Marschall Minden, Oktober 2023 ⸻ Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde, liebe Angehörige der Sinti-Gemeinschaft, ich stehe heute hier als Sinto. Was ich Ihnen sagen möchte, ist nicht nur ein Stück Forschung, sondern auch ein Stück Leben, ein Stück unserer gemeinsamen Geschichte. Ich habe in den letzten zehn Jahren intensiv an diesem Thema gearbeitet, und ich bin nicht nur auf schriftliche Quellen angewiesen, sondern auch auf das, was ich von meinem Urgroßvater gelernt habe – und er wiederum von seinem Urgroßvater. Wir Sinti haben unsere Geschichte weitergegeben, als sie uns sonst niemand aufgeschrieben hat. Ich selbst bin damit eine Quelle. Was ich Ihnen heute darlegen möchte, ist eine These, die unsere Geschichte und vielleicht auch unser Selbstverständnis verändern kann: Die frühe und anhaltende Ausgrenzung der Sinti in Deutschland hatte ihren Ursprung nicht in einer mysteriösen „Fremdheit“, sondern in einer sehr deutschen Tradition – der Ächtung sogenannter „ehrloser Berufe“. ⸻ Ausgrenzung durch deutsche Traditionen Seit Jahrhunderten ist bekannt, dass es in Deutschland Berufe gab, die als „unehrlich“ galten: Scharfrichter, Totengräber, Abdecker, wandernde Musiker, Schausteller, Gaukler, Kesselflicker, Heiler, Bader, Hausierer und noch viele andere handwerkliche Berufe. Obwohl diese Tätigkeiten von Nöten waren, sind diese Menschen nicht geachtet worden. Sie durften nicht in die Zünfte, mussten außerhalb der Stadtmauern wohnen. Wenn sie einen Gastraum betreten durften, bekamen sie einen separaten Tisch an der Tür zugewiesen. Ihr Krug war an einer Schnur befestigt. In Kirchen wurden sie an die hintersten Plätze gesetzt und mussten teils sogar auffällige Kleidung tragen, damit man sie erkennen konnte. In manchen Orten mussten sie Glocken tragen, um andere zu warnen, dass man sich nicht berühren sollte. Das war damals keine Ausnahme, sondern Tradition – eine deutsche Tradition. Wir wissen aus den Quellen: 1407 werden Sinti erstmals in Hildesheim urkundlich erwähnt. Seit dem 15. Jahrhundert leben wir in deutschen Territorien. Anders als die Roma auf dem Balkan haben wir uns früh nach Mitteleuropa orientiert. Weil wir keinen Zugang zu Zünften hatten, weil wir mobil waren und weil wir Handwerker, Musiker, Kesselflicker und Schausteller waren, gerieten wir automatisch in die Gruppe derer, die als „unehrlich“ galten. Wir Sinti wurden also nicht ausgegrenzt, weil wir „fremd“ waren, sondern weil wir Berufe ausübten, die damals von der Mehrheitsgesellschaft ausgegrenzt wurden. Diese Ausgrenzung betraf jeden, der einen ehrlosen Beruf ausübte. Wenn Menschen außerhalb der Stadtmauern leben, eigene Wege finden müssen, um zu überleben, dann entstehen automatisch eigene Formen des Zusammenhalts. Das war unsere Antwort auf Ausschluss – keine Abkehr von der Gesellschaft, sondern ein Überlebensweg in ihr. Die Fremdheit, die man uns zuschrieb, war also ein Spiegel der damaligen Gesellschaft. Man erklärte uns zu Fremden, weil man uns durch eigene Gesetze und Traditionen ausgeschlossen hatte. Diese Tradition der Ausgrenzung verfestigte sich über Generationen. Wer einmal außerhalb stand, hatte kaum eine Chance, wieder aufgenommen zu werden. So entstand das Bild des „ewigen Außenseiters“ – ein Bild, das bis heute nachwirkt. ⸻ Deutsche Sinti – seit Jahrhunderten Teil dieses Landes Wir Sinti leben seit über 600 Jahren in Deutschland. Welche Kultur sollten wir haben, wenn nicht eine deutsche? Gerade deshalb ist es falsch, uns als Fremde darzustellen. Unsere Bräuche, unsere Lebensweise und viele unserer Werte sind nichts anderes als Überreste einer alten deutschen Alltagskultur. In unseren Familien wurden sie weitergegeben, während sie bei der Mehrheitsgesellschaft in Vergessenheit gerieten. Wir dürfen uns deshalb nicht dafür rechtfertigen müssen, dass wir noch Traditionen bewahren, die aus dem Mittelalter stammen. Diese Bräuche sind keine Zeichen von Rückständigkeit – sie sind Zeugnisse einer langen gemeinsamen Geschichte. Es wäre fatal, wenn man sie mit den starren oder religiös aufgeladenen Traditionen anderer Gesellschaften vergleicht. Deutsche Sinti hatten und haben seit Menschengedenken einen christlichen Glauben. Unsere Traditionen sind Ausdruck von Anpassung, Erinnerung und kultureller Stärke. Sie verbinden uns mit der Geschichte dieses Landes, nicht mit einer Weltanschauung der Abgrenzung. Oft wird übersehen, dass unsere sogenannten „alten“ Traditionen das sind, was einst allgemein deutsch war. Was wir bewahrt haben, ist ein Stück Vergangenheit, das in der übrigen Gesellschaft verloren ging. Manche mögen das als „anders“ empfinden – doch in Wahrheit sind diese Bräuche nur ein Echo gemeinsamer Wurzeln. Kulturelle Prägung und Unterschiede Oft wird gesagt, Sinti und Roma hätten eine gemeinsame Kultur oder Tradition. Das ist nur bedingt richtig. Wir teilen eine sehr frühe gemeinsame Herkunft, die weit zurück nach Indien reicht, doch unsere Wege haben sich bereits vor Jahrhunderten getrennt. Wir Sinti leben seit über sechshundert Jahren in Deutschland. Dieses Land hat uns kulturell geprägt, in unserer Sprache, unserer Musik, in unseren Werten und unserem Denken. Deutschland ist unsere Heimat, und unsere Kultur ist untrennbar mit ihr verbunden. Sie ist über Jahrhunderte gewachsen, beeinflusst von allem, was dieses Land ausmacht. Als unsere Vorfahren vor rund tausend Jahren Indien verließen, waren sie viele Jahrhunderte unterwegs. Auf dieser langen Wanderung begegneten sie anderen Völkern, Sprachen und Lebensweisen. Sicherlich haben sich damals auch Eindrücke anderer Kulturen in uns niedergeschlagen. Was davon bis heute geblieben ist, lässt sich kaum mit Sicherheit sagen. Doch die über sechshundert Jahre, die wir hier in Deutschland leben, haben uns zweifellos geprägt und geformt – kulturell, sprachlich und gesellschaftlich. Wenn ich ehrlich bin, halte ich der Mehrheitsgesellschaft manchmal einen Spiegel vor. Denn vieles, was heute als typisch Sinti bezeichnet oder gar als fremd empfunden wird, stammt in Wahrheit aus alten deutschen Traditionen. Wir Sinti haben viele dieser Werte, Bräuche und Formen des Zusammenlebens bewahrt – Dinge, die in der Mehrheitsgesellschaft von den meisten längst verloren oder vergessen sind. Respekt vor den Älteren, Zusammenhalt in den Familien, Gastfreundschaft, die Bedeutung von Ehre und Wort – all das sind Werte, die einst das deutsche Leben prägten. Heute gelten sie vielen als altmodisch oder fremd, doch für uns sind sie selbstverständlich geblieben. Und gerade weil wir sie weiterleben, werden wir manchmal als anders wahrgenommen, obwohl wir in Wahrheit nur das bewahren, was dieses Land ausgemacht hat. So werden aus alten deutschen Tugenden plötzlich Klischees über Sinti. Dabei sind es unsere gemeinsamen Wurzeln, Spuren einer Kultur, die uns alle verbindet. Vielleicht ist das der eigentliche Spiegel: dass wir Sinti manches, was Deutschland vergessen hat, noch immer in uns tragen. Wir pflegen die alten deutschen Traditionen aus vollem Herzen. Wenn wir über die sogenannten unehrlichen Berufe sprechen, dann ist es wichtig, etwas klarzustellen: Viele unserer Familien hatten ihre eigenen Formen von Arbeit, Stolz und Ehre, und sie hätten niemals bestimmte Tätigkeiten angenommen, die gegen ihr eigenes Ehrverständnis verstoßen hätten. Doch einige dieser Berufe wie Scherenschleifer, Kesselflicker, wandernde Musiker, Schausteller, Handelstreibende und noch andere handwerkliche Berufe waren für viele unserer Vorfahren schlicht überlebenswichtig. Einige Bräuche haben wir überdacht und angepasst, doch Respekt, Gastfreundschaft, Familienzusammenhalt und das Bewahren unserer Werte sind für uns selbstverständlich geblieben. Aber das Entscheidende ist ein anderes: Aus den Lebensbedingungen dieser Zeit entstanden Traditionen, die nichts mit den Berufen zu tun hatten, sondern mit Werten, die wir bis heute hochhalten. Werte, die nicht „sintisch“ im Sinne einer fremden Kultur sind, sondern alte deutsche Tugenden, die unsere Vorfahren weitertrugen, als sie im Übrigen in unserem Land schon fast verschwunden waren. Wir haben also nicht die „unehrlichen Berufe“ bewahrt. Wir haben die Traditionen der Menschen, die in dieser Zeit lebten, bewahrt. Und genau daran liegt ein Missverständnis unserer Zeit. Man sagt oft, Sinti seien „anders“. „exotisch“ oder „fremd“ Die Wahrheit ist: Wir leben bis heute Werte, die einst ganz gewöhnliche deutsche Werte waren. Wir bewahren etwas, was beide Seiten einmal geteilt haben. Und dass diese Traditionen bei einigen von uns noch fortbestehen, ist kein Grund für Ausgrenzung – sondern ein Grund zur Anerkennung. Über die Roma in anderen europäischen Ländern kann und will ich nicht im Einzelnen sprechen. Ich kann nur vermuten, dass auch sie von den Ländern, in denen sie seit Jahrhunderten leben, beeinflusst worden sind – so wie wir von unserem. Aber das liegt in ihrer eigenen Verantwortung, das zu beschreiben. Wenn sie es denn wollen. Wichtig ist mir eines: Wir Sinti sind keine Fremden in diesem Land. Wir sind Teil seiner Geschichte, seiner Kultur und seines gesellschaftlichen Lebens. Die Unterschiede zwischen uns und anderen Gruppen zu benennen, bedeutet keine Ausgrenzung – es ist ein Akt der Aufklärung und der Wahrhaftigkeit. ⸻ Erneuerung und Wandel Die Berufe unserer Vorfahren galten im Mittelalter als ehrlos und führten dazu, dass Sinti ausgegrenzt wurden. Doch aus diesen Tätigkeiten wuchsen Regeln und Traditionen, die unsere Gemeinschaft stärkten: Werte wie Ehre, Respekt, Gastfreundschaft und Zusammenhalt. Diese Traditionen tragen wir bis heute in uns, als lebendige Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Nicht alle Sinti richten sich heute noch nach den alten Traditionen. Über viele Jahrhunderte hielten wir daran fest – oft, weil wir abgesondert lebten und nicht bemerkten, dass sich die Gesellschaft veränderte. Doch in den letzten Jahrzehnten hat sich das gewandelt. Immer mehr Sinti haben erkannt, dass vieles, was sie für ihre eigene, abgeschlossene Tradition hielten, in Wahrheit Teil einer gemeinsamen deutschen Kultur war. So haben sich viele – so schwer es auch gefallen ist – entschlossen, manche dieser überkommenen, zum Teil unlogisch gewordenen Traditionen abzulegen. Das war kein Bruch mit der eigenen Identität, sondern eine Rückkehr in die gemeinsame kulturelle Wirklichkeit dieses Landes. Wir sind keine Rückständigen, sondern Bewahrer einer Vergangenheit, die wir jetzt mit neuem Bewusstsein leben. Es ist wichtig, dass niemand unsere Geschichte missbraucht, um uns in eine Ecke der „Anderen“ zu drängen. Wie gesagt, wir sind weder exotisch noch abgeschottet – wir sind ein deutscher Teil mit einer langen, unverwechselbaren Geschichte. ⸻ Sprache, Musik, Kultur – gemeinsame Schöpfung Unsere Kultur ist durch den Minderheitenschutz geschützt – und dazu gehört auch unsere Sprache, das Romnes, die bis heute lebendig ist. Sie ist Trägerin von Identität, Erinnerung und gemeinsamer Erfahrung. Ebenso haben wir zur deutschen und europäischen Kultur vieles beigetragen: Wir haben den Sinti-Jazz entscheidend mitgeprägt, indem wir musikalische Kompetenzen, Ausdrucksformen und Improvisationskulturen eingebracht haben. Man denke an Schnucke – Nack – Reinhardt – Quintett oder den berühmten Jazz-Gitarristen Django Reinhardt. Wir haben auch den Flamenco mitgestaltet – nicht als Alleinerfinder, sondern als Mitwirkende, die ihren Teil beigetragen haben. Komponisten wie Johannes Brahms, Franz Liszt und Joseph Haydn haben in ihren eigenen Aufzeichnungen festgehalten, dass sie von der Musik der Sinti und Roma inspiriert wurden. Die Musik der Sinti und Roma hat Spuren in der europäischen Klassik hinterlassen. Brahms, Haydn, Liszt und andere haben nicht nur zugehört, sie haben sich berühren lassen – und unsere musikalischen Ausdrucksformen in ihre Kompositionen aufgenommen und weitergetragen. Wir haben also nicht „genommen“, sondern mitentwickelt. Wir stehen nicht im Gegensatz zur deutschen Kultur – sie ist Teil von ihr. Wenn man genau hinhört, findet man in unserer Musik, in unserer Sprache und in unserer Lebensweise Spuren, die auch die deutsche Geschichte erzählen. ⸻ Ein Appell an beide Seiten An die Mehrheitsgesellschaft: Sehen Sie uns als Teil unseres Landes. Wenn Sie unsere Lieder hören, unsere Sprache, unsere Verhaltensweisen, dann erkennen Sie darin alte Verwandtschaften. Anerkennung beginnt mit Wissen. Lehren Sie unsere Geschichte in Schulen, integrieren Sie unsere Stimmen in Museen und Gedenkorte, hören Sie auf, uns permanent als „anders“ zu inszenieren. An unsere Gemeinschaft: Bewahrung und Anpassung sind kein Widerspruch. Unsere Sprache, unsere Musik, unsere mündlichen Überlieferungen sind wertvoll. Gleichzeitig dürfen wir nicht an Praktiken festhalten, die uns heute schaden oder uns von der Teilhabe abhalten. Der Weg ist nicht Aufgabe, sondern bewusste Auswahl: Was schützt unsere Identität und stärkt unsere Kinder? Was hält uns zurück? Diese Fragen müssen wir ehrlich beantworten — miteinander, nicht gegeneinander. ⸻ Ich weiß zu hundert Prozent, dass es so war. Ich habe es erlebt und von meinen Vorfahren gehört. Diese mündliche Überlieferung ist eine Quelle, die in der historischen Forschung viel zu wenig beachtet wird. Historiker meinen oft, mehr über uns zu wissen als wir selbst. Aber wir Sinti haben unsere Geschichte in unseren Familien bewahrt. Und ich stehe heute hier, um diese Geschichte zu teilen – für die Mehrheitsgesellschaft und für unsere eigene Gemeinschaft. Vielleicht können wir so beginnen, die Wogen zu glätten. Vielleicht können wir Sinti und Nicht-Sinti wieder zusammenführen, indem wir zeigen, dass wir eine gemeinsame Geschichte haben, eine gemeinsame Tradition, eine gemeinsame Kultur. Es ist Zeit, dass wir diese Geschichte erzählen – offen, belegt und in gegenseitigem Respekt. Schlusswort Ich habe diesen Aufsatz nicht geschrieben, um zu klagen. Und nicht, um anzuklagen. Ich habe ihn geschrieben, um etwas festzuhalten, das zu lange verdrängt wurde. Die Geschichte der deutschen Sinti ist keine Randgeschichte. Sie ist Teil der deutschen Geschichte selbst. Und sie beginnt nicht mit Verfolgung – sondern mit Zugehörigkeit, mit Arbeit, mit Kultur, mit Alltag. Was über Jahrhunderte geschehen ist, war keine Folge von Anderssein, sondern die Folge von Ausgrenzung. Keine freiwillige Absonderung, sondern ein Prozess, der Menschen an den Rand gedrängt hat – und ihnen später genau diesen Rand als Vorwurf gemacht hat. Wir deutschen Sinti haben gelernt, zu überleben, ohne bitter zu werden. Wir haben gelernt, zu bewahren, ohne uns zu verschließen. Und wir haben gelernt, mit diesem Land verbunden zu bleiben, auch dort, wo es uns verletzt hat. Ich habe diesen Text geschrieben, weil ich überzeugt bin: Versöhnung beginnt nicht mit Schuldzuweisungen, sondern mit Wahrheit. Und Wahrheit beginnt dort, wo man bereit ist, zuzuhören. Dieser Aufsatz ist mein Schritt auf die Mehrheitsgesellschaft zu. Ein offenes Wort. Ein ausgestreckter Arm. Ich erwarte keinen Applaus. Ich erwarte keinen Konsens. Ich erwarte nur eines: dass man uns endlich nicht mehr als Fremde betrachtet, sondern als das, was wir immer waren: Ein Teil dieses Landes. Ein Teil seiner Geschichte. Ein Teil seiner Gegenwart. Und ein Teil seiner Zukunft. Was aus diesen Worten folgt, liegt nun nicht mehr in meiner Hand. Oswald Marschall 17.2.2022

Über Sinti wird viel behauptet – selten wird zugehört. Die hier veröffentlichten Aufsätze machen sichtbar, was oft übergangen wird: unsere über 600-jährige Geschichte in Deutschland, unsere Verwurzelung und die Gründe, warum falsche Gleichsetzungen bis heute Schaden anrichten. Diese Texte sind ein Beitrag zur Aufklärung – aus eigener Erfahrung, aus eigener Geschichte.

Vorwort Seit vielen Jahren lese ich Texte, höre Vorträge und sehe Dokumentationen über „Sinti und Roma“, die fast ausschließlich von Menschen stammen, die nicht zu unserer Minderheit gehören. Oft habe ich dabei das Gefühl, dass sie glauben, mehr über uns zu wissen als wir selbst. Sie erklären unsere Geschichte, unsere Herkunft, unsere Kultur – und tun das mit einer Selbstsicherheit, die mich immer wieder erstaunt und auch verletzt. Viele dieser sogenannten Fachleute kommen zu uns in die Büros, in unsere Vereine oder sogar an unsere Küchentische. Sie stellen Fragen, hören zu, schreiben mit – und am Ende verwenden sie unser Wissen für ihre eigenen Arbeiten, ohne wirklich zu verstehen, was wir ihnen anvertrauen. Das, was sie nicht wissen oder nicht verstehen, füllen sie mit eigenen Vermutungen. Dann heißt es in ihren Texten: „Wir gehen davon aus, dass…“ – und genau so entstehen jene klischeehaften Bilder, die seit Generationen über uns weitergetragen werden. Ich habe beschlossen, das nicht länger hinzunehmen. Mein Name ist Oswald Marschall, ich bin 71 Jahre alt und weiß genau, woher mein Wissen stammt: Von meinem Urgroßvater, der es wiederum von seinem Urgroßvater überliefert bekam. Dieses Wissen wurde über Generationen weitergegeben – von Familie zu Familie, von Mund zu Ohr, von Herz zu Herz. Das ist unsere wahre Quelle, und ich glaube mit Überzeugung sagen zu dürfen: Es gibt keine authentischere Form der Überlieferung als diese. In den vergangenen Jahren habe ich deshalb selbst geforscht und verglichen was mir meine Vorfahren erzählt und aufgeschrieben haben, dadurch konnte ich vieles richtigstellen, was über uns verzerrt oder falsch dargestellt wurde. In mehr als dreißig Aufsätzen habe ich die Geschichte, die Kultur und die Lebenswirklichkeit der Sinti – und zum Teil auch der Roma – aus unserer eigenen Sicht beschrieben. Diese Texte sind nicht gegen jemanden gerichtet, sondern für Aufklärung, für Wahrheit und für Würde. Denn noch immer wissen viele Menschen aus der Mehrheitsgesellschaft nur sehr wenig über uns. Aber auch innerhalb unserer eigenen Reihen gibt es Wissenslücken über unsere Wurzeln, unsere Geschichte und die Unterschiede zwischen Sinti und Roma. Ich wünsche mir, dass diese Aufsätze dazu beitragen, das zu ändern. Ich schreibe nicht als Wissenschaftler, sondern als Zeitzeuge – als jemand, der unsere Geschichte lebt, nicht nur studiert. Ich bin Teil dessen, worüber ich berichte. Darum sind diese Texte keine theoretischen Abhandlungen, sondern Erinnerungen, Erfahrungen und Aufrufe zugleich. Ich habe über unsere Kultur und Traditionen geforscht, über unsere Sprache, über das, was uns verbindet – und auch über das, was uns unterscheidet. Dabei war mir besonders wichtig klarzustellen: Wir Sinti auch die alt eingesessenen Roma können nicht für das verantwortlich gemacht werden, was einige neuzugewanderte Roma in Deutschland tun, oder was ihnen zur Last gelegt wird. Immer wieder heißt es in den Medien „Sinti und Roma aus Südosteuropa“ – obwohl es dort keine Sinti gibt. Wir Sinti und auch die deutschen Roma, die seit vielen Generationen in diesem Land leben, wollen nicht mit einigen Roma gleichgestellt werden, die erst vor kurzer Zeit nach Deutschland kamen und hier durch Fehlverhalten auffallen. Diese und viele andere Missverständnisse will ich mit meinen Aufsätzen aufklären. Wir Sinti und auch die in Deutschland lebenden Roma dürfen nicht länger für das Verhalten Einzelner verurteilt werden. Jeder Mensch trägt seine eigene Verantwortung-und Straftaten oder Fehlverhalten sind immer persönliche Entscheidungen, keine Merkmale einer Kultur. Wenn Medien und Politik dennoch ganze Gruppen dafür verantwortlich machen, schüren sie bewusst Vorurteile und halten alte Feindbilder am Leben. Wer dennoch alle Sinti und Roma unter Generalverdacht stellt, macht sich der selben Denkweise schuldig, die schon einmal in unserem Land unsägliches Leid verursacht hat. Ich möchte, dass die Menschen verstehen, wer wir wirklich sind, woher wir kommen und warum wir – trotz allem, was uns im Laufe der Geschichte widerfahren ist – ein fester und unverzichtbarer Teil dieses Landes sind. Sinti und Roma in Deutschland: Sichtbarkeit, Geschichte und Verantwortung: Historische Hinweise auf die Aufspaltung: Es ist wichtig, eine Sache ruhig und sachlich zu benennen, weil sie bis heute oft missverstanden wird, oder Missverstanden werden will: Wenn wir Unterschiede zwischen Sinti und Roma erklären, geht es nicht um Abwertung, nicht um Distanzierung und nicht um gegenseitige Diskriminierung. Es geht einzig um historische Präzision. Die Quellenlage ist eindeutig: Schon vor mindestens 600 -700 Jahren haben sich die wanderden Gruppen aufgespalten und sind in völlig unterschiedlichen Regionen Europas gezogen. Aus dieser frühen Trennung sind Unvermeidlich verschiedene Sprachen, Lebensweisen und kulturelle Entwicklungen entstanden. Es wäre historisch schlicht falsch, daraus heute eine homogene Gesamtgruppe zu machen – diese Einheit existiert seit Jahrhunderten nicht mehr. Trotzdem werden Sinti und Roma in Politik, Medien und öffentlicher Debatte oft unter einem gemeinsamen Oberbegriff zusammengefasst. Und jedes Mal, wenn wir diese Tatsachen korrigieren, wird uns unterstellt, wir würden spalten oder gegeneinander sprechen. Doch das Gegenteil ist richtig: Die klare Benennung unterschiedliche Identitäten ist kein Ausdruck von Feindseligkeit – sie ist ein Schutz vor Feindseligkeit aus der Mehrheitsgesellschaft. Denn Pauschalisierungen entstehen immer dann, wenn man Unterschiede verschweigt. Aufklärung ist das Gegenteil von Diskriminierung. Ich spreche heute als deutscher Sinto. Als jemand, dessen Familie seit über 600 Jahren in diesem Land lebt. Als jemand, dessen Sprache, Kultur und Heimat Deutschland ist. Ich spreche heute in Verantwortung für viele Sinti in Deutschland, die diese Erfahrungen teilen – für Menschen, die seit Jahrhunderten Teil dieses Landes sind, oft ohne dass dies anerkannt wird. Auch habe ich mit Deutschen Roma über das Thema was ich heute deutlich machen will, gesprochen, wir waren uns einheitlich einig das es in der heutigen Zeit unausweichlich ist die Unterschiede zwischen Sinti und zugewanderten Roma in aller Deutlichkeit darzulegen. Es geht mir nicht darum, andere abzuwerten. Es geht darum, die Wirklichkeit sichtbar zu machen, damit wir nicht länger für Dinge verantwortlich gemacht werden, die nicht zu uns gehören. Unsere gemeinsame Wurzel – unser gemeinsames Schicksal Sinti und Roma stammen aus einer gemeinsamen Herkunft in Indien. Und im Nationalsozialismus haben beide Gruppen das gleiche Verbrechen erlebt: Entmenschlichung, Verfolgung, Deportation, Ermordung. Aber ein zentraler Unterschied prägt unser Verhältnis zu diesem Land bis heute: Wir Sinti wurden von unseren eigenen Landsleuten, verraten, schlussendlich ermordet. Von Nachbarn, Freunden, Vereins-Kameraden, Polizisten, Beamten – von Menschen, die wussten, wer wir waren. Das hat sich tief in unser kollektives Gedächtnis eingeschrieben und verpflichtet Deutschland uns gegenüber zu Schutz und Verantwortung. ——— Eins müssen wir uns bewusstmachen: „Zigeuner“ hat es als Eigenbezeichnung nie gegeben. Kein Mensch wird als Zigeuner geboren. Dieser Begriff ist ein reines Konstrukt der Mehrheitsgesellschaft, geschaffen, um sehr unterschiedliche Gruppen in ein einziges abwertendes Bild zu pressen. Unter dieser Fremdbezeichnung wurden nicht nur Sinti und Roma zusammengefasst, sondern auch Jenische, Schausteller, Hausierer und andere Menschen, die schlicht nicht in das Gesellschaftliche Schema passten. Dieses Konstrukt diente dazu, Minderheiten gleichzumachen, zu entmenschlichen und letztlich zu verfolgen. Und genau deshalb müssen wir Wachsam sein, wenn eine neue Sammelbezeichnung wie „Sinti und Roma“ heute in Negativen Kontexten benutzt wird. Auch diese Doppelbezeichnung ist keine gewachsene Eigenbezeichnung, sondern eine Politische Formel, die alt zu oft dazu führt, das völlig verschiedene Lebensrealitäten in einen Topf geworfen werden. Wer „Sinti und Roma“ nutzt, um Kriminalität, Armut oder Probleme pauschal zu adressieren, wiederholt im Kern dieselbe Logik, die schon hinter den Wort Zigeuner stand: Viele zu einer Masse zu machen, damit sich Verantwortung leichter zuschreiben lässt. ———– Wir sind Teil der deutschen Geschichte. Wir Sinti leben seit dem 15. Jahrhundert in Deutschland. Wir haben hier gearbeitet, Kinder großgezogen, Dinge geschaffen und gestaltet. Wir haben unsere Sprache bewahrt, unsere Erzähltraditionen, unsere Musik. Wir gehören zu dieser Gesellschaft – nicht seit gestern, sondern seit Jahrhunderten. Rechtliche Stellung und Zugehörigkeit Wir Sinti und die alt eingesessenen Roma sind als nationale Minderheit anerkannt – so wie die Sorben, Dänen und Friesen. Wir sind deutsche Staatsbürger. Wir benötigen keine Aufenthaltsgenehmigung und keinen Sonderstatus. Wir gehören zu diesem Land – in Geschichte, Recht und Kultur. Denn auch die alt eingesessenen Roma, die zwischen 1890 und 1910 nach Deutschland kamen, gehören seit Generationen zu diesem Land. Sie haben ihre eigene Geschichte, ihre eigene Würde, ihre eigene Identität. Sinti in Südosteuropa – Klarstellung Und es ist wichtig, eine Sache klarzustellen: Nach meinem Wissen gibt es keine Sinti in Südosteuropa. Wenn heute in Berichterstattungen über vermeintliche Probleme oder Fehlverhalten von Menschen aus dem Balkan oder aus Südosteuropa gesprochen wird, dann heißt es oft leichtfertig „Sinti und Roma aus Südosteuropa“. Das ist sachlich falsch und führt zu gefährlichen Missverständnissen. Allenfalls könnte es sein, dass in der langen Geschichte kleine Sinti-Familien oder Gruppen vereinzelt in einigen südosteuropäischen Ländern siedelten, möglicherweise Nachfahren jener, die während des Krieges dorthin geflüchtet sind und später nicht mehr zurückkehrten. Doch dies betrifft nur wenn, sehr wenige und ändert nichts daran, dass die große Mehrheit der Sinti seit Jahrhunderten in Deutschland lebt und Teil dieses Landes ist. Kriminalität oder Fehlverhalten Einzelner darf niemals einer gesamten Volksgruppe zugeschrieben werden. Jeder Mensch ist für sein eigenes Handeln verantwortlich. Wenn Einzelne Fehler machen oder gegen Gesetze verstoßen, darf das niemals auf eine ganze gruppe übertragen werden. Wir Sinti und auch die in Deutschland lebende Roma die seit weit mehr als hundert Jahren in Deutschland beheimatet sind, dürfen nicht länger für das Verhalten Einzelner verurteilt werden. Straftaten oder Fehlverhalten sind immer Persönliche Entscheidungen, keine Merkmale einer Kultur. Doch manchmal habe ich das Gefühl, das diese Gleichsetzung sogar gewollt ist. Es wirkt, als wolle man die deutschen Sinti bewusst mit einbeziehen, um uns –trotz unserer über sechshundertjährigen Geschichte in diesem Land-weiterhin als Fremde erscheinen zu lassen. Auf dieser Weise bleibt das alte Bild bestehen, wir seien „die Anderen“ und genau darin liegt die eigentliche Ungerechtigkeit. Nach allem, was unsere Minderheit in der Geschichte erlitten hat, sollte es selbstverständlich sein, dass niemand kollektiv für das Verhalten anderer haftet. Verantwortung ist immer individuell – niemals Kollektiv. Kein Volk, keine Minderheit und keine Gemeinschaft darf für die Fehler Einzelner verurteilt werden. Wer das dennoch tut, hält Vorurteile am Leben und macht sich derselben Denkweise schuldig, die schon einmal in unserem Land unsägliches Leid verursacht hat. Identität ist würdevoll und klar. Und deshalb ist es wichtig zu betonen: Sinti nennen sich nicht Roma, und Roma nennen sich nicht Sinti. Nicht aus Ablehnung – sondern aus Stolz und Wahrheit. Unsere Vorfahren sind als Sinti gestorben. Die Vorfahren der Roma sind als Roma gestorben. Identität ist kein wechselbares Etikett. Sie ist Erinnerung, Geschichte, Verantwortung, Würde. Verantwortung füreinander Gerade weil wir Sinti und alt eingesessene Roma wissen, wie schwer es ist, in diesem Land Anerkennung und Vertrauen zu gewinnen, tragen wir auch Verantwortung füreinander. Alt eingesessene, integrierte Roma sollten dazu beitragen, neu zugewanderten Roma aus Südosteuropa und vom Balkan Orientierung und Unterstützung zu geben – nicht aus Überlegenheit, sondern aus gegenseitiger Solidarität. Alt eingesessene und integrierte Roma, die seit Generationen hier leben, teilen viele Herausforderungen mit uns Sinti. Wenn Roma-Organisationen in Deutschland ihre neu zugewanderten Familien unterstützen, können sie bei Bedarf auf die Erfahrung und Beratung von Sinti-Organisationen zurückgreifen. Dabei handelt es sich um ein freiwilliges Angebot zur Zusammenarbeit, das die Eigenständigkeit der jeweiligen Organisationen wahrt und gleichzeitig sicherstellt, dass Unterstützung kompetent und effizient erfolgt. Diese Hilfe ist wichtig – bei der Wohnungssuche, im Kontakt mit Behörden, in Schulen und Kindergärten, bei all den alltäglichen Hürden. Denn wer sich schneller zurechtfindet, wer Unterstützung bekommt, kann sich auch schneller entfalten. Wenn wir uns gegenseitig stärken, nehmen wir Populisten und Hetzern den Boden unter den Füßen. Denn dann kann niemand mehr behaupten, die gesamte Minderheit würde ein einziges Problem darstellen. Die Fehler und Vergehen Einzelner dürfen niemals einer ganzen Minderheit zugeschrieben werden. Das ist keine Spaltung, das ist Selbstverantwortung, Zusammenhalt und Reife – ein Zeichen von Stärke, nicht von Distanz. Verantwortung des Staates Doch diese gegenseitige Unterstützung darf niemals die Verantwortung von Politik und Gesellschaft ersetzen. Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma hat in den letzten Jahrzehnten bewiesen, dass er nicht nur die Interessen der deutschen Sinti und der alt eingesessenen Roma verlässlich vertritt, sondern auch eine unverzichtbare Brückenfunktion zwischen Deutschland und den Südosteuropäischen Herkunftsgesellschaften neu Zugewanderten Roma einnimmt. Jahr für Jahr sucht die Leitung des Zentralrats den Direkten Dialog mit Regierungen in Südosteuropa, um menschenwürdige Lebensbedingungen vor Ort einzufordern, Fluchtursachen zu verringern und Perspektiven zu stärken-ein Einsatz, der Maßgeblich im deutschen Interesse liegt. Denn wer den Menschen hilft, ihre Heimat nicht verlassen zu müssen, leiste auch einen Konkreten Beitrag zur Stabilität hier im Land. Gleichzeitig hat der Zentralrat in Deutschland selbst über Jahrzehnte entscheidende Fortschritte für Minderheitenschutz und Gleichbehandlung erreicht: Unter anderen: Das Abkommen mit dem Bundeskriminalamt. Das BKA erkennt die besondere Geschichte der Sinti und Roma an, einschließlich der Verfolgung durch staatliche Stellen. Das BKA und Zentralrat verpflichten sich, gemeinsam gegen Diskriminierung und Antiziganismus vorzugehen. Die wegweisenden Vereinbarungen mit der Kirche; Aufarbeitung der NS Vergangenheit der Kirche die durch das Engagement des Zentralrats vorangetrieben wurde, die Erfolgreiche melde und Informationsstelle gegen Antiziganismus MIA, hat der Zentralrat gefordert und durchgesetzt. Auch hat der Zentralrat die Unterstützung bei der Einrichtung der GFA an der Universität Heidelberg veranlasst, die heute zentrale wissenschaftliche Arbeit gegen Antiziganismus leistet und viele weitere Initiativen, der Staat und Gesellschaft in die Lage versetzen, Diskriminierung zu erkennen, abzubauen und zu verhindern. Ein Staatsvertrag ist daher nicht nur eine Frage der Anerkennung. Er ist eine Notwendigkeit für den Staat selbst. Gerade weil der Zentralrat seine Arbeit seit Jahrzehnten verlässlich leistet- und weil er sowohl die Bedürfnisse der Deutschen Minderheit als auch die realen sozialen Notlagen neu zugewanderter Roma kennt- ist ein Staatsvertrag kein Privileg, sondern Notwendigkeit. Er schafft Planungssicherheit, verlässliche Strukturen und die Möglichkeit, Staatliche Verantwortung gemeinsam professionell wahrzunehmen. Es war kein Zufall, das Bundeskanzlerin Merkel und Bundesinnenminister Seehofer, die Dringlichkeit eines Staatsvertrags bereits gesehen haben. Dass sie ihre Ämter in der entscheidenden Phase Niederlegten, darf nicht dazu führen, dass eine längst überfällige Entscheidung weiter aufgeschoben wird. Der Staat selbst profitiert davon, wenn er eine Institution stärkt, die seit Jahrzehnten zuverlässig, glaubwürdig und mit internationaler Wirkung für Recht, Aufklärung und Stabilität sorgt. Es ist Aufgabe des Staates, sowohl die Sinti als auch die alt eingesessenen Roma durch den garantierten Minderheitenschutz zu schützen, gleiche Rechte zu sichern und für gerechte Chancen zu sorgen. Wir übernehmen Verantwortung, ja – aber wir entbinden niemanden von seiner Pflicht. Unsere Solidarität darf nicht dazu führen, dass sich Politik und Behörden aus der Verantwortung stehlen. Im Gegenteil: Wenn wir uns engagieren, dann um zu zeigen, dass wir Partner auf Augenhöhe sind –nicht um uns selbst zu isolieren, sondern um mitzugestalten und einzufordern, was uns rechtlich zusteht. Wenn Bürgerinnen und Bürger aus Bulgarien und Rumänien oder anderen Südosteuropäischen EU-Staaten nach Deutschland kommen, trägt der Staat selbst die Verantwortung für die Regelung, Begleitung und Kontrolle dieser Migration. Es ist Aufgabe der staatlichen stellen, zwischen ordnungsmäßiger Freizügigkeit, sozialer Integration und möglichen Fehlverhalten klar zu unterscheiden. Diese Verantwortung kann nicht auf die Nationale Minderheit wie die Deutschen Sinti – ebenso wenig auf hier verwurzelte Roma –Gemeinschaften-übertragen werden. Wer nach Deutschland einreisen darf, unter welchen Voraussetzungen und mit welchen Folgen, ist eine Staatliche Entscheidung. Deshalb dürfen Deutsche Sinti und alteingesessene Roma nicht für Herausforderungen verantwortlich gemacht werden, die aus staatlich geregelter Migration entstehen. Minderheiten tragen keine Mitverantwortung für staatliche Migrationspolitik – sie haben lediglich das Recht, das ihr eigener Minderheitenschutz respektiert und nicht durch pauschale Zuschreibungen unterlaufen wird. Eines will ich unmissverständlich sagen-nicht nur als Sprecher, sondern als Mensch, der Teil dieser Geschichte ist: Wir Sinti-ebenso wie die alt eingesessene Roma –lassen uns nicht länger in Begriffe pressen, die andere über uns gestülpt haben. Wir sind keine Fremden. Wir Sinti sind seit über 600 Jahren Teil dieses Landes. Wir haben Traditionen bewahrt, die aus diesem Land stammen, Werte verteidigt, die andere längst abgelegt haben, und wir haben dafür einen hohen Preis gezahlt – nicht durch eigenes Verschulden, sondern durch Traditionen, Vorstellungen und Zuschreibungen, die uns von außen auferlegt wurden. Darum sage ich es klar und ohne Umwege: Es ist höchste Zeit, dass Politik, Medien und Gesellschaft aufhören, uns in pauschale Kategorien zu schieben-als wäre „Sinti und Roma“ ein Sammelbegriff für jedes gesellschaftliche Problem, das irgendwo entsteht, unabhängig davon, wer überhaupt beteiligt ist. Diese Gleichsetzung ignoriert die Realität, aber sie trifft uns. Und gerade deshalb müssen wir sie benennen. Wir Sinti – und ebenso die alt eingesessenen Roma – stehen zu unserer Verantwortung, zu unserer Geschichte. Aber wir werden nicht zulassen, dass man uns unsere Identität nimmt, indem man uns verwischt. Wir sind zwei Gruppen, zwei Identitäten – und beide verdienen Respekt. Wer uns verstehen will, muss endlich beginnen zu unterscheiden. Wer Verantwortung trägt, muss beginnen zu schützen. Und wer Respekt fordert, muss ihn selbst gewähren. Denn wir sind hier. Wir gehören hierher. Und unsere Geschichte verdient es, endlich die Wahrheit erzählt zu werden- nicht in Zuschreibungen anderer, sondern in unserer eigenen Stimme. Warum ich heute so klar spreche Heute erleben wir, dass Medien, Politik und Teile der Gesellschaft, Sinti, alt eingesessene Roma, integrierte Familien und neu zugewanderte Gruppen in einem Atemzug nennen, sobald Probleme diskutiert werden. Wenn ich von unterschiedlichen Gruppen spreche, geht es mir nicht um Abgrenzung, sondern um Klarheit. Es gibt Menschen, die aus Wirtschaftlicher Not oder ohne Perspektive nach Deutschland kommen-manche geraten dabei leider auch in Situationen, die mit Gesetzen in Konflikt stehen. Doch das Verhalten Einzelner darf niemals auf alle Roma oder gar auf uns Sinti übertragen werden. Es geht nicht darum, jemanden zu verurteilen, sondern darum, das die Gesellschaft aufhört, alles in einem Topf zu werfen. Es ist kein Zufall, dass Medien bei Gewalttaten, Bettelaktionen oder Konflikten im öffentlichen Raum immer wieder von „Sinti und Roma“ sprechen-obwohl sie ganz genau wissen, dass es sich um zwei verschiedene Gruppen handelt. Diese Gleichsetzung ist kein Irrtum, sie ist Strategie. Sie sorgt dafür, dass die Mehrheitsgesellschaft uns Deutschen Sinti automatisch als Teil des Problems wahrnimmt. So wird unterschwellig vermittelt, das auch wir potenzielle Täter oder Störenfriede seien-und genau das ist der Kern Moderner Hetze: Die bewusste Auflösung von Unterschieden, um alte Vorurteile neu zu beleben. Sobald in den Nachrichten von Problemen die Rede ist, greift man wie selbstverständlich zum Wort Roma. Dabei kennt niemand ihre Identität man weiß nur, dass sie aus Bulgarien, Rumänien oder Ungarn stammen. Doch statt sie als Bürger ihrer Länder zu benennen, etikettiert man sie pauschal, diese Zuschreibung ist nicht Information, sie ist ein Werkzeug, um Schuld zu verteilen und Vorurteile zu schüren.“ Es ist kein Zufall, dass Fehlverhalten einzelner Roma, die nicht aus Deutschland stammen, oft pauschal der gesamten Minderheit zugeschrieben wird – inklusive uns deutschen Sinti. Deutsche Medien und Teile der Politik nutzen dieses Vorgehen bewusst: Sie wollen uns Sinti in denselben Topf wie die neu zugewanderten Roma werfen, um uns als Fremde oder sogar als potenziell kriminell darzustellen. Dadurch wird es für uns deutsche Sinti besonders schwer, die Mitte der Gesellschaft zu erreichen. Wir werden gewissermaßen gezielt marginalisiert, indem unsere jahrhundertealte Zugehörigkeit und unser Beitrag zum Land unsichtbar gemacht werden. Dieses bewusste Zusammenwerfen in einen einzigen „Sack“ ist Teil einer Strategie, die Sinti als „die Anderen“ erscheinen lässt – obwohl wir seit Jahrhunderten hier zu Hause sind. Mein Wunsch ist nicht, Gräben zu vertiefen, sondern Brücken zu bauen-auf einem Fundament aus Wahrheit. Nur wenn Unterschiede benannt werden dürfen, können wir uns auch wirklich begegnen –mit Respekt, ohne falsche Zuschreibungen und ohne Angst, wer wir sind. Ich spreche heute nicht nur als Vertreter unserer Minderheit, sondern als Nachfahre von Menschen, die trotz allem, was ihnen im Nationalsozialismus angetan wurde, dieses Land nie verlassen haben. Sie blieben, weil sie eine tiefe Bindung zur ihrer Heimat hatten. Diese Tiefe Bindung zu unserer Heimat ist auch meine, und gerade deshalb spreche ich heute so klar: Weil ich will, dass Wahrheit und Gerechtigkeit auch für uns gelten. Ich spreche heute, damit unsere Geschichte nicht verwischt. Damit unsere Identität nicht verdünnt wird. Damit unsere Zugehörigkeit nicht geleugnet wird. Am Ende möchte ich etwas betonnen, das oft überhört wird: Wir Sinti wie auch die Alt eingesessenen Roma kennen unsere eigene Geschichte, unsere Wurzeln und unsere Identität besser als jeder Außenstehender. Viele sprechen über uns, wenige sprechen mit uns. Und allzu oft entstehen daraus Bilder, Zuschreibungen und sogenannte „Wahrheiten“, die nie aus unserer eigenen Stimmen stammen. Darum ist mir diese Klarstellung so wichtig: Sinti und Roma ist kein einziges Wort und keine Homogene Gruppe. Wir sind zwei Historisch gewachsene Gemeinschaften mit eigenen Traditionen, eigenen Erfahrungen und es ist Zeit, dass das endlich Respektiert und verstanden wird. Mein Ziel ist nicht Mauern zu bauen, sondern falsche Bilder abzubauen. Nicht zu trennen, sondern zu schützen, uns alle, die im diesem Land leben und immer wieder pauschal in einen Topf geworfen werden. Wer Minderheiten stärken will, muss sie erstmal korrekt benennen. Wer Respekt fordert, muss Vielfalt aushalten. Und wer über Sinti und über Roma spricht, soll wissen: Wir haben vieles gemeinsam an Schicksal aber nicht dieselbe Geschichte, nicht dieselben Wege und nicht dieselben Herausforderungen. Am Ende geht es um etwas ganz Einfaches: Verantwortung gehört dorthin, wo sie hingehört-zu denen, die entscheiden, nicht zu denen, die seit Jahrhunderten hier Leben. Unsere Geschichte, unsere Kultur und unsere Identität sind kein Politisches Spielfeld. Wir Sinti und alt eingesessene Roma stehen zu unserer Heimat deutschland-und wir erwarten, dass dieses Land ebenso zu uns steht. Schlusswort: Der Staatsvertrag – Verantwortung, die nicht länger aufgeschoben werden darf Ich habe diesen Aufsatz geschrieben, um Klarheit zu schaffen. Doch Klarheit ohne Politische Konsequenten schützt niemanden. Deshalb möchte ich zum Schluss über den Staatsvertrag sprechen – nicht nur im Interesse der Sinti und Roma, sondern im Interesse des Staates selbst. Den längst überfälligen Staatsvertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Zentralrat Deutscher Sinti und Roma. Dieser Staatsvertrag ist nicht nur in Interesse unserer Minderheit – er liegt ebenso im grundlegenden Interesse des Deutschen Staates selbst. Der Zentralrat hat in den Vergangenen Jahrzehnten unter der Leitung von Romani Rose, der seit rund 50 Jahre an seiner Spitze steht, bewiesen, dass er Verantwortung trägt-national wie international. Unter seiner Leitung wurden Brücken gebaut: zwischen Minderheit und Mehrheitsgesellschaft, zwischen Deutschland und Südosteuropäischen Staaten, zwischen Erinnerung und Gegenwart. Jahr für Jahr reist der Vorsitzende des Zentralrats in Länder Südosteuropas, führt Gespräche mit Regierungen, mahnt menschenwürdige Lebensbedingungen für Roma an, damit Flucht und Migration nicht die einzige Perspektive bleiben. Diese Arbeit entlastet nicht nur Deutschland sie Stabilisiert Europa. Auch im Inland hat der Zentralrat mit seinen Landesverbänden Maßstäbe gesetzt. Der Zentralrat hat Vereinbarungen mit dem Bundeskriminalamt auf dem Weg gebracht, um Antiziganismus in Staatlichen Strukturen zu bekämpfen. Er hat Dialoge mit den Kirchen initiiert, Erinnerung aufgearbeitet, Verantwortung eingefordert. Mit der Melde und Informationsstelle Antiziganismus (MIA) wurde ein Instrument geschaffen, das Diskriminierung sichtbar macht, wo sie zuvor verdrängt wurde. Wissenschaftliche Initiativen wie die GFA an der Universität Heidelberg wurden unterstützt, Bildungs-und Dokumentationsarbeit nachhaltig verankert. Das ist alles keine Symbolpolitik – das ist konkrete staatstragende Arbeit. Und dennoch wird dem Zentralrat seit 2018 ein Staatsvertrag verweigert. Dabei wurde die Dringlichkeit längst erkannt. Sowohl Bundeskanzlerin Angela Merkel als auch Bundesinnenminister Horst Seehofer hatten die Notwendigkeit eines Staatsvertrags gesehen und anerkannt. Kurz vor ihrem Ausscheiden aus den Ämtern lag diese Einsicht auf dem Tisch. Danach aber wurde das Thema vertagt –nicht gelöst. Verantwortung wurde weitergereicht, statt übernommen. Ein Staatsvertrag wäre kein Privileg. Es wäre die logische Konsequenz aus Jahrzehnter langer Arbeit, aus historischer Verantwortung und aus Politischer Vernunft. Es würde dem Zentralrat die institutionelle Sicherheit geben, die nötig ist, um langfristig zu planen, international zu handeln und im Innern Wirksam zu bleiben. Gleichzeitig würde er den Staat Verlässlichkeit geben: klare Zuständigkeiten, stabile Strukturen, echte Partnerschaft statt bloßer Projektförderung. Gerade in einer Zeit, in der gesellschaftliche Spannungen zunehmen, Populismus wächst und Minderheiten erneut unter Generalverdacht geraten, braucht es starke, legimitierte Institutionen. Der Zentralrat ist eine solche Institution. Ihn nicht dauerhaft abzusichern, schwächt nicht nur Sinti und Roma –es schwächt den demokratischen Rechtsstaat selbst. Dieser Staatsvertrag ist deshalb nicht nur gerecht. Er ist Notwendig. Er ist überfällig. Und er ist Prüfstein dafür, wie ernst es Deutschland mit Verantwortung, Erinnerung und Zukunft meint. Nach allem, was Sinti, Roma und andere Opfergruppen im Nationalsozialismus erlitten haben-und nach allem, was ihnen auch nach 1945 verwehrt blieb- ist ein Staatsvertrag kein Akt des Wohlwollens, sondern ein Akt der historischen Konsequenz. Ein Staat, der Minderheiten schützt, schützt letztlich sich selbst. Ich danke ihnen, dass sie zugehört haben und dass sie bereit sind, zwischen Klischee und Wirklichkeit zu unterscheiden. Oswald Marschall 01.5 2026

19. Dezember 2025 Gedenkstunde im Bundesrat

12. Dezember 2025 „Selbstverständlich Demokratie?”

2. Dezember 2025

Workshop mit Schülerinnen und Schüler der Kurt-Tucholsky-Gesamtschule Minden Projekt: Gemeinsam gegen Antiziganismus. Gefördert von der Bundeszentrale für politische Bildung

5. Oktober 2025 im Rahmen der Interkulturellen Wochen Sinti-Jazz-Musikveranstaltung

9. November 2025 Im Rahmen der Verleihung des Elisabeth-Weinberg-Preises 2024

Verabschiedung und Ehrung des ehemaligen langjährigen Vorsitzenden Thomas Gatter, der 40 Jahre lang die Geschichte des Arbeitskreises Gedenken der Stadt Nienburg/Weser geleitet hat und auf den viele Initiativen in der Erinnerungsarbeit zurückgehen.

9. November 2025 Gedenken an den 9. November 1938 – Mahnung für die Gegenwart in Nienburg/Weser

Presse-Mitteilung Arbeitskreis Gedenken der Stadt Nienburg/Weser. Als am 9. November 1938 die Nienburger Synagoge am Schloßplatz zerstört wurde, konnte sich noch kaum jemand vorstellen, dass nur ein paar Jahre später das Leben von sechs Millionen Jüdinnen und Juden ausgelöscht und damit die jüdische Kultur in ganz Europa nahezu ausgerottet sein würde. Viele Bürgerinnen und Bürger der Stadt haben das Novemberpogrom sicherlich ungeheuerlich gefunden, viele haben es aber ausdrücklich begrüßt – und den allermeisten wird es schlichtweg gleichgültig gewesen sein. Das Gedenken wird in diesem Jahr beherrscht werden durch Vergleiche der Gewalteskalation in den 30er Jahren seit der Machtergreifung der Nationalsozialisten und der zunehmenden Entwicklung von Hass und Gewaltandrohungen gegen Minderheiten und Andersdenkende heute, vor allem durch rechte Gruppierungen und Influencer in den Sozialen Netzwerken. Andacht durch Pfarrer Andreas Körner der katholischen Gemeinde.

28. August 2025 Besuch Kommunalarchiv Stadt Minden

Jugendliche besuchen das Kommunalarchiv der Stadt Minden. Projekt: Gemeinsam gegen Antiziganismus. Gefördert von der Bundeszentrale für politische Bildung.

24. Juni 2025 Stadtrundgang

Jugendliche auf Spurensuche an historischen Punkten der Stadt Minden aus der NS-Zeit. Projekt: Gemeinsam gegen Antiziganismus. Gefördert von der Bundeszentrale für politische Bildung.

28. August 2025 Sportausstellung Weserstadion Bremen

7. Mai 2025 Sportausstelllung in Hannover

30. April 2025 Sportausstellung in Bielefeld

14. Dezember 2024 – Abschlussveranstaltung ”Mer Ketne- Wir zusammen!”

Liebe Gäste, liebe Freunde! Heute stehen wir an einem Punkt: Wir blicken zurück auf eine intensive, lehrreiche und erfolgreiche Zeit- Zeit unseres Projekts, das wir nun gemeinsam abschließen. Was vor 2021 als Idee, als Konzept auf dem Papier begann, hat sich durch das Engagement, die Kreativität und den Einsatz vieler Beteiligter zu einem greifbaren Ergebnis entwickelt. Wir möchten uns an dieser Stelle bei allen bedanken, die diesen Weg möglich gemacht haben: bei den Projektpartnern, den Förderern, den beteiligten Organisationen und natürlich bei allen, die direkt am Projekt gearbeitet haben insbesondere bei unseren Sinti und Roma jugendlichen. Ein Projekt ist immer mehr als die Summe seiner Aufgaben. Es lebt von Menschen, die es tragen- von ihrer Motivation, ihren Ideen, ihren Mut, auch einmal neue Wege zugehen. Genau das haben wir erlebt: Zusammenarbeit auf Augenhöhe, gegenseitige Unterstützung und den Willen, gemeinsam etwas zu bewegen. Wir wünschen uns allen, dass wir diesen Geist der Zusammenarbeit, des Lernens und der Innovation mitnehmen in zukünftige Projekte und Aufgaben. Möge dieser Abschluss gleichzeitig ein Auftakt sein- für Neues, für Weiterentwicklung, für nachhaltigen Erfolg. Wir danken Ihnen allen von Herzen für Ihre Beiträge, Ihr Vertrauen und Ihre Begeisterung. Lassen Sie uns heute feiern, auf das Erreichte anstoßen- und gespannt bleiben auf das, was vor uns liegt. Vielen Dank! Oswald Marschall & Team Mer Ketne- Wir zusammen!
7. Dezember 2024

7. Dezember 2024 18 Uhr Selma Merbaum ”Ich habe keine Zeit gehabt zuende zu Schreiben” Vortrag und Lesung mit Marion Tauschwitz

Die junge jüdische Lyrikerin Selma Merbaum starb 1942 mit 18 Jahren in dem deutschen Zwangsarbeitslager Michailowka in der heutigen Ukraine. Nur 57 handschriftlich niedergeschriebene Gedichte umfasst ihr schmales Werk »Blütenlese«, das auf abenteuerliche Weise überlebt hat und auf der letzten Seite mit dem Satz abschließt: »Ich habe keine Zeit gehabt zuende zu schreiben …« In jahrelanger Forschung hat Marion Tauschwitz Daten, Ereignisse und Fakten zum Leben der jungen Künstlerin zusammengetragen, Archivmaterial aus der Ukraine, aus England, den USA und Deutschland ausgewertet, Dokumente geborgen, Zeitzeugen ausfindig gemacht und die faszinierende, gleichermaßen einfühlsame wie wissenschaftlich fundierte Biografie verfasst. Der zweite Teil des Buches umfasst sämtliche Gedichte der jüdischen Lyrikerin, die Marion Tauschwitz nach den Originalhandschriften neu übertragen hat. Gleich nach seinem Erscheinen machte das Werk Furore und entfaltete ungeahnte Wirkung: Zeitzeugen aus aller Welt lieferten ergänzende Erinnerungen an Selma Merbaum. Mit neuen Dokumenten, einer neuen Einleitung sowie drei bisher unbekannten Fotos und einer Zeittafel erweitert Tauschwitz in dieser Neuausgabe ihrer Biografie das bisherige Bild der großen Lyrikerin. Marion Tauschwitz lebt und arbeitet in Heidelberg, wo sie ihr Germanistik- und Anglistikstudium an der Ruprecht-Karls-Universität abschloss. Vor ihrer Schriftsteller-Tätigkeit arbeitete sie als Gymnasiallehrerin und Dozentin. Sie war engste Vertraute und Mitarbeiterin der Lyrikerin Hilde Domin, deren viel beachtete Biografie »Hilde Domin. Dass ich sein kann, wie ich bin« sie zu deren einhundertstem Geburtstag vorlegte. Weitere Biografien, Essays, ein Roman, eine Novelle, Beiträge in Anthologien und Lexika, Gedichte folgten. 2015 wurde sie als »Autorin des Jahres« ausgezeichnet, 2018 in das PEN-Zentrum Deutschland gewählt.

12.Oktober 2024 Austausch mit Romnja – Selbstorganisation Sawre Romnjenca

Es war ein schöner – und informativer Ausstauch. Danke liebe Sara Spring, Aktion Sühnezeichen Friedensdienste e.V. Berlin für die Organisation. Danke liebe Serbez Heindorf, Vorsitzende Sawre Romnjenca – Gemeinsam mit Roma-Frauen e.V.

11.Oktober 2024 Treffen mit Schüler und Schülerinnen des Freiherr-von Stein-Berufskolleg Minden

Aufklärung zum Thema Antiziganismus und Diskriminierungen gegenüber Sinti und Roma. Dank an Marcel Komusin, Koordinierung- und Fachstelle Demokratie Leben! Minden

4. Oktober 2024 Vortrag und Podiumsdiskussion: Auschwitz- Der Mensch zwischen Gut und Böse „Wir haben keinen Frieden hier. Aber den zukünftigen suchen wir.” (Maria Krebiehl Darmstädter)

Hiermit laden wir Sie herzlich zu unserer Veranstaltung am 4.Oktober 2024 um18 Uhr ein. Marcus Bohnen, Pfarrer der Christengemeinschaft Bielefeld, wird einen Impulsvortrag über seine Erlebnisse und persönlichen Eindrücke von der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau halten. Im Anschluss wird eine Podiumsdiskussion stattfinden. Veranstaltungsort: Verein Deutscher Sinti e.V. Minden, Königstr.3, 32423 Minden, Eintritt frei Danke lieber Marcus!

29. September 2024 im Rahmen der Interkulturellen Woche präsentieren wir den Jazz-u. Weltmusikkünstler Tcha Limberger Trio

Wir freuen uns, den Jazz-und Weltmusikkünstler Tcha Limberger begrüßen zu dürfen. Tcha Limberger entstammt einer renommierten belgischen Familie von Manouche-Musikern und wuchs in einer vom Stil Django Reinhardts geprägten Welt auf. Neben eigenen Gruppen gehörte Limberger zum Waso Quartett, in dem er zeitweise die Position seines Vaters als Gitarrist einnahm. Mit dem Budapest Gypsy Orchestra konzentrierte er sich auf den Magyar nóta, mit dem Kalotaszeg Trio spielte er transsylvanische Volksmusik und mit Les Violons de Bruxelles nähert er sich der Musik von Django Reinhardt auf neue Weise. 29. September 2024 um 15 Uhr Hansehaus Minden, Papenmarkt 2, 32423 Minden Eintritt frei

22. September 2024 im Rahmen der Interkulturellen Woche 24 Internationales Sport – und Kulturfest in Minden

Im Rahmen der Interkulturellen Woche, Internationales Sport- und Kulturfest in Minden. Bürgermeister Michael Jäcke und Oswald Marschall

18. September 2024 Workshop mit Schülerinnen und Lehrkräfte

Workshop mit Schülerinnen und Lehrkräfte Danke Susanna Bormann Regionalkoordination Schule ohne Rassismus-Schule mit Courage Kreis Minden-Lübbecke

12.Juli 2024 stellvertretende Ministerpräsidentin des Landes Nordrhein-Westfalen, Mona Neubaur, besucht im Rahmen einer Sommerreise den Kreis Minden-Lübbecke und die Stadt Porta Westfalica.

28. Juni 2024 Jubiläums-Shabbat-Dinner anlässlich des 10. jährigen bestehens der Werteinitiative in Berlin

Jahrestreffen der dänischen Minderheit am 9. Juni 2024 in Flensburg

Oswald Marschall, vertritt den Zentralrat Deutscher Sinti und Roma Heidelberg, bei dem Jahrestreffen der dänischen Minderheit am 9. Juni 2024 in Südschleswig. Trotz des Regens war es ein großartiges Fest! Vielen Dank! Herr Christiansen für die herzliche Begrüßung
5. Mai 2024

Gedenkveranstaltung am Sonntag, 5. Mai 2024

In Vertretung des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma Heidelberg, nahm Oswald Marschall an der Gedenkveranstaltung „79. Jahrestag der Befreiung es ehemaligen KZ Bergen-Belsen” teil.
15.März 2024

Herzlichen Dank an unseren Gästen, Freunde und Bekannten, zur Präsentation unserer 1. Handreichung ”Antiziganismus in ländlichen Gegenden gestern und heute!

Sehr geehrte Gäste, Freunde und Bekannten, wir möchten uns herzlich bei Ihnen für Ihre Teilnahme an unserer heutigen Präsentation ”Antiziganismus in ländlichen Gegenden gestern und heute” bedanken. Ihr Interesse und Ihre Anwesenheit haben maßgeblich zum Erfolg dieser Veranstaltung beigetragen. Herzlichen Dank für Ihre Teilnahme an unseren Landesverband Deutscher Sinti und Roma NRW, Herrn Roman Franz, Bremer Sinti-Verein, Herrn Ernst, Vertreter des 1. Sinti- Vereins Ostfriesland, und dem Roma Integrationszentrum Oberhausen, Herrn Enoh Ibishi. Ein besonderer Dank für Ihre eindrucksvollen Reden gegen Antiziganismus an Dr. Mehmet Daimagüler, Beauftragter der Bundesregierung gegen Antiziganismus und das Leben der Sinti und Roma in Deutschland, unserem Landrat Herrn Ali Dogan, per Videobotschaft Herrn Romani Rose, Zentralrat Deutscher Sinti und Roma Heidelberg, und Herrn Helge Lind, MdB. Nochmals vielen Dank für Ihr Kommen und Ihre aktive Teilnahme. Oswald Marschall und Team Mer Ketne- Wir zusammen!

24. Februar 2024 Lesung mit Iris Lemanczyk Brennnessel Haut

Brennnesseln Haut Kajetan und Heiner sind unzertrennliche Freunde. Als die Nazis an die Macht kommen wird Kajetan als „dreckiger Zigeuner“ beschimpft. In der Schule darf er nicht mehr neben Heiner sitzen. Dann zieht sein einziger Freund auch noch weg. Und Kajetans Familie landet in einem bewachten Lager. Stück für Stück wird Kajetan und seiner Familie das bisherige Leben genommen – und die Freiheit. Das Buch beleuchtet die Diskriminierung von Sinti und Roma im Dritten Reich und beruht auf wahren Begebenheiten und den Berichten von Zeitzeugen. Bei Heiner handelt es sich um den verstorbenen Politiker Heiner Geißler. Iris Lemanczyk lebt in Stuttgart. Sie schreibt Bücher, die meistens auf intensiver Recherche beruhen. Dafür reist sie in alle möglichen Ecken der Welt – manchmal liegt sie aber auch entspannt in der Hängematte auf ihrer Wiese. Oder sie erntet dort Mirabellen, Kirschen und Äpfel. Für „Brennnessel Haut“ reiste sie auf den Spuren von Kajetan, vor allem in Ravensburg und Umgebung. www.IrisLemanczyk.de DATUM: 24. Februar 2024 16 Uhr ORT: Verein Deutscher Sinti e.V. Minden, Königstr.3, 32423 Minden Eintritt frei LIEBE FRAU LEMANCZYK, VIELEN LIEBEN DANK, FÜR IHRE BEEINDRUCKENDE LESUNG!
30.01.2024

30.Januar 2024 Aufklärung über Traditionen der Deutschen Sinti

Aufklärung über Traditionen der Deutschen Sinti: Wer kann über deutsche Sinti aufklären, wenn nicht Sinti selbst. Menschen aus der Mehrheitsgesellschaft meinen über Sinti mehr zu wissen wie wir selbst, deshalb werde ich einige Sachen richtigstellen, die seit sehr langer Zeit von der Mehrheit wegen Unwissenheit falsch dargestellt wird. Im Laufe meiner Bürgerrechtsarbeit, habe ich festgestellt das man Vorurteile gegenüber unserer Minderheit, nur durch offene Gespräche mit Deutschen Sinti, abbauen kann. Ich werde einige Texte, die ich in den letzten Jahren verfasst habe, nach und nach veröffentlichen, damit die Mehrheitsgesellschaft erkennt das wir deutschen Sinti nach einer über sechshundertjährigen deutschen Geschichte in erster Linie Deutsche sind und es nicht mehr ertragen können, immer wieder dargestellt zu werden, als Fremde im eigenen Land. Menschen die mit mir Persönlich in Kontakt treten möchten, können sich gern bei mir melden. Oswald Marschall 30.12.2023
29. Januar 2024

29. Januar 2024 Kultur und Traditionen der Deutschen Sinti

Kultur und Traditionen der Deutschen Sinti: Was für Traditionen können Menschen haben, wenn sie seit über 600 hundert Jahren in einem Land Leben! Ich recherchiere seit nunmehr fünf Jahre und habe nichts anderes in Erfahrung bringen können, als dass wir Deutschen Sinti eine deutsche Kultur besitzen. 1407 sind Sinti das erste Mal in Deutschland (Hildesheim) erwähnt, 5 weitere Familien 1417 in Frankfurt am Main. Man geht davon aus, das die Wanderung aus Indien 800-1000 nach Christi begonnen hat. Man kann nicht mit Bestimmtheit sagen in was für Kontinente (Länder) sich Sinti, nachdem sie Indien verlassen, haben Jahrhunderte aufgehalten haben, mit Bestimmtheit weiß man, dass Sinti über 600 Hundert Jahre in Deutschland beheimatet sind. Zu hundert Prozent ist die Kultur Deutscher Sinti geprägt von ihrem Land, Deutschland. Wie soll es denn auch anders nach einer Sechshundert Jährigen deutschen Geschichte sein. In Deutschland gab es im Mittelalter Berufe die als ehrlos galten, einige dieser Berufe gibt es heute nicht mehr, auch was man im Mittelalter als würdelos ansah, sieht man heute nicht mehr so. Ein Teil Deutscher Sinti halten sich bis zum heutigen Tag an diesen zum Teil Vergessenen gemeinsamen deutschen Traditionen. Deutsche Sinti sehen diese zum Teil heute unlogischen deutschen Traditionen als ihre eigene Kultur an. Die wenigsten Menschen der Mehrheitsgesellschaft wissen etwas mit diesen Traditionen anzufangen und meinen, dass das eine Klischee behaftete Kultur der Sinti wäre. Im Laufe der Jahrhunderte ist es in Vergesslichkeit geraten das Sinti seit den späten Mittelalter in Deutschland leben, und sich schon immer nach den Mittelalterlichen deutschen Gesetzen und Traditionen richteten. Von Regionen zu Regionen wurde Würde (Ehrlose Berufe) anders Bewertet, auch sind im Laufe der Jahrhunderte einige Berufe weggefallen, warum einige deutsche Sinti diese alten Deutschen Traditionen nie abgelegt haben, kann man nur erahnen, meine Persönliche Meinung dazu, einige Großfamilien der Sinti die in verschiedenen Regionen in Deutschland leben, haben die Traditionen an ihren nachfolgenden Generationen weitergegeben, sie wollen diese Deutsche Tradition die sie bis zum heutigen Tag Pflegen nicht aufgeben. Diese Mittelalterliche Traditionen haben sich im Laufe der Zeit so sehr in ihren Köpfen verankert, dass sie in einigen Regionen noch heute von Sinti aufrechterhalten werden. Diese deutsche Tradition prägt das Bild der Deutschen Sinti, dadurch werden Sinti von der Mehrheitsgesellschaft heute als Fremde im eigenem Land angesehen. Dabei sind es unsere gemeinsamen deutschen Traditionen, die einige Deutsche Sinti noch aus den Mittelalter aufrechterhalten. Warum Sinti diese Tradition bis zum 21 Jahrhundert noch befolgten, konnte ich nirgend wo nachlesen. Man weiß das Sinti schon im späten Mittelalter ausgegrenzt wurden. Warum sie im Mittelalter schon ausgegrenzt wurden, liegt auf die Hand, mit Sicherheit haben auch sie einige Berufe ausgeübt, die in der damaligen Zeit nicht sehr angesehen waren. Heute noch üben einige deutsche Sinti mit großen Handwerklichen Geschick, Berufe aus, die zu gerne von der Gesellschaft in Anspruch genommen wird. Beispiel: Musiker, Schausteller oder Schneider, um nur einige aufzuzählen, auch diese Berufe galten im späten Mittelalter laut Quellen Berichten als ehrlos. Inhalt • Grundlagen Berufe im Mittelalter • Ehrlose Berufe o Besonders verachtete Berufe o Weitere verachtete Berufe • Verbreitete Berufe des Mittelalters • Besonders verachtete Berufe: Auch unehrliche (ohne Ehre) Berufe genannt. Im Mittelalter gab es eine Reihe von Berufen, die von der Gesellschaft verachtet wurden. Als Paradebeispiel gilt hier der Scharfrichter (Henker, Schinder, Züchtiger). Man sah diesen Beruf als unangenehm und unmoralisch an. Der Ruf des Henkers färbte auch auf seine Familie ab. In der städtischen Gesellschaft des Mittelalters waren sowohl er, seine Frau als auch seine Kinder wegen seinem Beruf verachtet. Meistens lebte der Henker wegen seiner Ächtung außerhalb der Stadtmauern in einer schlechten Wohngegend. Bild 206: Der Henker sitzt wegen seines ehrlosen Berufes abseits in einer mittelalterlichen Trinkstube. Zu ihm gesellt sich keiner freiwillig. Zur zusätzlichen Erniedrigung sind die Trinkgefäße an Ketten festgebunden. Der Maler verstärkt hier das trostlose Bild des Henkers, indem sogar die Katze ihn anfaucht. Nach einer Originalzeichnung von M. Wiegand. Weitere unehrliche Berufe waren, wegen des unangenehmen Berufsbildes, der Abdecker (auch: Schinder) und der Totengräber. Die Menschen nahmen diese ehrlosen Berufe aus reiner Geldnot an und nicht etwa, weil sie merkwürdige Vorlieben hatten. Der Abdecker hatte zur Aufgabe Teile der toten Körper von verendeten Tieren wiederzuverwerten. Der Ausdruck „abdecken“ ist ein anderes Wort für „enthäuten der Tierkadaver“. Er hatte also viel Kontakt mit toten Tieren und hatte deshalb auch ein erhöhtes Risiko an gefährlichen Krankheiten, wie z. B. dem Milzbrand zu erkranken. Wegen des ungeheuren Gestanks der Leichenteile von Tieren musste der Abdecker außerhalb von Dörfern wohnen. Auf diesen Geländen besteht noch heute Gefahr, an Milzbrand zu erkranken, dass der Milzbranderreger über Jahrhunderte überleben kann. Die Knochen der auseinandergenommenen Tiere gab der Abdecker den Seifensiedereien. Die Häute gingen an die Gerbereien und das verfaulte Fleisch an Salpetersiedereien. Der Abdecker einer Stadt war in einigen Fällen auch gleichzeitig der Henker der Stadt, da er von einem Beruf allein nicht leben konnte. Beide Berufsgruppen waren jedenfalls so sehr geächtet, dass sie keinen gesellschaftlichen Kontakt hatten, in der Gaststätte mussten sie z. B. an einem abgesonderten Tisch sitzen und ihre Trinkgläser waren an eine Schnur angebunden damit kein ehrlicher eine Möglichkeit hatte aus diesem Glas zu Trinken. Der Totengräber musste die Gräber für die Toten ausheben und wieder zuschaufeln, nachdem die Toten hineingelegt wurden. Außerdem musste er sich um die Leiche bis zum Begräbnis kümmern. Sie waschen, herrichten und richtig in das Grab legen. Das Paradebeispiel für einen Beruf, der als unmoralisch angesehen wurde, war Hure oder Prostituierte. Ihre Aufgabe war es, Männer gegen Bezahlung zu befriedigen. Ob auch Frauen zu Prostituierten gingen, darüber haben wir nichts gefunden. Die Kirche hatten großen Anteil daran, diesen Berufsstand schlecht darzustellen, verboten wurde er jedoch nicht, da man sich in der mittelalterlichen Gesellschaft dachte, „lieber lassen die Männer ihren Druck bei den Prostituierten ab und verschonen dafür ehrbare Frauen“. Man kann daraus wohl schließen, dass es für eine Frau allein in der mittelalterlichen Stadt gefährlich war, Vergewaltigungen wohl sehr häufig vorkamen. Weitere verachtete Berufe Das Bild von unehrlichen Berufen wandelte sich mit der Zeit. Mal waren mehr, mal weniger Berufe verachtet. Unterschiedlich nach Zeit und Ort und somit der lokalen Kultur. Zeitweise galten alle Berufe, in denen man mit Kranken, Verurteilten, Verletzen oder Toten in Berührung kam, als unehrlich. Das ging dann vom Gefängniswärter bis zum Arzt. Mitte des 16. Jahrhundert konnte der erste Mediziner Studieren, nach seinem Studium konnte er sich dann Offiziell Arzt nennen. Oft wurden auch einfach Geschichten erfunden, um einen Berufsstand in schlechtes Licht zu rücken. Was die Hintergründe für solche Geschichten waren, weiß man nicht, ob es ein Streit war, Neid oder eine berechtigte Vermutung. Müllern warf man z. B. vor, sie betreiben in ihrer Mühle ein Bordell oder klauten den Bauern heimlich das Getreide, während es gemahlen wurde. Den Schneidern warf man vor, sie klauten etwas von dem Stoff, der ihnen zum Schneidern von Kleidern hinterlassen wurde. Dem Schäferwurde nachgesagt, er treibe Sodomie, wenn er einsam mit den Schafen auf der Weide war. Der Bader hatte mit Kranken Menschen zu tun und wenn er ein Badehaus hatte, war die Wahrscheinlichkeit groß, dass er auch Prostituierte beschäftigte. Die Schausteller, wie z. B. Taschenspieler hatten den Ruf, die Menschen zu bestehlen oder ihnen durch unlautere Mittel, das Geld aus der Tasche zu ziehen. Der Nachtwächter schlich in der, im Mittelalter viel dunkleren, Nacht durch die Gassen, was ihn von vornherein suspekt machte. Der Türmer (Turmhüter), dessen Aufgabe darin bestand, auf den höchsten Gebäuden der Stadt nach Gefahren Ausschau zu halten, war wohl eher wegen seiner Einsamkeit verstoßen. Denn seine eigentliche Aufgabe, die Menschen der Stadt bei Gefahr zu warnen, sollte ja eigentlich als ehrhaft gelten. Aber oft wohnte der Türmer auch in dem gleichen Turm, von dem aus er Wache hielt und hatte so kaum Kontakt zu anderen Berufstätigen. Heiler, Baader, übten im frühen Mittelalter den Beruf als Mediziner aus, auch hatte ein Friseur (Barbier) Kesselflicker eine Berechtigung Menschen nach ihrem ableben zu Zensieren und ihre Organe zu entnehmen, all diese Berufsgruppen waren ehrlose Berufe und wurden von der Mehrheit verachtet und ausgegrenzt. Weitere unehrliche Berufe waren „Leineweber, Töpfer, Wundarzt, Weber, Tänzer, Schauspieler, Possenreißer und Musikanten“ (aus: Wikipedia) https://www.nzz.ch/deutschland
28. Januar 2024

28. Januar 2024 Mein Name ist Oswald Marschall

Mein Name ist Oswald Marschall, geboren bin ich 1954 in Minden Westfalen. Ich möchte durch diesen Aufsatz Menschen aus der Mehrheitsgesellschaft aufklären. Bitte seien Sie nicht überrascht. Ich spreche nicht Sie direkt an, wenn ich explizit oder implizit Vorwürfe erhebe. Sie sind nicht die ersten Ansprechpartner für die Kritik, die ich ihnen vortragen möchte. Und dennoch: Sie müssen wissen, was es bedeutet, immer den gleichen Vorurteilen zu begegnen und nicht ganz sicher zu wissen, ob alle, die gerade zuhören, überhaupt wissen, was es bedeutet, in einer Gruppe zu leben, die Ausgrenzung, Diskriminierung und Missachtung kennt. Uns hat man alles genommen, und damit meine ich vor allem die Möglichkeiten, in dieser Gesellschaft voll anerkannt zu sein. Einige Menschen aus der Mehrheitsgesellschaft maßen sich an, über uns uralte Klischees zu verbreiten, obwohl sie doch so wenig über uns wissen. Menschen, die nicht zu unserer Minderheit gehören meinen es auf der anderen Seite mit Sicherheit gut, wenn Sie Rassismus gegenüber unserer Minderheit und Antiziganismus erklären. Man kann Rassismus unserer Minderheit gegenüber aber nur zum Teil wissenschaftlich erklären, ihn erlebt zu haben, macht einen zum Experten. Ich habe mit Politikern und Wissenschaftlern in den letzten Jahren sehr viele Gespräche geführt. In jedem Gespräch, das länger als 10 Minuten dauerte, haben meine Gesprächspartner die Worte „ihr“ und „euch“ mir gegenüber benutzt, obwohl wir darüber gesprochen haben, wie wir gemeinsam dem Rassismus gegenüber Sinti und Roma gegenübertreten wollen. Wie ich mich bei diesen ausgrenzenden Worten gefühlt habe, habe ich mir nicht anmerken lassen. Man könnte jetzt sagen, ich hätte meine Gesprächspartner darauf aufmerksam machen müssen, dass ich ein ganz mieses Gefühl hatte, weil ich in meinem Land, wo wir Deutsche Sinti seit 600 Jahren und ein Teil der heutigen in Deutschland lebenden Roma seit 200 Jahren beheimatet sind, immer noch von unseren Mitbürgern, als „ihr“ und „euch“ bezeichnet werden. Ich habe darauf verzichtet, denn ganz gleich ob in der Wissenschaft, Politik oder die Mitte der Gesellschaft, man weiß einfach zu wenig über die Minderheit der Sinti und Roma. Aufklärung geht aber nur mit uns. Menschen, die uns beurteilen, sollten mit kompetenten Sinti und Roma über das Thema sprechen und nicht mit Sinti und Roma, die kaum der Sinti oder Roma Sprache mächtig sind und keinen Bezug zu Sinti und Roma haben, sich aber als Sinti und Roma Experten ausgeben. BILDUNGSFERN? Wir sind nicht Bildungsfern – man hatte uns Bildungsfern gemacht, man hat darauf geachtet, dass wir von Bildung ferngehalten werden, man hatte uns die Zugänge abgeschnitten. Ich möchte das hier einmal in drei kleinen Schritten für Sie auseinandersetzen: Zum ersten, der Begriff selbst: „bildungsfern“. Er soll beschreiben, wer mehr und wer weniger Bildungschancen zur Verfügung stehen, hat. Für die öffentliche Mehrheit ist „bildungsfern“ keine Kritik an der Gesellschaft „Bildungsferne“ ist zu einem Stigma geworden und gerade wir als deutsche Sinti und Roma sind davon betroffen. Man setzt uns einen Stempel auf und so kommt zu fortdauernder Diskriminierung und Benachteiligung auch noch die Abwertung „bildungsfern“ hinzu. Heute noch achtet man darauf, dass zugewanderte Kinder aus Südosteuropa die der Minderheit angehören, schnell auf die schlechteren Schulformen abgeschoben werden. Unsere Minderheit wird von der Mehrheit dargestellt als „nicht an Bildung interessierten“ Menschen. Zweitens, und das hängt mit meinem ersten Punkt unmittelbar zusammen: Es gibt unter den vielen in Deutschland lebenden Sinti genauso wie unter den Roma (und auch denen, die noch eine Zuwanderungsgeschichte im Gepäck haben) sehr erfolgreiche und „bildungsnahe“ Menschen. Wir sind eine diverse Gruppe, wie die gesamte Gesellschaft. Unter uns gibt es Leuchttürme und Eliten, wobei es selbstverständlich ist, dass wir ökonomisch und in Bildungsfragen erfolgreich sind. Und nun frage ich: Warum wissen das eigentlich so wenige in der Mehrheitsgesellschaft? Die Antwort ist einfach: Weil viele von uns sich zu ihrer Gruppe nicht bekennen können. Viele Aufsteiger, „bildungsnahe“ und erfolgreiche Sinti und Roma scheuen davor zurück, sich zu erkennen zu geben. Gerade dort, wo die höheren Etagen der Gesellschaft beginnen, verbirgt man seine wirkliche Identität. Warum das so viele tun, liegt auf der Hand. Sie wissen um die Gefahr der Ausgrenzung und der Abtwertung. Was meinen Sie, wie gut ein Bildungstitel sein muss und wie viel Erfolg man haben muss, um frei und selbstbewusst als Minderheitenangehöriger aufzutreten? Ich darf Ihnen sagen, es kostet eine Menge – zu viel für die meisten von uns. Das führt dann auch zu dem dritten und letzten Punkt, den ich nennen möchte, es ist vielleicht der wichtigste, nämlich: Wer von „bildungsfern“ sprechen möchte, der muss auch Ross und Reiter nennen. Im Falle der deutschen Sinti und vieler Angehöriger der Roma ist das einfach: Wir sind nicht „bildungsfern“, sondern sind „von Bildung ferngehalten“ worden. Wir machen uns nicht selbst „bildungsfern“, sondern wurden chancenlos gemacht. Ich darf Sie daran erinnern, wie viel wir inzwischen darüber wissen, wie das Schulwesen ohne die Berücksichtigung unserer Minderheit aufgebaut wurde. Bis in die heutige Zeit hinein existieren Vorurteile gegenüber unserer Minderheit, und zwar vor allem in Bildungsfragen. Weil man uns wahrscheinlich „von Natur aus“ für weniger begabt hält, landen überproportional viele jungen Menschen in den Sackgassen des Bildungssystems. Man hat uns unzählige Hindernisse in den Weg gelegt. Kaum jemand weiß, welche Geschichte gerade die deutschen Sinti mit der Schule verbindet. ROSS und REITER: EINE KLEINE EPISODE AUS DIESER GESCHICHTE Wissen Sie, von wo aus die nationalsozialistischen Rassenhygieniker so viele junge Sinti abgeholt haben, um sie zu deportieren, zu foltern und zu töten? Aus der Schule. Über die sehr detaillierten Listen der Behörden war das Netz der Verfolgung so eng gewebt, dass es ein Einfaches war, kleine Kinder wehrlos der Obhut ihrer Eltern zu entreißen. Dieses Schicksal ist unser Schicksal! Viele Sinti und Roma Kinder, die noch die Schule besuchen durften, sind Anfang der 1940 Jahre aus den Klassenzimmern von der Gestapo abgeholt- und wurden in Viehwaggons nach AUSCHWITZ deportiert. Nur wenige von ihnen haben das Martyrium überlebt. Schulbehörden machten die Nazis aufmerksam, wer Sinti und Roma sind, die Klassenlehrer übergaben dann die Kinder an die Nazis. Diese Lehrer wussten genau wo man jüdische, Sinti und Roma Kinder hinbrachte Wir haben Generationen von Eltern nach dem zweiten Weltkrieg, die die Angst vor der Öffentlichkeit und auch vor den öffentlichen Schulen nie ablegen konnten. Niemand, der nicht zu unserer Minderheit gehört, weiß, welche Überwindung es noch vor wenigen Jahren junge Eltern gekostet hat, ihre Kinder in die Obhut der Schule zu geben. Und genau das ist mein Punkt: Wenn Sie diese schwierige Beziehung als „bildungsfern“ bezeichnen wollen, dann sind wir sehr weit voneinander entfernt und müssen noch viel Aufklärungsarbeit über die wahren Gründe dieser Bildungsbenachteiligung unserer Minderheit leisten. Eltern deren Kinder die Schule besuchten, waren nach dem Nationalsozialismus traumatisiert, ohne dass sie es wussten. Viele Eltern brachten ihre Kinder mit dem Auto zur Schule und holten sie auch wieder ab, einige Eltern fuhren in den großen Pausen zur Schule und beobachteten ihre Kinder, bis sie wieder in den Klassenräumen waren. Auch ließen einige Eltern ihre Kinder nicht auf Klassenausflügen mitfahren, sie hatten eine innere Unruhe, wenn sich ihre Kinder nicht unter ihrer Obhut befanden, sie bekamen einfach das Trauma des Nationalsozialismus nicht aus dem Kopf. Ehemalige Nazis oder KZ-Aufseher, die ihrer gerechten Strafe entkommen sind, deutsche Soldaten, die aus der Kriegsgefangenschaft kamen, all diesen Menschen hat der deutsche Staat vor einer Traumatisierung bewahrt, man hat ihnen frühzeitig einen Psychologen (Seelsorger) zur Seite gestellt, damit sie wieder ein normales Leben nach dem Nationalsozialismus führen konnten. Sinti und Roma, die alles verloren hatten, hat man bis zum heutigen Tag allein mit ihrem Trauma gelassen, sie mussten sich selbst helfen, die meisten von ihnen sind dieses Trauma bis zu ihren Tod nicht losgeworden und haben es an ihren Nachkommen weitergegeben. All das findet heute keine Beachtung.   DAS LEBEN NACH 1945 Die wenigen Überlebenden haben in ihrer alten Heimat wieder Familien gegründet und versucht, unter den schwierigsten Voraussetzungen ein normales Leben zu führen. Dies fiel ihnen unglaublich schwer, über die Hälfte von ihnen waren Analphabeten, denn neunzig Prozent der Dreitausend Überlebenden deutschen Sinti und Roma waren junge Leute, sie hatten zum großen Teil vor 1939 Schulverbot. Nach 1945 mussten sie den Kampf aufnehmen, sich etwas Neues aufzubauen, was nur den Wenigsten gelang. Sinti und Roma waren vor 1933 zum großen Teil erwerbstätig oder selbstständig. All das war nach 1945 vorbei, alles, was sie hatten, hat man ihnen genommen. Sie hatten keine Chance ihre Eigentümer wieder zu erlangen, denn die meisten Schreibtischtäter konnten nach dem Nationalsozialismus wieder unbehelligt ihren Beruf ausüben. Sie entschieden dann, wem eine Wiedergutmachung zustand und wem nicht, natürlich konnten sie Sinti und Roma keine Wiedergutmachung gewähren, denn damit hätten sie sich selbst schuldig gesprochen. Diese Menschen konnten nach dem Krieg zu einem normalen Leben übergehen, sie konnten ihre Kinder in allen Beziehungen unterstützen. All das konnten Sinti und Roma nach dem Krieg nicht. WOHNSITUATION: Sinti und Roma haben vor 1933 ein normales Leben in ihrer Deutschen Heimat geführt, einige von ihnen wohnten zur Miete oder hatten Eigenheime, sie waren Angestellte, im Schaustellergewerbe tätig, Berufsmusiker, Pferdehändler oder handelten mit Musikinstrumenten, auch waren sie als Schauspieler mit einer Wanderbühne Unterwegs. Deutschland war seit über 600 Jahren ihre Heimat. Sie konnten ihre Berufe nach dem Krieg nicht mehr ausführen, sie hatten kein Startkapital und waren oft mittellos. Viele Sinti und Roma Familien hat man nach 1945 auf sogenannte Zigeunerplätze angesiedelt. Diese Plätze befanden sich meistens am Randgebiet einer Stadt. Ich kann mich noch sehr genau daran erinnern, wie ich als Kind mit meinem Vater in den frühen 1960 Jahren seine Freunde auf diesen Plätzen besuchte. Auf jeden Platz waren ca. 80 Familien angesiedelt. Für alle Familien stand nur eine Wasserleitung zur Verfügung. Diese Wasserleitung befand sich in der Mitte des Platzes, ich kann mich deshalb daran erinnern, weil wir uns als Kinder im Sommer unter dem Wasserstrahl abkühlten. Großfamilien mussten in Baracken wohnen ohne fließendes Wasser, auf ca. 30-40 qm hausten sie zum Teil mit 6 Personen. Heute ist es unvorstellbar, unter welchen unmenschlichen Bedingungen unsere Menschen in den Nachkriegsjahren in ihrer Heimat Deutschland leben mussten. MEDIALE AUSGRENZUNG: Ende der 1960 Jahre kamen des Öfteren Fernsehteams zu diesen Plätzen, um Reportagen über den sogenannten „Zigeuner“ zu drehen. Man interviewte die naheliegenden Nachbarn und fragte, wie das Zusammenleben mit Sinti und Roma denn so ablaufe. Ihre Antworten wurden an die Mehrheitsgesellschaft vermittelt, die, die klischeehafte Bilder über Sinti und Roma bis zum heutigen Tag noch prägen und reproduzieren. Auch Sinti und Roma Interviewte man, einige Sinti und Roma konnten sich nicht gut artikulieren, wie gesagt ein Teil von ihnen hatte nie eine Schule besucht, alle waren traumatisiert. Dies nutzten die Berichterstatter, um Sinti und Roma bloßzustellen! Die Interviews, die gut waren, wurden nicht ausgestrahlt, denn Sinti und Roma sollten nach einer 600-Jährigen deutschen Geschichte immer noch als fremd im eigenen Land gelten. BILDUNGSERFAHRUNG: Ich selbst bin 1961 eingeschult worden, das erste Halbjahr, wie ich mich erinnern kann, bin ich gerne zur Schule gegangen, auch hatte ich keine Lernprobleme, im zweiten Halbjahr fingen die ersten Probleme an, wenn Kinder im Schulunterricht unangenehm auffielen, mussten sie meistens für fünf Minuten den Klassenraum verlassen, danach konnten sie wieder an der Unterrichtsstunde teilnehmen. Bei mir war es anders: Wenn ich den Unterricht störte, musste ich mich mit dem Gesicht zur Wand stellen, die ganze Unterrichtstunde musste ich unbeweglich stehen bleiben, dadurch bekam ich von dieser Unterrichtsstunde nichts mit. Dieter oder Fritzchen wurden an den Ohren gezogen, wenn sie die Unterrichtsstunde störten, wenn ich den Unterricht störte, bekam ich mit dem Rohrstock einen heftigen Schlag auf die offene Handfläche, einmal schlug der Lehrer so fest zu, dass mir die Handfläche aufplatzte, noch heute kann ich mich an den brutalen Schmerz erinnern! Ich kann nicht mehr sagen, was ich als Kind dachte, warum ich anders bestraft wurde, für mich war, dass alles normal, so sind wir Sinti und Roma Kinder eben in den 1950 1960, 70, 80 Jahren aufgewachsen. Von meinen Eltern konnte ich im Bereich Schulbildung keine Hilfe erwarten, sie lernten die ersten Schuljahre zusammen mit uns Kinder das Lesen und Schreiben, sie hatten im Nationalsozialismus Schulverbot, deshalb ist Schulbildung an ihnen vorübergegangen, für Hausaufgabenhilfe hat das Einkommen meines Vaters nicht ausgereicht, in keiner Hinsicht hatten wir Kinder im Bildungsbereich Unterstützung! Damals habe ich nicht darüber nachgedacht, warum ich nicht gern zur Schule gegangen bin. Heute weiß ich es. Mit 9 Jahren fing ich an zu boxen und wurde nach einigen Jahren Nationalstaffelboxer, ich nahm 1974 für mein Land an den Europameisterschaften in Kiew teil, war Fahnenträger und belegte den fünften Platz. 1971 boxte ich das erste Mal im Nationaldress für mein Land 50 Jahre später muss ich noch von Integration sprechen und Aufklärungsgespräche führen, wie kann man das erklären. BILDUNGSCHANCEN ALS EIN ERGEBNIS DER BÜRGERRECHTSARBEIT: Seit einigen Jahrzehnten haben sich die Bildungschancen für Sinti und Roma verbessert, der Zentralrat unter Leitung von Romani Rose hat in dieser Hinsicht den Weg geebnet, dass die Bildungschancen für Sinti und Roma ab den Neunzigerjahren um ein vieles besser geworden sind. Ein Beispiel möchte ich anführen: Gianni Jovanovic, lebt seit Ende der 1970 Jahre in Deutschland, als Gianni vier Jahre alt war ist das Haus von der Familie Jovanovic 1979 von Nazis, Niedergebrannt worden. Die Familie stand von diesem Zeitpunkt mittellos da, deutsche Behörden wollten die Familie wieder nach Jugoslawien abschieben. Romani Rose hat Wochen lang für die Rechte der Familie Jovanovic mit der Stadt Darmstadt verhandelt, bis die Familie schlussendlich ihr Recht bekam und in Deutschland ihr Leben weiter gestalten konnten. Gianni hat Jahrzehnte später sein Bachelor gemacht, von Beruf ist er heute Dentalhygieniker und erfolgreicher Unternehmer. Als ich damals dieses Drama wahrgenommen habe, ist mir die Wichtigkeit des Zentralrats Bewusst geworden: Ein Mann wie Gianni mit solch ein Potenzial würde heute wieder in Südosteuropa leben müssen, wenn der Zentralrat unter der Leitung von Romani Rose nicht ein geschritten wäre. Gott sei es gedankt, alle Mühe hat sich gelohnt und Gianni Jovanovic kann dank des Zentralrates heute als erfolgreicher anerkannter Bürger, sein Leben im unserem Land genießen. AKTUELLE SITUATION: Heute bin ich auf jeden unserer Jugendlichen stolz der einen guten Schulabschluss geschafft hat, auch haben wir heute Abiturienten und Studierende, einige junge Sinti und Roma sind seit Jahren an Schulen Pädagogen, auch haben wir an Universitäten Professoren. Wenn man weiß, unter welchen Bedingungen und mit welcher Vorgeschichte diese jungen Menschen ihren Weg gegangen sind, kann man dann noch von Bildungsferne sprechen?! NEUE STANDARDS: Angehörige der Minderheit, ihre Selbstorganisationen und Netzwerke sind sowohl für Schülerinnen und Schüler als auch für ihre Lehrkräfte und Pädagogen kompetente Partner bei der Behandlung des Themas im Unterricht. Dies ist möglich, indem Sinti und Roma als Expertinnen und Experten in die Schulen oder zu Fortbildungen eingeladen und in deren Konzeptionen maßgeblich eingebunden werden. BEST PRACTICE AM BEISPIEL DES PROJEKTES „BILDUNGSBOTSCHAFTER GEGEN ANTIZIGANISMUS“ Im Programm „Bildungsbotschafter gegen Antiziganismus“ werden junge Studierende aus der Minderheit dazu befähigt, in kirchlichen und nicht kirchlichen Bildungseinrichtungen Bildungs-Veranstaltungen durchzuführen, die mit der Vielgestaltigkeit von Sinti und Roma Kultur, ihrer Geschichte und ihrer Gegenwart, Verfolgung und Widerstand wie gegenwärtigen Antiziganismus bekannt machen sollen. Empowerment von Sinti und Roma im Wissenschaftlichen Bereich für Fortbildung in Einführungen zur Geschichte und Gegenwart der Minderheit in Kontexten der Jugendarbeit und an Schulen kann so stattfinden. Auch der neu gegründete Studierende Verband der Sinti und Roma in Deutschland, der 2020 von Dotschy Reinhardt und Francesco Amann ins Leben gerufen wurde und sich dem Zentralrat angeschlossen hat, trägt aktiv dazu bei, neue Narrative sichtbar zu machen. Der Verband bietet ein Netzwerk für Studierende Sinti und Roma, macht Bildungserfolge sichtbar und vermittelt neue Wissensdiskurse über das Thema Antiziganismus mit einer gelebten Authentizität der Angehörigen der Minderheit mit ein.
26. Januar 2024

26. Januar 2024 Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, Gedenkstunde des Landtags und der Landesregierung Nordrhein – Westfalen

26.01.2024

26.01.2024 Holocaust – Gedenktag

Mit unserem Kooperationspartner der Kurt – Tucholsky – Gesamtschule Minden haben Schülerinnen und Schüler die Rassebiologischen Einzelschicksale von Sinti und Roma in Workshops des Vereins Deutscher Sinti e.V. Minden aufgearbeitet, und diese am 26.01. 2024 zum Holocaust Gedenktag in der Petrikirche Minden in einer feierlichen Stunde vorgestellt. Mindener Schülerinnen und Schüler gedenken den Opfern des Holocaust – und erinnern an Schicksale von Sinti und Roma, Juden und Jüdinnen, die im Nationalsozialismus aus Minden nach Auschwitz deportiert und ermordet wurden.
2. Januar 2024

Zentralrat Deutscher Sinti und Roma trauert um Wolfgang Schäuble

Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma, sein Vorstand und seine Mitgliedsverbände trauern um den ehemaligen Bundestagspräsidenten Dr. Wolfgang Schäuble. Der Vorsitzende des Zentralrats, Romani Rose, würdigte ihn mit den Worten: „Mit Dr. Wolfgang Schäuble verliert unser Land einen engagierten Kämpfer für eine wehrhafte Demokratie und einen beeindruckenden Menschen. In seiner jahrzehntelangen Tätigkeit im Bundestag hat er mit seinem Auftreten und seiner Handlungsweise immer sicherstellen wollen, dass unsere Demokratie und unser Rechtsstaat verteidigt werden. Für den Zentralrat war Herr Dr. Schäuble zu unterschiedlichen Themen in seinen verschiedenen Funktionen ein wichtiger Gesprächspartner, der den Anliegen unserer Minderheit offen gegenüberstand. Sein Besuch im Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg im Jahr 2009 war für unsere Einrichtung eine große Ehre.“ Besonders als Bundestagspräsident hat sich Wolfgang Schäuble um die Erinnerung an den Holocaust an 500.000 Sinti und Roma im NS-besetzten Europa verdient gemacht. Anlässlich des Europäischen Holocaust-Gedenktags für Sinti und Roma am 2. August 2020 unterstrich der damalige Bundestagspräsident: „Zeitzeugen werden bald nicht mehr unter uns sein, weder Opfer noch Täter. Die Wahrheit bleibt – und sie bleibt eine Zumutung. Jede Generation hat sich ihr aufs Neue zu stellen. Aus der Erfahrung des Holocaust leitet sich die Selbstverpflichtung unseres Staates ab, die Würde jedes Menschen zu wahren und zu schützen. Auf diesem Fundament fußen unsere freiheitliche Rechtsordnung und ihre Werte. Das ist der Grundkonsens unserer Gesellschaft, der immer wieder verteidigt werden muss. Wir neigen dazu, die demokratische Ordnung für selbstverständlich zu halten. Das ist sie nicht – wie der Alltag und extremistische Tendenzen zeigen.“ Deutschland habe einen beeindruckenden Politiker und Menschen verloren, der tiefe Spuren in der Geschichte unseres Landes hinterlassen habe, so Rose. Der Vorsitzende des Zentralrats fügt hinzu: „Wolfgang Schäubles politisches Leben beinhaltete viele Erfolge und er hat sich besonders um unser Land und unsere Demokratie verdient gemacht. Unsere Gedanken sind bei seiner Familie in dieser für sie schweren Zeit.“
16. Dezember 2023

16. Dezember 2023 Gedenktag für alle Opfer des Nationalsozialismus

Vielen Dank an unsere Gäste und Freunde! Für die Teilnahme zum Gedenktag am 16. Dezember 2023 Besonders möchten wir uns bedanken für das Mitwirken von Jule, Sahra und Renèe die an das Einzelschicksal von Rudolf Diesenberg erinnert und vorgetragen haben, sowie an Schulleiterin Katharina Langner und Cherin Torhouni die dieses ermöglicht haben.
14. Dezember 2023

14. Dezember 2023 Bundestagsdebatte Bericht der Unabhängigen Kommission Antiziganismus

Pressemitteilung Zentralrat Deutscher Sinti und Roma Entschließungsantrag von den demokratischen Kräften fraktionsübergreifend verabschiedet Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma dankt allen im Bundestag vertretenen demokratischen Parteien dafür, der Bitte des Zentralrats zu entsprechen, einen gemeinsamen Entschließungsantrag über den Bericht der Unabhängigen Kommission Antiziganismus in den Deutschen Bundestag einzubringen und zu verabschieden. Damit drücken die Parteien ihre Anerkennung der historischen Verantwortung für die sechshundertjährige deutsche Geschichte der Minderheit und den Holocaust aus, die auch in den Reden deutlich wurde. „Wir sehen in dieser Debatte die Chance für den demokratischen Rechtsstaat, die Versäumnisse der historischen Aufarbeitung und Bewusstseinsbildung nach 1945 politisch anzuerkennen und den Willen auszudrücken, dem tiefsitzenden Antiziganismus durch Aufklärung entgegenzuwirken,“ so der Vorsitzende des Zentralrats, Romani Rose. Durch den umfangreichen, 800-seitigen Bericht der Unabhängigen Kommission wurden erstmals die Ursachen für den auch nach 1945 fortwährenden Antiziganismus in Politik, Gesellschaft und staatlichen Institutionen anerkannt und verurteilt. Dieser weiter tradierte Antiziganismus wurde als „zweite Verfolgung“ auch von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit folgenden Worten ausgedrückt: „Behörden, Polizei und Justiz diskriminierten, stigmatisierten oder kriminalisierten Angehörige der Minderheit; in Wissenschaft, Politik und Öffentlichkeit wurde der Völkermord an den Sinti und Roma verschwiegen, verleugnet oder verdrängt; Ansprüche auf Entschädigung wurden lange, viel zu lange nicht anerkannt.“ Der Zentralrat würdigt, dass das Bundeskriminalamt sich dieser Kritik stellte und am 27. Januar 2023 die Arbeitsdefinition Antiziganismus der International Holocaust Rememberance Alliance (IHRA) unterzeichnet hat und dadurch auch das Vertrauen der Minderheit in unseren Rechtsstaat weiter stärkt. Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma erwartet, dass der Deutsche Bundestag mit dem Entschließungsantrag wegweisende Handlungsempfehlungen ausspricht und Maßnahmen ergreift, damit die zentralen Empfehlungen der Unabhängigen Kommission Antiziganismus umgesetzt werden. Rose fordert: „Bundestag und Bundesregierung müssen hier die Voraussetzungen schaffen für die gleichberechtige Teilhabe unserer Minderheit in allen Bereichen der Gesellschaft und dafür Sorge tragen, dass auch der Antiziganismus, der die Grundlage für den Holocaust an den 500.000 Sinti und Roma im NS-besetzten Europa war, genauso geächtet wird wie der Antisemitismus.“
30.11.2023

30.11.2023 ”Angriff auf die Demokratie”

”Angriff auf die Demokratie” – Wie können wir sie erkennen – Wie können wir dem entgegenwirken Spielen Fake News auch eine Rolle beim Antiziganismus? Vielen Dank Andre Wolf für den hoch interessanten Vortrag!
30. November 2023

Veranstaltungshinweis 30. November 2023 Vortrag von Andre Wolf ”Angriff auf die Demokratie”

Andre Wolf referiert über die Rolle der sozialen Medien. Interessante Einblicke in die demokratiegefährdende Rolle von Fake News. – Wie können wir sie erkennen? – Wie können wir dem entgegenwirken? Spielen Fake News auch eine Rolle beim Antiziganismus? am 30.11.2023 um 18:00 Uhr Veranstaltungsort: Königstr.3, 32423 Minden Eintritt frei

25.11.2023 Herzlichen Dank lieber Heinrich von der Haar, für Ihre Lesung aus ”Mein Himmel brennt”

22.November 2023

22.November 2023 Workshop

Workshop und Filmvorführung ”die Mulfinger-Sinti- Kinder” mit Schüler und Schülerinnen der Kurt-Tucholsky-Gesamt Schule Minden. (Die Sinti-Kinder von Mulfingen waren Kinder aus Sinti-Familien, die bis 1944 im katholischen Kinderheim St. Josefspflege in Mulfingen lebten und dann fast alle nach Auschwitz deportiert wurden.)
15. November 2023

15. November 2023 Workshop Geschichte Zeigen – Wir Erkunden Die Ausstellung

Workshop mit Schüler und Schülerinnen der Kurt-Tucholsky-Gesamt Schule Minden
23.11.2023

Veranstaltungshinweis 23. November 2023 – 17:00 Uhr Kreissitzungsaal Minden Ausstellung „Gegenwärtig”

Am Donnerstag, den 23. November 2023 – 17:00 Uhr Kreissitzungsaal Minden Ausstellung „Gegenwärtig 267 Opfer rechter Gewalt seit 1990“ Vortrag Referent Thomas Billstein „Kein Vergessen“ Thema: Opfer rechter Gewaltideologie nach 1945
30.09.2023

30.September 2023 Interkulturelle Wochen unter dem Motto ”Neue Räume”

Das Sinti-Trio aus Bremerhaven Gimanto, Lamar und Andere werden Sie mit toller Live-Musik begeistern! Alle sind willkommen! Ort: Verein Deutscher Sinti e.V. Minden Königstr.3, 32423 Minden Uhrzeit: 15:00 Uhr Eintritt frei
12. September 2023

12 .September 2023 Führung durch die Ausstellung ”Der nationalsozialistischer Völkermord an den Sinti und Roma Europas”

Weiterbildung mit Lehrkräfte und pädagogisches Fachpersonal vom Kommunales Integrationszentrum Bielefeld.
12. September 2023

12. September 2023 ”Podiumsdiskussion zu Gewalt im Fußball”

Auf Einladung von meinen Freund Dr. Henry Wahlig, gestern im Deutschen Fußball Museum Dortmund ”Podiumsdiskussion zu Gewalt im Fußball” v.l.Manuel Neukirchner, Direktor des Deutschen Fußball Museum Eugen Gehlenborg ehemaliger DFB-Vizepräsident der DFB- Stiftung
30.08.2023

30. August 2023 Netzwerktreffen

2. August 2023

2. August 2023 ”Europäischer Holocaust-Gedenktag”

Vielen Dank an Prof. Wolfhard Winkelmüller für seine Lesung aus seinem Buch „Tränen, die nicht trocknen”
2. August 2023

2.August 2023 Lesung Prof.Dr. Wolfhard Winkelmüller aus seinem Buch: „Tränen,die nicht trocknen”

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde! Am 2. August gedenken wir der letzten 4.300 Sinti und Roma des Deutschen NS-Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau, die in dieser Nacht des Jahres 1944 von der SS ermordet wurden. In Erinnerung an die insgesamt 500.000 Sinti und Roma, die im nationalsozialistisch besetzten Europa ermordet wurden. Datum: 2. August 2023 Veranstaltungsort: Königstr.3, 32423 Minden Beginn: 18 Uhr Eintritt frei

10. Juni 2023 Mal-Workshop mit der Künstlerin Giesela Wäschle aus Bielefeld

3. Juni 2023 Alodia, du bist jetzt Alice! Lesung von Reiner Engelmann

Kinderraub und Zwangsadoption im Nationalsozialismus Reiner Engelmann: Alodia, du bist jetzt Alice! Alodia Witaszek ist fünf Jahre alt, als der nationalsozialistische Terror sie jäh aus ihrem vertrauten Leben reißt. Als Widerstandkämpfer gegen die deutsche Besatzung in Polen wird ihr Vater hingerichtet, während man ihre Mutter nach Auschwitz deportiert. Die blonde und blauäugige Alodia jedoch wird als »rassenützlich« befunden und als »Geschenk des Führers« einer deutschen Familie zur Adoption übergeben. Nach Kriegsende sucht Alodias leibliche Mutter zwei Jahre lang nach ihrem verschleppten Kind. Mit Erfolg: Alodia kehrt in ihre fast vergessene Familie zurück und muss ihre Muttersprache neu lernen.
9. Mai 2023

9. Mai 2023 „Gegen das Vergessen! – 75 Jahre Menschenrechte

Wir begrüßen herzlich Georg Murra-Regner, Vorsitzender der Synagoge Dornum und Reiner Liebau zu einem Vortrag: „Gegen das Vergessen! – 75 Jahre Menschenrechte“ Ort: Verein Deutscher Sinti e.V. Königstr.3, 32423 Minden Datum: 9.05.2023 19:30 Uhr Eintritt frei

28. April 2023 Die Erben der Arisierung

28. März 2023 Workshop Spurensuche

Sinti und Roma Jugendliche im Kommunalarchiv Minden
24.01.2023

24. Januar 2023 !Nie Wieder-Auftaktveranstaltung auf dem DFB-Campus

18.11.2022

18.November 2022 Musikabend im Bunker

23. September 2022

2022 Audiopreis der Landesanstalt für Medien NRW

02.08.2022

2. August 2022 Europäischen Holocaust-Gedenktag für Sinti und Roma

Anlässlich des Europäischen Holocaust- Gedenktages für Sinti und Roma am 2. August 2022 gedenken wir mit eindrucksvollen und bewegenden Ansprachen von dem Holocaust-Überlebenden Dieter Flack, aus Ingolstadt, von dem Mindener Bürgermeister Michael Jäcke, von Markus Priesterath, BMI sowie der Bundestagsabgeordneten Schahina Gambir, der letzten 4.300 Sinti und Roma des Deutschen NS-Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau, die in dieser Nacht des Jahres 1944 von der SS ermordet wurden.
9. April 2022

9. April 2022 Eröffnung Sportausstellung ”Sinti und Roma Sportler”

15.10.2021

15.Oktober 2021Eröffnung des Projektes ”Mer Ketne-Wir zusammen!”

2020 Mainzer Erinnerungswochen

Veranstaltungen unter dem Motto: GEMEINSAM FÜR ERINNERUNG UND VIELFALT rings um den „Erinnerungstag im deutschen Fußball“. … 19. bis 29. Januar Ausstellung (Eröffnung am 19.1. um 18 Uhr) „Abseits im eigenen Land – SinU und Roma Sportler“ Fanhaus Mainz, Weisenauer Str. 15, Mainz 24. Januar – 19.05 Uhr Filmvorführung und Diskussion „Die SUlle schreit“ Haus am Dom, Liebfrauenplatz 8, Mainz 26. Januar – 11 Uhr Fußballturnier „Gemeinsam für Erinnerung und Vielfalt“ Enten-Arena, Ulrichstraße 38, MZ-Bretzenheim 27. Januar – 20 Uhr Musikalisch-szenische Lesung des GOJ-T-A-TR „Ich möchte den Himmel mit Händen fassen“ Mainzer Kammerspiele, Malakoff Passage, Mainz 28. und 31. Januar jeweils 11 und 19 Uhr Stadeührungen durch das jüdische Mainz 29. Januar – 19.05 Uhr Offenes Podiumsgespräch mit Oswald Marschall „Was ich schon immer mal über SinU und Roma wissen wollte“ Haus des Erinnerns, Flachsmarktstraße 36, Mainz 1. Februar – 15.30 Uhr StadionakUon beim Spiel Mainz 05 vs. Bayern München OPEL ARENA, Eugen-Salomon-Straße 1, Mainz 11. Februar – 19.05 Uhr Zeitzeugenvortrag Esther Bejarano mit Hip-Hop-Konzert KUZ, Dagobertstraße 20b, Mainz. Veranstaltet von FC Ente Bagdad in Zusammenarbeit mit dem 1. FSV Mainz 05, dem Fanprojekt Mainz, den Supporters Mainz und dem Q-Block.
14.September 2019

14.September 2019 Lesung ”Hotel Dellbrück” Autor Michael Göring

Dezember 1938: Sigmund, 15 Jahre alt, sitzt im Zug nach England. Sigmund ist Jude, Waisenkind, aufgewachsen im Hotel Dellbrück, dem Bahnhofshotel einer westfälischen Kleinstadt. Mit dem Kindertransport kommt er nach Cornwall, wo er von einem methodistischen Ehepaar aufgenommen wird. Hier überlebt er den Krieg und den Holocaust, studiert und wird Lehrer. 1949 entscheidet sich Sigmund für die Rückkehr nach Deutschland. Er unterrichtet an derselben Schule, an der er 12 Jahre zuvor als „Judenlümmel“ schikaniert wurde. Sigmund heiratet Maria, die Tochter des Hoteliers Tono Dellbrück, mit der er vor seiner Flucht nach England aufgewachsen ist. Doch Sigmund fällt es schwer, im Nachkriegsdeutschland heimisch zu werden. Auch sein Sohn Friedemann, der 1955 auf die Welt kommt, ist lange auf der Suche nach Heimat und Bindung. Nach dem Abitur fährt er 1975 mit dem Magic Bus das erste Mal nach Indien, später lebt er eine Zeit in Poona und zieht Anfang der 1990er Jahre mit seiner Freundin Cleo nach Australien. Der Ankerpunkt in Deutschland bleibt das alte Hotel Dellbrück. Als Frido 2018 auf Besuch in Deutschland vor dem Hotel steht, ist es ein Flüchtlingswohnheim. Unerwartet stark empfindet der jetzt 63-jährige die Kräfte des Ortes, der ihn und seinen Vater einst so sehr geprägt hat. Der Gang durch das ehemalige Hotel verändert Fridos Leben. Göring greift in diesem Roman erneut zu großen Themen und erzählt sie spannend, einfühlsam und mit leichter Hand: Wie sehr prägt das Schicksal des jüdischen Vaters, der zwischen Schuld- und Hassgefühlen nicht zur Ruhe kommt, den Sohn Frido? Wo findet man Heimat? Wie meistert der Einzelne die Sehnsucht nach Spiritualität und Bindung? Frido stellt die Frage radikal: Wann macht das Leben Sinn? Und wie zuvor Sigmund erlebt auch Frido, wie wichtig es ist, den rechten Moment nicht zu verpassen, wenn man mutig springen und sich Unbekanntem öffnen muss.
7. September 2019

7. September 2019 Lesung und Vortrag des Autors Prof. Dr. Friedrich-Wilhelm von Hase „Hitlers Rache”

Hitlers Rache: Das Stauffenberg-Attentat und seine Folgen für die Familien der Verschwörer 20. Juli 1944. Stauffenberg zündet eine Bombe, um Hitler zu töten. In Berlin läuft der Putsch Walküre an. Wehrmachtkommandant Paul von Hase soll das Regierungsviertel abriegeln. Erstmals veröffentlicht nun sein Sohn, Friederich-Wilhelm von Hase ein Cousin Dietrich Bonhoeffers, Berichte aus dem Familienarchiv. Zusammen mit berührenden Schilderungen der Angehörigen des Grafen Stauffenberg und weiterer Widerständler wird die bisher wenig bekannte menschliche Dimension des Attentats für die Familien deutlich. Ergänzend erläutern Experten geschichtliche Hintergründe, darunter die wenig bekannte christliche Motivation der Verschwörer.
19.Mai 2019

19. Mai 2019 Holocaust-Überlebende Erna de Vries ”Ich wollte noch einmal die Sonne sehen”

Herzlichen Dank, an Erna de Vries für ihre bewegenden Worte „Ich wollte noch einmal die Sonne sehen” über ihr schweres Schicksal in Auschwitz-Birkenau. Die letzten Worte ihrer geliebten Mutter „Du wirst überleben und erzählen was man mit uns gemacht hat” Vielen herzlichen Dank an Prof. Wolfgang Hempel der diese wichtige Veranstaltung möglich gemacht hat. Vielen Dank an Jens Vogel für seine Hilfsbereitschaft! 19. Mai 2019 im Verein Deutscher Sinti e.V. Minden Vielen Dank! an unsere Gäste und Freunde! Lieber Romani, ich will Dir gegenüber meinen aufrichtigen Dank aussprechen das Du am Sonntag an unsere Veranstaltung in Minden teilgenommen hast. Ich weiß, dass Du die ganze Woche unterwegs gewesen bist, das Du dann am Samstag von Heidelberg nach Minden kommst um an unsere Veranstaltung mit einer der letzten Zeitzeuginnen der Holocaust-Überlebenden Erna de Vries teilnimmst, das ist bemerkenswert und keine Selbstverständlichkeit. Da ich dein Arbeitspensum seit Jahren kenne und Du jeden Tag unsere Arbeit gegen all nur erdenklichen Widerständen voran bringst kann ich sagen das Du noch das gleiche Feuer verspürst wie in jungen Jahren, deshalb freue ich mich auf die nächsten Jahre unserer Zusammenarbeit! Ich bin Stolz sagen zu dürfen, das wir beide Freunde sind!
2. April 2019

2. April 2019 Veranstaltung im Rahmen der Frühjahrstagung Child Survivors Überlebende Kinder der Shoah

29. März 2019

29. März 2019 Ehrung Dr. Laudris Hölscher

Sinti und Roma ehren langjährigen deutschen Generalkonsul in Krakau, Dr. Laurids Hölscher und seine Ehefrau Lee Elisabeth Hölscher-Langner für ihr herausragendes persönliches Engagement für Überlebende des Holocaust Das Ehepaar Hölscher engagiert sich seit seiner Ankunft in Polen im Jahr 1991, als Dr. Laurids Hölscher Generalkonsul der BRD in Krakau wurde, für die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft, darunter auch viele Holocaustüberlebende der Sinti und Roma. Als Organisatorin eines Freiwilligendienstes in Krakau und Umgebung hat Frau Hölscher-Langner es sich zur Aufgabe gemacht, den oft in Isolation und Armut lebenden ehemaligen Häftlingen der Konzentrations- und Vernichtungslager bei der Bewältigung ihres Alltags zu helfen und ihnen in ihren letzten Lebensjahren oder Monaten beizustehen. Dabei wird sie von Jugendlichen aus ganz Europa unterstützt, die ihr vor allem die Dresdner „Initiative Christen für Europa“ (ICE) vermittelt. Am 6. Oktober 2008 zeichnete der Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland Frau Hölscher-Langner in Anerkennung ihrer Verdienste insbesondere für die polnischen Überlebenden des Holocaust mit dem Verdienstkreuz 1. Klasse aus. In Polen wird das ehrenamtliche Engagement des Ehepaares Hölscher schon seit Jahren sehr positiv zu Kenntnis genommen. Beide sind seit 2016 „Ehrenbürger von Proszowice“ und wurden 2018 mit der Verdienstmedaille „Polonia Minor“ ausgezeichnet. Seit vielen Jahren lädt das Ehepaar Hölscher überdies anlässlich des Internationalen Roma Gedenktages am 2. August Überlebende der Sinti und Roma aus Deutschland in ihr Haus in Krakau ein und ermöglicht dort eine Begegnung mit jungen Menschen aus aller Welt. Für die Überlebenden ist diese Einladung ein wichtiges Zeichen der Wertschätzung. Die Familie von Dr. Laurids Hölscher ist der Stadt Heidelberg seit vielen Generationen eng verbunden.
27.März 2019

27. März 2019 Rom Archive

Die Projektinitiatorinnen Franziska Sauerbrey und Isabel Raabe, die Kulturstiftung des Bundes, die Bundeszentrale für politische Bildung und das Dokumentations-und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma haben sich darauf verständigt, dass das Heidelberger Zentrum das RomArchive übernehmen wird, nachdem ursprünglich das in Berlin ansässige Europäische Roma-Institut für Kunst und Kultur (ERIAC) als zukünftige Trägerinstitution vorgesehen war. Als wissenschaftliche Facheinrichtung des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma verfügt das bereits in den 1990er Jahren gegründete Dokumentationszentrum über jahrelange Forschungserfahrung, ein europaweites Netzwerk und die nötige politische Reputation, um das umfangreiche RomArchive künftig erfolgreich führen zu können. Sowohl das Dokumentationszentrum als auch das ERIAC betonen ihr Interesse an einer engen Zusammenarbeit bei der Weiterentwicklung des RomArchive. Der Übernahmevertrag wurde am 27. März 2019 von Romani Rose für das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma unterzeichnet. „Mit der Übernahme der Trägerschaft des Projekts RomArchive unterstreicht das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma, wie wichtig es ist, die vielfältigen kulturellen Beiträge, die Angehörige unserer Minderheit in ganz Europa geleistet haben und immer noch leisten, sichtbar zu machen“, betont Romani Rose. „Denn nur durch die Dokumentation des kulturellen Erbes von Sinti und Roma und der Verdeutlichung des hohen Werts dieser lange ausgegrenzten Kultur kann der Antiziganismus bekämpft und wirkungsvoll zurückgedrängt werden.“ Die Projektinitiatorinnen Isabel Raabe und Franziska Sauerbrey freuen sich „mit dem Dokumentationszentrum Deutscher Sinti und Roma eine Institution gefunden zu haben, die den Anforderungen der Anschlussförderung entspricht, und insbesondere, dass das Dokumentationszentrum das Archiv ausbauen und weiterwachsen lassen möchte. Wir sind sehr gespannt auf die weitere Entwicklung von RomArchive.“ RomArchive, das digitale Archiv der Sinti und Roma ist online unter www.romarchive.eu zugänglich. Ausführliche Bildbeschreibung: Foto von der Vertragsunterzeichnung am 27. März 2019 (c) Nihad Nino Pušija, v.l.n.r., vorne: Isabel Raabe (RomArchive – Digitales Archiv der Sinti und Roma), Romani Rose (Zentralrat Deutscher Sinti und Roma), Franziska Sauerbrey (RomArchive – Digitales Archiv der Sinti und Roma); hinten: Emran Elmazi (Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma), Oswald Marschall (Zentralrat Deutscher Sinti und Roma), Hortensia Völckers (Kulturstiftung des Bundes), Kirsten Haß (Kulturstiftung des Bundes), Herbert Heuß (Zentralrat Deutscher Sinti und Roma
11. Januar 2019

11. Januar 2019 Sinti – Roma – Sport – Ausstellung im Rahmen der Veranstaltung Nie wieder des diesjährigen Mottos ”Erinnern reicht nicht” in Frankfurt

14. Dezember 2018

14. Dezember 2018 Pressemitteilung Erhalt der Gräber

Pressemitteilung Zentralrat Deutscher Sinti und Roma 14.12.2018 Romani Rose: Ein historischer Tag für die Minderheit Heute wurde im Rahmen eines feierlichen Staatsaktes im Bundesrat anlässlich des jährlichen Gedenkens an den NS-Völkermord an den Sinti und Roma die „Bund-Länder-Vereinbarung betreffend den Erhalt der Gräber der unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft verfolgten Sinti und Roma“ durch Bundesministerin Dr. Giffey für die Bundesregierung unterzeichnet. Zuvor hatten am 5. Dezember 2018 die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten der Länder während der Ministerpräsidentenkonferenz in Berlin die Vereinbarung gezeichnet. Mit dieser Vereinbarung wurde der am 8. Dezember 2016 durch die Bundeskanzlerin und die Regierungschefinnen und –chefs der Länder verabschiedete Beschluss zum dauerhaften Erhalt der Grabstätten jetzt in eine bundeseinheitliche Regelung umgesetzt, die mit der heutigen Unterzeichnung in Kraft tritt. An der feierlichen Unterzeichnung der Bund-Länder-Vereinbarung nahmen neben Bundesratspräsident Daniel Günther, Bundesministerin Dr. Giffey und dem Vorsitzenden des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten der Länder, Vertreter der beiden großen Kirchen und des Städtetags, die Vorstände des Zentralrats und seiner Landesverbände sowie Überlebende des Holocaust teil. „Nach den langen Verhandlungen des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma mit Bund, Ländern und Kommunen ist der heutige Tag für den Zentralrat und für die gesamte Minderheit ein historisches Datum. Mit dieser Vereinbarung werden die Grabstätten von Überlebenden des NS-Völkermords in den Kommunen und in den Städten als Familiengedächtnisstätten und als öffentliche Lernorte für die nachkommenden Generationen dauerhaft erhalten. Mit dem Erhalt der Grabstätten wird das ehrende Gedenken an unsere Menschen, die im Nationalsozialismus verfolgt und ermordet worden sind, gewahrt und an das schlimme Schicksal unserer Minderheit im Holocaust erinnert“, so der Vorsitzende des Zentralrats, Romani Rose, heute im Bundesrat. „Mein Dank gilt der Bundeskanzlerin und allen Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten der Länder und insbesondere dem Deutschen Städtetag sowie den beiden großen Kirchen, die uns bei diesem wichtigen Anliegen geschlossen unterstützt haben. Besonderer Dank gilt Bundesministerin Giffey und den Mitarbeitern ihres Hauses, die die komplexen Verhandlungen zu diesem guten Ergebnis geführt haben“, so Rose weiter. Für die Familien der Sinti und Roma ist der dauerhafte Erhalt der Grabstätten als Familiengedächtnisstätten und als geschützte Gedenkorte von großer Bedeutung, auch weil es für die meisten ihrer im Nationalsozialismus ermordeten Angehörigen nirgendwo eine Grabstelle gibt. Gleichzeitig sind diese Grabstätten Plätze von historischer Bedeutung und, aufgrund ihrer besonderen Geschichte, öffentliche Lernorte vor allem dort, wo mit besonderen Grabinschriften und -tafeln auf das Schicksal der Bestatteten hingewiesen wird. Ihr Erhalt liegt insofern nicht nur im Interesse der betroffenen Familien, sondern ist ein grundlegender Beitrag für die politische Bildungsarbeit und die deutsche Erinnerungskultur. „Unsere Gräber sind die letzten Spuren derer,die die Schrecken des Holocaust überlebt haben. Sie sind die Zeugen des Völkermords an den Sinti und Roma und als solche ein Vermächtnis für unsere Demokratie und unseren Rechtsstaat“, so der Zentralratsvorsitzende.
22. November 2018

22. November 2018 Ehrung für Prof. Wolfgang Hempel durch Dr.h.c. Hinrich Enderlein anlässlich des 50-jährigen Jubiläums in der FDP Gaggenau

29. Juni 2018

29. Juni 2018 Kontinuierlicher Dialog: Gespräch des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma mit dem ZDF über rassistische Diskurse in der deutschen Öffentlichkeit

Kontinuierlicher Dialog: Gespräch des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma mit dem ZDF über rassistische Diskurse in der deutschen Öffentlichkeit. Der Stv. Chefredakteur des ZDF, Elmar Theveßen, und der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, blicken mit großer Sorge auf den zunehmenden Rassismus und Rechtspopulismus im medialen Diskurs in Deutschland. Die Medien haben eine große Verantwortung für den Schutz der demokratischen Gesellschaft und insbesondere für den Schutz vor Diskriminierung von Minderheiten in der medialen Repräsentation. Dies wurde deutlich im Gespräch der ZDF-Leitung mit einer 30-köpfigen Delegation des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma und dessen Landesverbände am 29. Juni 2018 im ZDF-Hauptsitz in Mainz. Das ZDF führt seit Jahren den Dialog mit dem Zentralrat in Form von Redaktionsgesprächen. Die Sendung „Drehscheibe“ brachte als erste in ihrer Reihe „Drehscheibe“ eine Serie von Portraits mit deutschen Sinti oder Roma, u.a. mit dem Dirigenten der Roma-Philharmoniker, Riccardo M Sahiti. Der stellvertretende Vorsitzende des Dokumentationszentrums, Oswald Marschall, unterstrich die Bedeutung der medialen Darstellung, durch die das Bild der Mehrheitsgesellschaft von der Minderheit immens beeinflusst wird und die – wie das Beispiel des antiziganistischen Films „Nellys Abenteuer“ (ARD) zeigte, oftmals von stigmatisierenden Klischees geprägt ist. „Umso wichtiger sei der Anspruch des ZDF, Sinti und Roma in Deutschland als selbstverständlichen Teil der Bevölkerung zu zeigen und dies in allen Fernsehformaten des ZDF“, so Marschall. Der Zentralrat sieht sich nach wie vor mit schwierigen Auseinandersetzungen und fehlendem Bewusstsein für Antiziganismus in zahlreichen öffentlich-rechtlichen wie auch privaten Sendern konfrontiert. Kritisch betrachtet wurden von Sender und Zentralrat die Änderungen des Pressekodexes durch den Deutschen Presserat, welche die eindeutigen Richtlinien für Journalisten aufweichen. Deutlich wurde bei diesem Gespräch jedoch, dass Medien ihre vielfältigen Formate und Möglichkeiten nutzen können, um eine ausgewogene, vorurteilsfreie und positive Berichterstattung über Minderheiten und Diversität in der Gesellschaft zu gewährleisten. Nach Ansicht des Zentralrats sollten insbesondere die 600-jährige Geschichte der Sinti und Roma in Deutschland, wie auch Antiziganismus in den Medien als fester Bestandteil in der Aus- und Weiterbildung für Journalisten bei der ARD/ZDF-Medienakademie aufgenommen werden.
1. Juni 2018

1. Juni 2018 Schauspieler Ulrich von Dobschütz und Prof. Wolfgang Hempel

13.April 2028

13. April 2018 Lesung ”VERFEMT – VERFOLGT – VERRATEN” Abriss meines Lebens Horst Selbiger

Dies ist die unglaubliche, wahre Lebensgeschichte des jüdischen Mitbürgers Horst Selbiger, der in drei Regimen gegen Widerstände um sein Leben und seine Existenz kämpfte. In keiner Gesellschafts- und Herrschaftsform wurde ihm Gerechtigkeit zuteil! Und so wurde er selbst zum Gerechten, der heute unaufgeregt und neutral die unglaubliche Lebensgeschichte unseres jüdischen Mitbürgers erzählt- damit Gerechtigkeit Gerechtigkeit bleiben kann und dies keiner Generation mehr widerfahren kann. Die junge Generation hört ihm aufmerksam und mit großem Staunen zu. Text aus seinem neu erschienenen Buch.
14. November 2017

14. November 2017 Zeitzeugengespräch Auschwitz-Überlebender Natan Grossmann

Zeitzeugengespräch Auschwitz-Überlebender Natan Grossmann geb.1927 in Zgierz bei Lódz mit Schülerinnen und Schüler aus Weißrussland am 14.11.2017 im Verein Deutscher Sinti e.V. Minden
11.11.2017

11.11.2017 „…überhaupt fehlst Du mir sehr.„ Der Briefwechsel von Manuel Goldschmidt und Claus Victor Bock (1945-1951)

Herzlichen Dank an Prof.e.h. Wolfgang Hempel, Wilhelm-Fraenger-Gesellschaft Potsdam für die Organisation der Vorstellungsreise in Minden,Petershagen,Hamburg,Berlin,Weimar,Halberstadt und Heidelberg, um uns einen faszinierenden Einblick in die geschlossene Welt des Frommel-Kreises zu geben.
2. November 2017

2. November 2017 ”Selbstverständnis Minderheiten”

Vortrag von Herrn BA Koschyk ‚Selbstverständnis Minderheiten. Was versteht man unter einer autochthonen, nationalen Minderheit/Volksgruppe‘ am 2. November 2017 in Minden Für die heutige Einladung zu Ihrer Veranstaltung danke ich sehr herzlich. Ich freue mich, Ihnen die Grüße der Bundesregierung und hier insbesondere meines Interims-Nachfolgers im Amt des Beauftragten für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Herrn Parlamentarischen Staatssekretärs Dr. Günter Krings MdB, zu übermitteln, der nach meinem Ausscheiden bis zur Berufung einer Nachfolgerin oder eines Nachfolgers durch die künftige Bundesregierung die Amtsgeschäfte führt. Dem Wunsch heute zum Thema „Selbstverständnis Minderheiten. Was versteht man unter einer autochthonen, nationalen Minderheit/Volksgruppe“ vorzutragen komme ich gern nach, denn in meiner Zeit als Beauftragter ist mir klar geworden, dass nicht nur die Mehrheitsbevölkerung unter einem Informationsdefizit hinsichtlich der nationalen Minderheiten in Deutschland leidet. Auch bei den Angehörigen dieser Minderheiten und Sprachgruppen herrscht gelegentlich kein klares Bild über ihren Status, ihre gesellschaftliche Einbindung und ihre Möglichkeiten der Teilhabe. Die Angehörigen der nationalen Minderheiten in Deutschland sind ein wichtiger Teil der deutschen Gesellschaft. Sie bewahren jahrhundertealte Sitten und Gebräuche sowie ihre eigenen Sprachen, die ihre kulturelle Identität ausmachen. Sie benötigen nicht nur die Unterstützung der Mehrheitskultur in Deutschland, sondern auch politische Unterstützung für die Umsetzung ihrer Anliegen. In Deutschland leben vier anerkannte nationale Minderheiten: die dänische Minderheit im Norden Schleswig-Holsteins, die friesische Volksgruppe im Nordwesten Schleswig-Holsteins und im nordwestlichen Niedersachsen, das sorbische Volk im Südosten Brandenburgs und im östlichen Sachsen sowie die deutschen Sinti und Roma, die traditionell – meist in kleinerer Zahl – nahezu in ganz Deutschland leben. Als nationale Minderheiten hat die Bundesrepublik Deutschland jene Bevölkerungsgruppen anerkannt, die folgende Kriterien erfüllen: • ihre Angehörigen sind deutsche Staatsangehörige, • sie unterscheiden sich vom Mehrheitsvolk durch eine eigene Sprache, Kultur und Geschichte, also durch eine eigene Identität, • sie wollen diese Identität bewahren, • sie sind traditionell – also in der Regel seit Jahrhunderten – in Deutschland heimisch und • sie leben innerhalb Deutschlands in angestammten Siedlungsgebieten. Das Merkmal der traditionellen Ansiedlung auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland unterscheidet die nationalen Minderheiten von Zuwanderergruppen, die nicht traditionell in Deutschland heimisch sind. Ethnische Gruppen von Migranten und deren Nachfahren haben daher in Deutschland nicht den Status einer nationalen Minderheit. Die Angehörigen der nationalen Minderheiten sind deutsche Staatsangehörige. Sie genießen alle Rechte und Freiheiten des Grundgesetzes ohne Beschränkung. Das Bekenntnis zu einer der nationalen Minderheiten ist frei. Die Zugehörigkeit zu einer Minderheit ist die persönliche Entscheidung eines jeden Einzelnen, die von Staats wegen nicht registriert, überprüft oder bestritten wird. Jede der vier nationalen Minderheiten definiert sich vor allem über ihre eigene Sprache. Sie ist identitätsstiftend und daher von besonderer Bedeutung für die Minderheiten. Deshalb genießen die sechs Minderheitensprachen in Deutschland – Dänisch, Nordfriesisch, Saterfriesisch, Romanes, Niedersorbisch und Obersorbisch einen besonderen Schutz. Als eigenständige Sprache ebenfalls geschützt wird die Regionalsprache Niederdeutsch, die in acht der sechzehn Bundesländer gesprochen wird. Der besondere rechtliche Status der nationalen Minderheiten und ihrer Sprachen sowie der Regionalsprache Niederdeutsch beruht im Wesentlichen auf dem Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte der Vereinten Nationen sowie auf zwei Abkommen des Europarates, die in Deutschland Verbindlichkeit genießen: dem Rahmenübereinkommen zum Schutz nationaler Minderheiten und der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen. Ein Meilenstein zur verbindlichen Festschreibung von Minderheitenrechten war der Internationale Pakt über bürgerliche und politische Rechte der Vereinten Nationen von 1966, in dessen Artikeln 26 und 27 – also unmittelbar aufeinanderfolgend – geregelt ist: Art. 26: „Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich und haben ohne Diskriminierung Anspruch auf gleichen Schutz durch das Gesetz. In dieser Hinsicht hat das Gesetz jede Diskriminierung zu verbieten und allen Menschen gegen jede Diskriminierung, wie insbesondere wegen der Rasse, der Hautfarbe, des Geschlechts, der Sprache, der Religion, der politischen oder sonstigen Anschauung, der nationalen oder sozialen Herkunft, des Vermögens, der Geburt oder des sonstigen Status, gleichen und wirksamen Schutz zu gewährleisten.“ Art. 27: „In Staaten mit ethnischen, religiösen oder sprachlichen Minderheiten darf Angehörigen solcher Minderheiten nicht das Recht vorenthalten werden, gemeinsam mit anderen Angehörigen ihrer Gruppe ihr eigenes kulturelles Leben zu pflegen, ihre eigene Religion zu bekennen und auszuüben oder sich ihrer eigenen Sprache zu bedienen.“ Das Rahmenübereinkommen zum Schutz nationaler Minderheiten verbietet jede Diskriminierung einer Person wegen ihrer Zugehörigkeit zu einer nationalen Minderheit sowie eine Assimilierung gegen ihren Willen. Aus der Zugehörigkeit zu einer nationalen Minderheit dürfen einer Person keine Nachteile erwachsen. Das Rahmenübereinkommen verpflichtet die Vertragsstaaten insbesondere zum Schutz derjenigen Freiheitsrechte, die für die Angehörigen nationaler Minderheiten von besonderer Bedeutung sind: Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit, Meinungsfreiheit sowie Gewissens- und Religionsfreiheit. Darüber hinaus verpflichtet das Abkommen zu umfangreichen Fördermaßnahmen im Bereich der Bildung, der Kultur, des Schulwesens und des gesellschaftlichen Lebens. Die Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen des Europarats knüpft an das unveräußerliche Recht der Menschen an, sich im privaten und öffentlichen Leben ihrer eigenen Regional- und Minderheitensprachen zu bedienen. Die Sprachencharta sieht Schutz- und Fördermaßnahmen zugunsten dieser Sprachen vor. Sie beziehen sich etwa auf das Bildungswesen, auf die Verwendung der Sprachen in Gerichtsverfahren, vor Verwaltungsbehörden, in Rundfunk und Presse, bei kulturellen Tätigkeiten und Einrichtungen sowie im wirtschaftlichen und sozialen Leben. Der in beiden Abkommen festgeschriebene Schutz wird durch Gesetze und Verwaltungshandeln auf Bundes- und auf Landesebene konkretisiert und umgesetzt. Eine besondere Bedeutung hat in diesem Zusammenhang die finanzielle Förderung der nationalen Minderheiten durch den Bund und die Länder. Alle vier nationalen Minderheiten in Deutschland erhalten von der Bundesregierung finanzielle Mittel zur Pflege ihrer Sprache und Kultur. Auch die Bundesländer, in denen die Minderheiten traditionell heimisch sind, tragen mit eigenen Finanzmitteln zur Förderung der nationalen Minderheiten bei. Die Regionalsprache Niederdeutsch wird ebenfalls vom Bund und den Ländern finanziell gefördert. Die Umsetzung des Rahmenübereinkommens und der Sprachencharta werden durch jährliche Implementierungskonferenzen begleitet, die im Bundesministerium des Innern stattfinden. Teilnehmer sind die mit dem Minderheitenschutz und den Minderheiten- und Regionalsprachen befassten Bundesministerien, die bei den Ländern federführend zuständigen Landesbehörden, Vertreter der Dachverbände der durch die beiden Abkommen geschützten Minderheiten bzw. Sprechergruppen und deren wissenschaftliche Institutionen sowie Vertreter des Europarates. Neben der finanziellen Förderung und weiteren Fördermaßnahmen nichtfinanzieller Art sind für die nationalen Minderheiten aber auch regelmäßige Kontakte zu Regierung und Parlament von großer Bedeutung. Eine besondere Rolle kommt hierbei dem Beauftragten der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten zu. Das Amt des Beauftragten der Bundesregierung für Aussiedlerfragen wurde 1988 eingerichtet und am Bundesministerium des Innern angesiedelt. 2002 wurde das Amt durch die Beauftragung für die nationalen Minderheiten ergänzt und die Titulatur entsprechend erweitert. Mit dem Beauftragten gibt es einen Ansprechpartner, der die Bundesregierung gegenüber den nationalen Minderheiten vertritt. Er vertritt aber auch die Interessen und Belange der nationalen Minderheiten und der niederdeutschen Sprachgruppe auf bundespolitischer Ebene und wirbt in der Öffentlichkeit für ihre Akzeptanz und Anerkennung, ist also Schaltstelle zwischen Bundesregierung, Parlament und Minderheitenverbänden. Der regelmäßige Austausch der nationalen Minderheiten mit Politik und Verwaltung ist, durch die beim Bundesministerium des Innern angesiedelten sogenannten Beratenden Ausschüsse institutionalisiert worden. Sie kommen in der Regel einmal jährlich zusammen. Ein solcher Beratender Ausschuss ist für jede der vier nationalen Minderheiten sowie für die niederdeutsche Sprachgruppe eingerichtet worden. In den Beratenden Ausschüssen sitzen jeweils Vertreter der Minderheitenverbände, der Bundesregierung und derjenigen Bundesländer, in denen die jeweilige Bevölkerungsgruppe traditionell heimisch ist. Außerdem nehmen regelmäßig Bundestagsabgeordnete aller Fraktionen an den Sitzungen teil. Die nationalen Minderheiten in Deutschland haben damit jeweils ein eigenes Forum, in dem sie ihre Belange gegenüber Vertretern von Regierung und Parlament vorbringen können und in dem gemeinsam Lösungen für ihre Anliegen erörtert und initiiert werden können. Im März 2015 konnten wir nach langen Beratungen endlich beim Bundesministerium des Innern den Beratenden Ausschuss für die deutschen Sinti und Roma einrichten. Dieses Gremium bietet die Gelegenheit zum unmittelbaren Austausch zwischen Vertretern der Sinti und Roma, Mitgliedern des Deutschen Bundestages sowie Vertretern der deutschen Bundesländer. Ich bin dem Bundesminister des Innern, Herrn Dr. Thomas de Maizière, sehr dankbar dafür, dass er die Konstituierung dieses Beratenden Ausschusses selbst vorgenommen und die erste Sitzung eingangs selbst geleitet hat. Mit dem Beratenden Ausschuss war auch ein Gremium geschaffen worden, durch das die Forderung nach der Einrichtung einer Expertenkommission für Antiziganismus durch den Deutschen Bundestag verstärkt in die öffentliche Debatte getragen werden konnte. Ich habe seit Beginn meiner Amtszeit als Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten im Januar 2014 stark für dieses berechtigte Anliegen geworben. Nach einem Fachgespräch der Koalitionsfraktionen im Februar 2017, einer diesbezüglichen Diskussion im Gesprächskreis Minderheiten des Innenausschusses des Deutschen Bundestages am 31. Mai 2017 sowie einem Berichterstatter Gespräch im Innenausschuss am 19. Juni 2017 fasste dessen Vorsitzender, Ansgar Heveling MdB, in einem Brief an den Vorsitzenden des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Herrn Romani Rose, das Ergebnis der Beratungen zusammen, wonach eine positive Beschlussfassung des Bundestages gleich zu Beginn der jetzt begonnenen Wahlperiode erfolgen soll. Dieses gilt es in der neuen Wahlperiode auch einzulösen! Die Verbesserung der rechtlichen Rahmenbedingung auf Bundesebene reicht aber nicht aus. Auf allen politischen Ebenen müssen noch große Anstrengungen unternommen werden, um verfestigte Vorurteile vollständig abzubauen und noch bestehende Diskriminierungen zu beseitigen. Ich begrüße es daher sehr, dass die Landesverfassung von Schleswig-Holstein unter seinen zu schützenden nationalen Minderheiten ausdrücklich auch die deutschen Sinti und Roma aufführt. Ebenso wichtig ist, dass die Landesregierungen von Rheinland-Pfalz, Bayern, Bremen, Baden-Württemberg und Hessen mit dem Zentralrat deutscher Sinti und Roma Staatsverträge abgeschlossen haben bzw. abschließen werden, ich würde mich sehr freuen, wenn dieses auch mit den übrigen Bundesländern gelänge. Die Dachverbände der vier nationalen Minderheiten in Deutschland haben sich darüber hinaus zusammen im Minderheitenrat organisiert. Der Minderheitenrat vertritt die gemeinsamen Interessen der vier nationalen Minderheiten in grundsätzlichen Angelegenheiten gegenüber der Bundesregierung und dem Deutschen Bundestag. Der Minderheitenrat wird bei seinen Aufgaben unterstützt durch ein Minderheitensekretariat mit Sitz in Berlin, das auch eine umfassende Öffentlichkeitsarbeit für die vier nationalen Minderheiten in Deutschland betreibt. Die nationalen Minderheiten in Deutschland haben sich auf diese Weise zu starken Selbstorganisationen entwickelt, die auch auf der politischen Ebene zu wichtigen Akteuren geworden sind. Sie genießen in Deutschland ein vergleichsweise hohes Ansehen und sind als Partner der politisch Verantwortlichen unverzichtbar. Die Achtung und die Förderung der nationalen Minderheiten in Deutschland sind sowohl für den Bund als auch für die Länder eine wichtige Aufgabe. Der Schutz der in Deutschland lebenden nationalen Minderheiten durch Förderung ihrer kulturellen und sprachlichen Identität trägt zur kulturellen Vielfalt Deutschlands bei. Kulturelle Vielfalt wiederum fördert Toleranz, welche unabdingbar für eine gelebte pluralistische Demokratie ist. Nicht nur für den innerstaatlichen Frieden, auch für die friedlichen Beziehungen zu anderen Staaten kann eine gute Minderheitenpolitik von erheblicher Bedeutung sein. Ein Blick in die Geschichtsbücher zeigt, dass unzählige Konflikte, Krisen und Kriege in Unterdrückung und Verfolgung von Minderheiten wurzeln. Viele nationale Minderheiten in Europa siedeln diesseits und jenseits von Staatsgrenzen. Die Unterdrückung einer Minderheit diesseits der Grenze führt häufig zu Irritationen im Nachbarstaat mit der Folge, dass die dort lebende Minderheit ebenfalls beeinträchtigt wird. Ein gutes Beispiel für eine gelungene grenzüberschreitende Friedenspolitik ist das Miteinander und die gelungene Integration der deutschen Minderheit im dänischen Nordschleswig und der dänischen Minderheit im deutschen Südschleswig. Es ist deshalb fast vergessen, dass die sogenannte „Schleswig-Holstein-Frage“ zwischen Deutschland und Dänemark noch im 19. Jahrhundert zu den schwierigsten Problemen der europäischen Politik gehörte. Eine erfolgreiche Minderheitenpolitik trägt dazu bei, dass nationale Minderheiten sich selbst als gleichberechtigten Teil der Gesellschaft sehen und von der Mehrheitsbevölkerung als selbstverständlicher Teil des Staatsvolkes wahrgenommen werden. Sie ist daher ein wichtiges Instrument, um den Zusammenhalt unserer Gesellschaft sicherzustellen. Eine solche Wahrnehmung der nationalen Minderheiten durch die Mehrheitsbevölkerung kann auch beispielgebend sein für die Akzeptanz der in jüngster Zeit nach Deutschland gekommenen schutzbedürftigen Flüchtlinge zusammengefasst bedeutet dies: gut integrierte Minderheiten bereichern das kulturelle und gesellschaftliche Leben, garantieren den demokratischen Frieden innerhalb des Landes und fördern die friedlichen Beziehungen zu den Nachbarstaaten. Dass das so bleibt und sich mit der geschilderten staatlichen Unterstützung positiv weiter entwickeln wird, setzt starke Selbstorganisationen bei den Minderheiten voraus, die diesen Weg gemeinschaftlich mitgehen wollen. Wenn wir zu Recht immer wieder betonen, dass Minderheitenschutz immer auch präventive Friedenspolitik ist, so verwundert es doch sehr, dass ausgerechnet im Gemeinschaftsrecht der Europäischen Union, dieses historisch einzigartigen Friedensprojekts, der Minderheitenschutz nur eine sehr geringe Rolle spielt. Um dem abzuhelfen, hat die Föderalistische Union Europäischer Nationalitäten (FUEN) gemeinsam mit der Demokratischen Allianz der Ungarn in Rumänien, der Südtiroler Volkspartei und der Jugend Europäischer Volksgruppen die Europäische Bürgerinitiative „Minority SafePack“ auf den Weg gebracht und gegen den Widerstand der früheren EUKommission auch durchgesetzt. Nun gilt es, die notwendige Million von Unterschriften zu sammeln. Ich möchte an Sie alle den Appell der Unterstützung dieser großartigen Initiative richten. Der Schutz und die Förderung der nationalen Minderheiten ist daher in Deutschland eine wichtige politische und gesellschaftliche Aufgabe, die auch in Zukunft nichts von ihrer Bedeutung verlieren darf. Es ist mir wirklich ein großes Anliegen, zum Abschluss dem Verein Deutscher Sinti Minden e.V. für die Einladung zu dieser Veranstaltung sowie für die Möglichkeit, zu Ihnen zu sprechen, ganz herzlich zu danken, stellvertretend für alle Mitstreiterinnen und Mitstreitern dem Vereinsvorsitzenden Herrn Oswald Marschall sowie den beiden stellvertretenden Vereinsvorsitzenden Frau Carmen Marschall-Strauss und Herrn Dr. Silvio Peritore. Ich nutze auch gerne die Anwesenheit des Vorsitzenden des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Herrn Romani Rose, mich bei ihm für die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit, die mich mit ihm und dem ganzen Zentralrat in den letzten vier Jahren verband, zu bedanken.
5.Oktober 2017

5. Oktober 2017 Workshop Förderschule Minden

5.Oktober 2017

5. Oktober 2017 Besuch von Prof. Guy Stern und Prof.Wolfgang Hempel im Verein Deutscher Sinti e.V. Minden

22. April 2017 Lesung Jacqueline Roussety ”Wenn das der Führer Sähe”

23. März 2017

23. März 2017 Kooperationsvereinbarung mit der Kurt-Tucholsky-Gesamtschule Minden und dem Verein Deutscher Sinti e.V. Minden unterzeichnet.

Verfasst von Dieter Stuke. Kooperationsvereinbarung zwischen der KTG und dem Bildungszentrum „Mer Ketne“ unterzeichnet Endlich ist es so weit. Nach fast einem Jahr erfolgreicher, inoffizieller Zusammenarbeit, unter anderem bei der Vorbereitung des Holocaust Gedenktages, haben wir mit Unterstützung durch die Bildungspartner NRW am 23.03.2017 eine Kooperation mit dem Bildungszentrum „Mer Ketne“ und dem Dokumentationszentrum Sinti und Roma in Heidelberg geschlossen. Ziel der Vereinbarung ist es, auch zukünftig mit Schülerinnen und Schülern in den Themenbereichen Verfolgung, Ausgrenzung, Integration, Menschen- und Bürgerrechte intensiv und exemplarisch die Geschichte der Sinti und Roma in Deutschland aufzuarbeiten. Die lokale Initiative von Oswald und Carmen Marschall, unterstützt durch den Vorsitzenden des Zentralrats der Sinti und Roma, Romani Rose, bereichert die Schule mit Informationen, lebhaften Diskussionen und historischen Material. Wir freuen uns über die zukünftige Zusammenarbeit, besonders im Interesse der Schülerinnen und Schüler.
5.März 2017

5.März 2017 Besuch von Prof. Dr. Julius Schoeps Moses-Mendelssohn-Zentrum Potsdam

v.l. Tanja Cummings Filmemacherin LINIE 41 Berlin, Nina Pape GCJZ Minden, Pfarrer Andreas Brügmann St.Simeonis Minden, Prof. Dr. Julius Schoeps Moses-Mendelssohn-Zentrum Potsdam, Wolfgang Battermann Alte Synagoge Petershagen, Oswald Marschall, Pfarrer Bernhard Speller u. Susanne Speller Minden, Prof. e.h. Wolfgang Hempel Fraenger Gesellschaft Potsdam.
29.10.2016

29.Oktober 2016 Eröffnung Bildungszentrum

Am Samstag, den 29. Oktober 2016 eröffnete das neue Bildungszentrum in Minden, ein Begegnungsort von Sinti und Roma sowie anderen interessierten Mindener/-innen. Oswald Marschall, Vorsitzender des Sinti Vereins Minden e.V., setzt sich seit vielen Jahren für die Anliegen von Sinti und Roma in Deutschland ein. Mit dem neuen Bildungszentrum unter seiner Leitung sollen Sinti und Roma vor Ort angesprochen, ihr Selbstbewusstsein gestärkt und die Mehrheitsgesellschaft, Politik und Behörden, für die Anliegen und Wünsche der deutschen Sinti und Roma sensibilisiert werden. Neben viel Prominenz wie Vize-Ministerpräsidentin des Landes Nordrhein-Westfalen, Sylvia Löhrmann und dem Vizepräsidenten der Evangelischen Kirche von Westfalen, Albert Henz, trafen sich rund 70 Gäste aus Politik, Verbänden, Stiftungen sowie Vertreter/-innen der Kirche, der jüdischen Gemeinde, Interessenvertreter/-innen deutscher Sinti und Roma und interessierte Mindener Bürger/-innen zur Auftaktveranstaltung des Bildungszentrums, um sich darüber auszutauschen, wie die Teilhabe von Sinti und Roma am gesellschaftlichen Leben gewährleistet werden kann. Mit welchen Herausforderungen im täglichen Leben sehen sich Sinti und Roma konfrontiert? Wie kann ein öffentlicher Dialog innerhalb einer Kommune aussehen und wie kann das Engagement von Sinti und Roma unterstützt werden?

Verein Deutscher Sinti e.V. Minden Mer Ketne - Wir zusammen!

Führungen durch die Austellung „Der nationalsozialistische Völkermord an den Sinti und Roma“ Für Schulklassen nach vorheriger Vereinbarung, Sonntag ab 5 Personen nach voheriger Vereinbarung, Feiertags geschlossen. Eintritt frei
Bundesprogramm „Demokratie leben!“ „Demokratie fördern. Vielfalt gestalten. Extremismus vorbeugen“ – das sind die Kernziele des Bundesprogramms „Demokratie leben!“. Dieser inhaltliche Dreiklang ist handlungsleitend.

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