Modellprojekt zur Bildungsförderung von Sinti und Roma
in Minden „Mer Ketne” Wir zusammen! wird gefördert von der Stiftung Erinnerung,Verantwortung, Zukunft (EVZ)

Vortrag von Prof.Dr. Elizabeta Jonuz vom 7. September 2017 im Bildungszentrum Mer Ketne

Wir zusammen!

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Bildungszentrum „Mer Ketne“ startet mit viel Prominenz

Henning Wandel am 31.10.2016 um 00:09 Uhr

Engagierte: Sylvia Löhrmann und Romani Rose sprechen in Minden über die Situation von Sinti und Roma in einem sich verändernden gesellschaftlichen Klima. MT- (© Foto: Henning Wandel)

Minden (mt). Romani Rose will kein Mitleid. Der Vorsitzende des Zentralrates der Deutschen Sinti und Roma tritt bei der Eröffnung des Begegnungszentrums „Mer Ketne“ freundlich und zurückhaltend auf - seine Worte sind dennoch voller Kraft. Soziale Projekte, die am Ende nur die Ghettoisierung vorantreiben? Nein: „Nehmen sie uns endlich ernst“, sagt Rose. Niemand ist mit diesem Appell direkt angesprochen und doch ist klar, dass eine ganze Gesellschaft gemeint ist. Nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa.

Rose sitzt gemeinsam mit der nordrhein-westfälischen Bildungsministerin Sylvia Löhrmann auf dem Podium, umrahmt von einer Ausstellung über den Völkermord an den Sinti und Roma während der Nazizeit. In Minden sollen die Bilder und Dokumente dauerhaft zu sehen sein, die Ausstellung ist gleichsam der Anker für das Bildungs- und Begegnungszentrum, das Oswald und Carmen Marschall in Minden etablieren wollen. Mit Hilfe der EVZ-Stiftung soll hier an der Königsstraße zunächst für zwei Jahre ein Ort geschaffen werden, an dem sich Mehrheit und Minderheit näher kommen, an dem Vorurteile abgebaut werden können

Erste Schritte macht der Verein Mindener Sinti schon am Eröffnungswochenende. Drei Arbeitsgruppen beschäftigen sich mit den Themen Teilhabe, Begegnung und Stadtgesellschaft. Noch geht es nicht um konkrete Projekte, sondern um die Ideenfindung. So könne in dem Zentrum die Sprache Romanes gepflegt werden. Auch Fachkonferenzen für Lehrer seien denkbar. Löhrmann zeigt sich dabei interessiert, wirft schnell ihren Zeitplan über Bord, um länger in Minden bleiben zu können. Aus 45 Minuten werden fast zwei Stunden - und am Ende steht die Zusage, das ehrgeizige Projekt der Marschalls auch in Zukunft zu unterstützen. Zum Beispiel dabei, das Zentrum als außerschulischen Lernort zu etablieren. „Die Verbrechen der Vergangenheit dürfen nicht in Vergessenheit geraten“, sagt die Ministerin im Anschluss an die Diskussionsrunde. Das Leid müsse sichtbar gemacht werden. „Genau das ist hier passiert und deshalb bin ich gerne gekommen.“

Oswald Marschall hat schon während der Planungsphase betont, der heutigen Generation keine Vorwürfe machen zu wollen. Das sagt auch Rose: Der Holocaust stehe nicht mehr zwischen ihm und der Mehrheitsgesellschaft. Die Sinti und Roma seien vielmehr in der Emanzipation, „unsere jüdischen Freunde sind das schon seit dem 19. Jahrhundert.“ Mit Sorge berichtet Rose von einer neuen Form der Apartheid. Vor allem in Südosteuropa und auch in Deutschland herrsche ein gesellschaftliches Klima, in dem es Minderheiten schwer hätten. So würde wieder die ethnische Zugehörigkeit im Rahmen von Kriminalitätsberichten genannt. Damit werde unterstellt, dass es einen „rassischen“ Zusammenhang gebe, sagt Rose. Für den 70-Jährigen ist es das schlimmste der vielen Vorurteile gegenüber Sinti und Roma. Kriminalität müsse verurteilt werden, sagt er, „egal von wem sie verübt wird.“ Dass auch Sylvia Löhrmann den Weg nach Minden gefunden hat, wertet Rose als Zeichen der Solidarität: „Das gibt uns Mut“.

Das Begegnungszentrum „Mer Ketne“ („Wir gemeinsam“) soll ein zentraler Ort für den Dialog werden, auch wenn Integration erst dann gelungen sei, wenn man gar nicht mehr darüber reden müsse, sagt Löhrmann. Sie sorge sich um zivilisatorische Errungenschaften: „Jeder Mensch muss ohne Angst verschieden sein dürfen“, sagt die Ministerin. „Wir müssen wehrhaft bleiben.“

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